Was macht diskretionäres Trading aus oder warum soll man ein Tradingtagebuch führen

Was macht diskretionäres Trading aus oder warum soll man ein Tradingtagebuch führen

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Was macht diskretionäres Trading aus oder warum soll man ein Tradingtagebuch führen

Gestern Abend bin ich beim Lesen über eine sehr interessante Textstelle gestolpert, die mich zum Nachdenken und Ziehen von Vergleichen mit dem Trading inspirierte.

Zitiert aus Isaac Asimov: I, Robot (1950):

„Mein lieber Byerley,ich sehe, dass Sie instinktiv den großen Irrtum begehen zu glauben, die Maschine wisse alles. Lassen Sie mich Ihnen einen Fall aus meiner persönlichen Praxis erzählen. Die Baumwollindustrie beschäftigt  erfahrene Aufkäufer. Deren Methode besteht darin, dass sie einen Fetzen Baumwolle aus einem beliebigen Ballen herauszerren. Sie sehen sich diesen Fetzen an, befühlen ihn, zupfen ihn auseinander, lauschen vielleicht auf das knisternde Geräusch, während sie das tun, berühren sie die Qualitätsklasse des betreffenden Ballens oder des betreffenden Lots. Es gibt etwa ein Dutzend derartiger Klassen. Auf die Entscheidung dieser Aufkäufer hin werden nun die Käufe zu gewissen Preisen vorgenommen, es werden Mischungen in bestimmten Proportionen gemacht und so weiter und so weiter. Und nun kommt das Eigenartige. Derartige Aufkäufer können auch heute noch nicht durch die Denkmaschine ersetzt werden.“

„Und warum nicht?“

„Kein Textilchemiker weiß genau, was es eigentlich ist, das der Aufkäufer testet, wenn er den Baumwollfetzen befühlt. Vermutlich ist es die Durchschnittslänge der Fäden, die Art, wie sie sich anfühlen, das Ausmaß ihrer  Glätte, die Art, wie sie zusammenhängen, und so fort. Mehrere Dutzend Faktoren werden im Unterbewusstsein des Einkäufers auf Grund jahrelanger Erfahrungen gegeneinander abgewogen. Die quantitative Natur dieser Untersuchungen ist unbekannt. Vielleicht weiß man nicht einmal, was alles wirklich dazugehört. Damit haben wir aber nichts in der Hand, was wir der Maschine als Angabe liefern könnten. Noch können die Aufkäufer  erklären, wie sie zu ihrer Beurteilung kommen.“

Dieser über 50 Jahre alte Text drückt mit dem Beispiel des Baumwolleaufkäufers sehr eindrücklich das Problem von Erfahrung und Intuition aus. Erfahrung? Oder doch einfach nur Übung? Welche Aspekte spielen denn in diesen Entscheidungsprozess hinein? Und was ist Intuition?

Fragen wir mal Wikipedia:,

Die Intuition (v. lat.: intueri = betrachten, erwägen; PPP intuitum) ist die Fähigkeit, Einsichten in Sachverhalte, Sichtweisen, Gesetzmäßigkeiten oder die subjektive Stimmigkeit von Entscheidungen ohne diskursiven Gebrauch des Verstandes, also etwa ohne Schlussfolgerungen, zu erlangen. Das vom Substantiv Intuition abgeleitete Adjektiv ist intuitiv. Intuition steht letztlich hinter aller Kreativität. Der danach einsetzende Intellekt führt nur noch aus oder prüft bewusst die Ergebnisse, die aus dem Unbewussten kommen.
(
Seite „Intuition“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 23. Februar 2010, 17:08 UTC. Abgerufen: 2. März 2010, 18:05 UTC)

Aha! Salopp gesagt ist also Intuition die Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen oder Gesetzmäßigkeiten zu erkennen, ohne den Verstand zu gebrauchen (Kreativität!). Der DANACH einsetzende Intellekt führt nur noch aus.

Wie ist es nun beim Trading? Welche Schlüsse zieht ein Trader wenn er diskretionär tradet? Und aus welchen Eigenschaften/Informationen des Marktes zieht er diese?

