Im Netz kursieren die wildesten Gerüchte was Heikin-Ashi heißt und wer es „erfunden“ hat. Mal soll es ein Schwede gewesen sein, mal die Japaner (dem Namen nach eher japanisch als schwedisch, was?)
Da wir hier aber keinen historischen Exkurs machen wollen, sondern nur kurz und knapp die Fakten darlegen wollen, ist es uns im Grunde egal wer’s erfunden hat.
Heikin-Ashi ist eine relativ neue Art (angeblich sweit 2004), OHLC-Werte ähnlich Candlesticks darzustellen. Der Unterschied in der Darstellung ist recht schnell ersichtlich: Trends werden klarer dargestellt, Rauschen wird gefiltert und neben der Trendrichtung kann man sofort die Trendstärke und deren eventuelles abflauen sehen.
Zur Berechnungen einer Heikin-Ashi Candle gelten einige modifizierte Berechnungen gegenüber der Standard-Candle:
OpenHA[t] := (OpenHA[t-1] + CloseHA[t-1]) / 2
CloseHA[t] := (Open[t]+High[t]+Low[t]+Close[t]) / 4
LowHA[t] := Min(Low[t], OpenHA[t], CloseHA[t])
HighHA[t] := Max(High[t], OpenHA[t], CloseHA[t])
wobei für die erste Kerze gilt:
OpenHA[t-1] := Open[t-1] und
CloseHA[t-1] := Close[t-1]
Anders ausgedrückt gilt für Heikin-Ashi-Charts:
1. OpenHA ist der Mittelwert der gestrigen HA Open und Close Werte (dadurch beginnt die neue Kerze immer in der Mitte des Körpers der gestrigen Kerze)
2. CloseHA ist der Mittelwert der heutigen OHLC-Kurse
3. LowHA ist das Minimum aus heutigem Low, OpenHA und CloseHA
4. HighHA ist das Maximum aus heutigem High, OpenHA und CloseHA
Nehmen wir einmal den Chart des Dax seit dem 01.06.2010 und stellen ihn in klassisch Candlestick und Heikin Ashi dar:
Interpretation:
1. Im Aufwärtstrend haben wir lange grüne Kerzen die mit steigender Trendstärke immer länger werden. Eine Verkürzung der Körper zeigt nachlassende Trendstärke und eine bevorstehende Konsolidierung oder Seitwärtsphase an.
2. Kerzen mit Docht und Lunte deuten Anfang/Ende eines Trends an (Doji).
3. Wechselnde rote und grüne Kerzen zeigen eine Konsolidierungsphase
4. Im starken Bullenmarkt haben die Kerzen keine Lunte.
5. Im starken Bärenmarkt haben die Kerzen keinen Docht.
6. Gaps existieren nicht mehr. Starke Kurssprünge in hochvolatilen Werten werden gefiltert.
Tabellarisch könnten wir das Aussehen der Kerzen in den verschiedenen Trendphasen dann wie folgt zusammenfassen:
Wie können wir diese Informationen für das Trading nutzen?
Heikin Ashi ist eine Bereicherung für das Trading aller Währungspaare, insbesondere die volatileren wie GBPJPY oder EURJPY. Aber nicht nur diese. Alle gut trendierenden Werte sind bestens geeignet.
Heikin Ashi ist eine sehr gute Darstellungsmöglichkeit für alle Zeiteinheiten, von Minuten bis Wochen. Die gap-lose, rauscharme und gefilterte Darstellung kann aber auch von Vorteil für Anfänger sein, da sie kontinuierlichere und „ruhigere“ Charts erzeugt als der klassische Candlestick-Chart. Emotionen lassen sich so eventuell besser steuern und man wartet „bis der Trend ordentlich läuft.
Wenn wir uns obiges Bild mit Bär und Bulle ansehen stellen wir fest, dass es schon gereicht hätte bei der ersten grünen Kerze zu kaufen und der ersten roten zu verkaufen bzw. zu shorten. So simpel kann Trading sein (es ist natürlich der Markt insgesamt richtig zu beurteilen und evl. der eine oder andere Indikator zu Rate zu ziehen).
Im zweiten Teil zum Thema Heikin Ashi werde ich auf Indikatoren eingehen.
juliettpapa
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30. August 2010 um 21:13
schöner Artikel!
1. September 2010 um 09:57
Vielen Dank für die Info.
Eigentlich müsste man exakt das mal spaßeshalber coden als Strategie.
Werde ich mal machen in MC.
1. September 2010 um 13:12
Ohne weitere Indikatoren wird das wohl nichts. Aber poste mal Deine Ergebnisse hier…..
juliettpapa
1. September 2010 um 17:17
Also bei den gängigen FX-Pairs wird das nichts. Wenn man den Einstieg von einer Mindestgröße der Kerze abhängig macht und den Ausstieg trotzdem auf das kleinste Gegensignal belässt sieht das schon besser aus, aber immer noch nicht dauerhaft positiv.
War ja zu erwarten. Ich schau mal, was man noch machen kann. Ich glaube eher, man sollte diesen Code als Filter nehmen und nicht Filter für diesen Indikator suchen.
2. September 2010 um 18:26
Ich habe das in der Vergangenheit schon einige male gecodet und bin letzten Endes immer zu negativen Ergebnissen über längere Zeit gekommen. Die Signale kommen i.d.R. immer zu spät.
Kombiniert mit anderen Indikatoren gibt es zwar schon ganz vernünftige Ideen, ich denke aber die sinnvollste Nutzung ist die schnelle Identifikation und Erkennung von großen Trends. Es gibt für Ninjatrader einen ziemlich abgefahren Indikator namens “smoothed Heikin Ashi ” (oder so ähnlich), welcher die Berechnungsmethodik durch verschiedene Indikatoren verändert; … sollten sich alle, die sich für diese Chartform interessieren unbedingt mal anschauen.
11. September 2010 um 16:37
coole sache…
14. September 2010 um 17:00
Sehr interessant, JP.
Bin auf den zweiten Teil und ggf. der “Optimierung” der Handelsregeln gespannt…
Grüsse
Marvin
12. November 2010 um 17:49
Wann gibt es den zweiten Teil?
VG
11. Februar 2011 um 08:04
Auf den ersten Blick sieht Heikin Ashi immer schön aus, besonders in den geposteten Charts. Wenn man dann einmal versucht zu analysieren was Heikin Ashi wirklich macht, wird man es in den meisten Fällen in die Tonne werfen. Heikin Ashi kann man mit einem Weichzeichner in der Fotografie vergleichen, die realen/harten Kurse werden verwässert und die Bilder dadurch schöner.