Ich versuche mal welche aufzuzählen (man möge mir die Unvollständigkeit verzeihen, ich trade selbst noch nicht so lange, um >Erfahrung< und >Intution< aus dem Markt zu ziehen):

Mögliche Aspekte könnten sein:

  • Nachrichtenlage, also was war (speziell die letzten Tage) in den Medien
  • Das Instrument (wer jahrelang nur Schweinebäuche handelt „sieht“ die aktuelle Volatilität ohne Indikator)
  • Korrelationen / Intermarket (z. B. Transportindex und Konjunktur)
  • Was haben die anderen Börsen heute gemacht?
  • die Umsätze (Voigt würde sagen „Wie viele stehen mit Papieren und Geld am Tisch)
  • etc. pp. (Ergänzungen willkommen)

Die o. a. Aspekte (und andere) über viele Jahre betrachtet (intueri – betrachten) – die Experten meinen 5-10 Jahre – führen zu Entscheidungen, die ich mit dem Verstand nicht mehr begründen kann. Dieser ist nur noch dazu da, diese Entscheidung umzusetzen und sich zu wundern, warum man etwas macht ohne Gründe dafür benennen zu können. Das ist das berühmte „Bauchgefühl“ oder „habe ich im Urin“…

Mir ist durchaus bewusst, dass das Trading nur zu einem mehr oder minder geringen Teil aus der diskretionären Komponente besteht. Meist ist es ja so, dass man technische Entscheidungen trifft und diese bei Unscharfheit oder Mehrfachauftreten durch die Erfahrung selektiert bzw. verfeinert und entscheidet.

Und jetzt kommen wir zur Überschrift: Jeder diskretionäre Trade enthält eine intuitive Komponente. Wie will ich diese aufspüren? Das geht nur, wenn ich jeden nicht hunderprozentig technischen Trade genauestens  dokumentiere. Mit technischen Daten sowieso, aber auch mit Gefühlen und „Urin“. Also WARUM steige ich HEUTE in Gold ein? Wirklich nur auf Grund der technischen Daten? Dann müsste der Auftrag als Limit eigentlich schon seit Wochen im System stehen. Oft ist es wohl nicht so. Wer erkennt sich hier selbst?

Schreibt auf, warum ihr gerade heute in Gold einsteigt. Ist es vielleicht doch der Fernsehbericht von gestern? Oder habe ich in der U-Bahn –zig Leute mit Tageszeitungen gesehen auf denen ich aus der Ferne immer wieder das Wort „Gold“ lesen konnte?

Nur wenn ich mir 100% über meine Entscheidung im Klaren bin, wird auch ein diskretionärer Trade zumindest teilweise nachvollziehbar. Und vor allem: Nur wenn ich genau weiß WARUM ich was mache, kann ich die nichterfolgreichen Bereiche vermeiden. Nach meiner Erfahrung bedeutet „die Performance steigern“ und das eigene Trading zu verbessern nämlich NICHT NUR die guten Ansätze immer weiter zu verbessern, sondern auch und vor allem die schlechten Ansätze wegzulassen. ……und aus diesem Prozess entsteht wieder Erfahrung und Intuition.

Wie seht ihr das und welche (diskretionären) Aspekte beeinflussen euch? Und welche davon könnt ihr steuern?

juliettpapa

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Über den Autor

Kommentare (13):

  1. Ich weiss, dass ich meine Ausstiege im Gewinn oft intuitiv tätige. Einstiege wähle ich häufig nach Indikatoren und Ausstiege nach MM und RM – ohne emotionale oder in intuitive Komponenten.
    Ich “fühle” Aktien besser als Futures – wenn man das so sagen kann, was garantiert daran liegt, dass ich sie schon wesentlich länger handle – gerade im Intradayhandel ist Intuition nach News häufig von Nutzen, wobei ich betonen möchte, dass die Intuition niemals das MM oder RM ausschalten oder in irgendeiner Form beinflussen darf.

    LG Aurelius

  2. Hallo Aurelius,
    auch auf das Risiko Gegenwind zu bekommen, glaube ich, dass das Handeln aus dem Bauch dazu führt nicht immer die besten Entscheidungen zu treffen.
    Beständigkeit ist der Schlüssel zum Erfolg! Und das geht nur, wenn man immer wieder das selbe tut auf ein und der gleichen Basis. Denn nur dann kann man Drawdownphasen überleben. Es ist aber wichtig eine Strategie zu besitzen, welche die Beständigkeit zulässt. Und das ist nun mal leider nicht der Bauch oder die Gefühlswelt. Denn die ändern sich ständig.
    Und glaube mir, ich erlebe es gerade am eigenen Leib, denn ich darf einem amerikanischen Händler täglich online über die Schulter schauen.
    Ich erlebe es, wie er den eMini live handelt und dabei so gelassen bleibt, als wenn Du einen Indikator programmierst. Und der Schlüssel ist das Verständnis für den Mark, den Trend und die Kerze. Dieser Bursche macht Tag für Tag 3 bis 4 Trades und hat eine 80 % Quote! Es ist einfach unglaublich und sooooo einfach das es wieder unglaublich ist.
    Alles Gute
    Fossil

  3. Fossil :
    Und der Schlüssel ist das Verständnis für den Mark, den Trend und die Kerze.

    Was genau bedeutet “Verständnis für den Markt”. Was ist das? Hat das nicht aus etwas mit Erfahrung zu tun?

    jp

  4. @ JP
    Hallo JP, ohne Euch langweilen zu wollen, kann man eine Aktie nicht mit einem Index oder Future vergleichen. Hier zu verstehen, was bewegt den Markt ist für mich Verständnis für den Markt.
    Der Trend braucht die Betrachtung in den verschiedenen Zeiteinheit damit man weiß wo man in der gehandelten Zeiteinheit steht.
    Und die Kerze zeigt das Verhaltender Marktteilnehmer und deren aktuelle ich nenne es mal Stimmung.
    Die Kombination aus diesen Informationen und ein oder mehrere Setups basieren auf der Kerze (ich rede hier nicht von auswendig gelernten Kombinationen wie Morning Star oder so) sondern Kerze um Kerze. Also wird die letzte Kerze duch die folgende bestätigt oder nicht oder sogar aufgehoben. Das ist für mich ein Handelsansatz, der immer wieder gleich und somit beständig gehandelt werden kann.
    Na klar gehört Erfahrung auch dazu, aber ob Intuition oder Bauchgefühl oder… dazu gehört, habe ich für mich beantwortet: “Nein”

  5. @Fossil
    Gegenwind ist doch gut, wie sonst diskutiert man :)

    Du hast anscheinend etwas überlesen:

    Ich weiss, dass ich meine Ausstiege im Gewinn oft intuitiv tätige. Einstiege wähle ich häufig nach Indikatoren und Ausstiege nach MM und RM – ohne emotionale oder in intuitive Komponenten.

    Meine Einstiege und mein Stop sind absolut ohne Bauchgefühl – lediglich meine Ausstiege tätige ich ab und zu intuitiv. Das ist eine Philosophiefrage: Ich persönlich bin der Meinung, dass bei den Gewinnern die Glückskomponente sehr groß ist, d.h. ich weiss nicht ob es ein großer Gewinner oder ein kleiner wird! Und das weiss übrigens auch keine anderer Mensch auf dieser Welt, egal wie gut er tradet. Wenn ich mein Kurziel also erreicht habe entscheide ich z.B. manchmal nur die halbe Position zu schliessen, weil ich in der Vergangenheit ähnliche Situationen erlebt habe – dies ist die einzige “Bauchentscheidung” alles andere kommt aus Preis, Volumen, Chart und Indikatoren.

    Beständigkeit ist der Schlüssel zum Erfolg!
    Es gibt keinen wissenschaftlichen Beweis, was zum Erfolg führt – nicht mal im Ansatz. Zum Erfolg an der Börse führt für jeden Einzelnen genau das, was für ihn funktioniert. Es gibt nur eine Sache, die man wirklich beeinflussen und kontrollieren kann und das sind die Verluste.

    LG Aurelius

  6. @Fossil

    Der Trend braucht die Betrachtung in den verschiedenen Zeiteinheit damit man weiß wo man in der gehandelten Zeiteinheit steht.
    Klar – aber welches ist die dominante Zeiteinheit?

    Und die Kerze zeigt das Verhaltender Marktteilnehmer und deren aktuelle ich nenne es mal Stimmung.

    Welche Kerze in welcher Zeiteinheit ist signifikant? Wann haben die Signale Wertigkeit?

    Aber Du hast natürlich Recht, dass ist ein Handelsansatz, der immer wieder gleich und somit beständig gehandelt werden kann – aber funktioniert er in jeder Kompression, ist die spannende Frage? In meiner ganz sicher nicht. Ich würde sogar behaupten, dass die Signifikanz des Bauchgefühls von der größe des Timeframes abhängig ist.

    LG Aurelius

  7. Aurelius :
    Ich würde sogar behaupten, dass die Signifikanz des Bauchgefühls von der größe des Timeframes abhängig ist.

    Das finde ich ja interessant. Habe ich noch nie drüber nachgedacht. Du meinst wahrscheinlich, je kürzer der timeframe desto signifikanter ist die Intuition?

    Loriots Interviewer des sprechenden Hundes würde sagen: “Ich weiß nicht, Herr Doktor, ich weiß nicht, ob das Tier diesem Thema gewachsen ist.” Will sagen: Kostolany würde da wohl widersprechen. Wobei der kein intradaytrading kannte.

    Wie kommst Du zu der Auffasssung? Vermutlich, weil man in längeren frames mehr Zeit hat, externe Informationen und Einflüsse auszuwerten. Dazu bleibt im Tickchart keine Zeit.

    Hm, hm. Interessante Hypothese, das.

    jp

  8. Der muss noch rein :-) :-) :-)

  9. @ Aurelius
    Natürlich ist der Trend auf höheren Zeiteinheiten signifikanter als auf den Kleinen. Jedoch nur die Kombination der Aussagen der Kerzen aus verschiedenen Zeiteinheiten ergibt ein schlüssiges Marktbild. Je mehr Zeiteinheiten die selbe Richtung des Trends belegen desto…!

    Welche Kerze in welcher Zeiteinheit ist signifikant? Wann haben die Signale Wertigkeit?

    Das hängt von Deinem Handelsansatz und Deinem Stop ab! Ein Beispiel:
    Ich handele auf 2 und 5 Minuten und beobachte dazu 60, 15, 5 und 2 Minuten. Sehr oft verwende ich einen 5 Minuten Pivotstop. Aber die Informationen aus den anderen Zeitrahmen sind massgeblich dafür verantwortlich ob ich ein Setup in 2 oder 5 Minuten handele. Aber wie gesagt immer basierend auf der Kerze und das Kerze für Kerze. Und genauso steige ich auch wieder aus einem Trade aus. Die Bewegung findet immer zwischen (long) Unterstützung und Widerstand statt. Und daran orientiere ich mein Trademanagement. Somit ist auch das wiederholbar!

  10. Aurelius ich muß Dir Recht geben. Wenn ich Breakouts handle, steige ich immer nach Gefühl aus und wenn ich das mache treffe ich meistens den Tiefpunkt oder Hochpunkt bevor eine Korrektur beginnt. Aber um das zu ereichen habe ich jetzt auch lange genug den Markt beobachtet und gehandelt. Früher war es so, daß der Gewinn fast um die hälfte oder mehr wieder weg war bis ich ausgestiegen bin.

  11. @aurelius
    Du schreibst: “Ich persönlich bin der Meinung, dass bei den Gewinnern die Glückskomponente sehr groß ist, d.h. ich weiss nicht ob es ein großer Gewinner oder ein kleiner wird! Und das weiss übrigens auch keine anderer Mensch auf dieser Welt, egal wie gut er tradet. Wenn ich mein Kurziel also erreicht habe entscheide ich z.B. manchmal nur die halbe Position zu schliessen, weil ich in der Vergangenheit ähnliche Situationen erlebt habe – dies ist die einzige “Bauchentscheidung” alles andere kommt aus Preis, Volumen, Chart und Indikatoren.”

    Du kannst an der Handelssituation erkennen, ob ein grosses Potential existiert, oder nicht. Natürlich weiss keiner, wo es hin geht, aber mit Glück hat das nichts zu tun. Wenn du gut vorbereitet bist, weisst du vorher, wann Du einen Teil deiner Position schließt. Wann Du aussteigst, lässt sich anhand der Handelssituation und der anderen Marktteilnehmer festlegen, sollte es im Trade unklar sein, sicherst Du Deine Gewinne ab. Auch hier hat das Bauchgefühl wenig nutzen. An dem Umgang mit den Stops und den realisierten Verlusten kann man den Trader ganz klar einordnen. Manchmal ist es schwer objektiv zu sein. es fällt einem oft leichter objektiv den Einstieg zu suchen, aber im Trade ist es genauso wichtig, objektiv zu sein.

    So, das ist meine Meinung. Viele Grüße!

  12. @ManuelCaesar
    Ist bei mir definitiv auch so.

    @pullbacktrader
    Ich will Dir gar nicht widersprechen, ich sehe das ja in der Regel nicht anders. Natürlich kann ich häufig das Potential erkennen, bei größeren Kompressionen beliebt mir auch genug Zeit den Trade bezüglich seines Ziels
    zu bewerten – wenn ich jedoch im Tickchart nur 5-10 Sekunden investiert bin, dann fällt die Entscheidung ob ich 2,3,4 oder 5 Ticks mitnehme häufig aus der Art der Bewegung und der Volumenentwicklung heraus – natürlich verarbeite ich dabei auch neutrale Informationen – es ist aber definitiv auch eine Anteil an Bauchgefühl vorhanden. Zumindest wüsste ich nicht, wie ich es anders beschreiben könnte.

    LG Aurelius

    P.S.: Trade absichern hat bei mir nichts mit Bauchgefühl zu tun – Gewinne gebe ich möglichst nicht mehr ab.

  13. @ Aurelius
    Ok, im Tickchart ist das was anderes. Ich hatte das auf Eure Diskusion bezüglich der Timeframes – wann haben Signale Wertigkeit – usw. bezogen.

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