Vollzeit-Trader (Teil 2) … Freund, Feind und Leid

Vollzeit-Trader (Teil 2) … Freund, Feind und Leid

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Vollzeit-Trader (Teil 2) … Freund, Feind und Leid

Für den aktiven und belesenen Trader steht hier vermutlich nicht viel Neues – ich schreibe diese Dinge deshalb auf, weil sie für mich die wichtigsten Schritte darstellen. Im dritten Teil schreibe ich wie ich persönlich meine Aktivitäten plane, welche Märkte ich handle (insbesondere mit welchen Methoden) und wie ich verusuche “über die Runden zu kommen”.

Wer ist mein Freund, wer ist mein Feind, was für ein Leid – was soll das bedeuten? Es soll aufzeigen, was auf dem Weg wirklich hilft und was nicht. Natürlich ist die Herangehensweise für jeden individuell zu betrachten – ich stelle daher nur meine Meinung dar und behaupte mitnichten, dass diese besonders richtig ist. Leid ist das, was man auch als die Schattenseiten bezeichnen könnte: Verluste, Verlieren und die Verdammung zu ewigen Lernen und Üben.

Seminare, Bücher und Coaching

Als ich anfing mich für die Finanzmärkte zu interessieren (nein ich war nicht 13 – ich war schon richtig erwachsen) habe ich nahezu alles an Literatur verschlungen, was auf dem Markt zu bekommen war, wobei ich relativ schnell feststellte, dass sich die Inhalte im Laufe der Zeit immer mehr wiederholten – irgendwann war es dann so schlimm, dass ich die Hälfte des Buches überblättern musste, da die Einleitungen stets bekannt waren – seit Jahren habe ich nun gar keine Börsenliteratur mehr angefasst. Sehr ähnlich verhält es sich mit Seminaren und Coachings – die letzten Jahre habe ich großen Abstand dazu gewonnen.

Nun habe ich mich allerdings gefragt, ob ich diesen wichtigen Schritt zum Vollzeit-Trader nicht noch mal mit Büchern, Seminaren oder Coachings begleiten lassen sollte – und was soll ich sagen … es gibt keine Seminare, Coachings oder Bücher für weit fortgeschrittene Trader – ein Witz – es gibt keine Literatur, Seminare oder ähnliches, die einen in dieser Phase an die Hand nimmt und Alternativen aufzeigt; also im übertragenen Sinne befinde ich mich in einem Land, in dem es etliche Grundschulen und Grundschullehrer gibt, aber keine weiterführenden Schulen. Und genau so ist es … in dieser Landschaft tummeln sich stattdessen mehr Räuber als Retter.

Es gibt keine Vertiefung von Trading, keine wissenschaftlich gestützte Lehrmethodik, keine pädagogischen Leitfäden – nichts (nichts was mir persönlich in dieser Phase hilft). Aber es gibt unglaublich viele Seminare und Bücher von Menschen, die gerade mal halb so alt sind wie ich, aber schon zehnmal solange an der Börse handeln. Seminare für Freizeit- und Hobby-Trader , Trading neben dem Beruf, etc. Am meisten frage ich mich, ob diese Leute auch so viel Schmerz an der Börse erfahren mussten, so viele Konten an die Wand gefahren haben wie ich – können die mich überhaupt verstehen? Können die meine hart erworbenen Fähigkeiten ausbauen und verbessern? Und die größte Frage: Können Sie auch von sich behaupten, fast jeden Fehler schon gemacht zu haben?

Coachings sind noch das sinnvollste, aber da fehlt mir die Realitätsnähe, die meisten coachen über das Internet und per Telefon – aus meiner persönlichen Sicht eine günstige Alternative – aber nichts was mit gefällt. Beim Coaching erwarte ich auch wesentlich mehr als von einem Seminar, in dem Grundlagen und Techniken vermittelt werden. Bei einem Coaching erwarte ich von einem Profi gecoacht zu werden, ein Trader, der mir zumindest schon mal schwarz auf weiß nachweist, dass er in den letzten 5 Jahren besser getradet hat als ich  – und … er sollte bezahlbar sein; also Minimum: Nachweise per Depotauszug oder nur direkte Empfehlungen – ansonsten lasse ich davon einfach die Finger. Bei jedem ernstzunehmenden Auftrag in der Wirtschaft (auch im Mittelstand) werden die Referenzen ganz selbstverständlich abgefragt – Blender werden dadurch häufig entlarvt – so hätte ich es hier gerne auch.

Fazit: Mir kann keiner helfen – ich muss da alleine durch. Ich bin seit fünfundzwanzig Jahren mit Leib und Seele dem Sport verschrieben und habe immer viele Parallelen in den zentralen, traditionell gelehrten japanischen Kampfsportarten (Karate, Judo, Aikido) zur Börse festgestellt – Neben der konsequenten und kontinuierlichen Übung ist vor allen Dingen bemerkenswert, das man  ab einem gewissen Niveau sich nur noch selbst weiterentwickeln kann, da die Lehrer, die besser sind als man selbst mit jedem Dan-Grad und jeder gewonnenen Meisterschaft weniger (oder erheblich kostspieliger) werden und nur wenige es vermögen, dass vollständige Potential ihres Schülers herauszuarbeiten.

Immer und überall: Die Psychologie

Oft hört man, dass Psychologie eine wesentliche Rolle spielt: In vielen Büchern wird oft über psychologische Phänomene geschrieben und diese erklärt – ich bin kein Psychologe und vermag die Dinge, die ich dort lese und auch logisch finde, nicht wirklich zu beurteilen; daher will ich also an dieser Stelle nicht die typische Aspekte im Bereich der Tradingpsychologie erwähnen, sondern vielmehr darlegen, dass ich der Meinung bin, dass die Psychologie schon außerhalb der Börse und insbesondere bei bzw. vor der Entscheidung Trader zu werden, eine wichtige Rolle spielt:

Es ist selbstverständlich, dass man hier keine allgemeingültige Regel aufstellen kann, denn jeder Mensch ist anders, aber eines haben wir häufig gemeinsam: Uns wird immer irgendwann langweilig und wir finden immer zu unseren liebsten Tätigkeiten zurück. Was machen also Vollzeit-Trader den ganzen Tag so?

Viele Neueinsteiger denken über den Erfolg an der Börse sicherlich, man könne ja, nachdem die Trades im System sind, Sport machen oder in Café’s sitzen oder die Ladies am Pool massieren, etc. Ich denke allerdings, hier verhält es sich ähnlich wie in anderen Geschäftsbereichen: In der Regel sind erfolgreiche Menschen eng mit ihrer Geschäftspassion verbunden; letzten Endes finden sie immer wieder zu ihrer Arbeit zurück und gönnen sich nur angemessene Freizeit. IMHO glaube ich, dass auch genau das der Kern erfolgreicher Arbeit ist; denn eine Arbeit, die man leidenschaftlich und mit Spaß an der Freud leistet, wird mit wesentlich höherer Wahrscheinlichkeit zu einem guten Arbeitsergebnis führen, als Arbeit die man lediglich “nebenbei” erledigt … oder um meine persönliche Erfahrung und Meinung in wenige Worte zu fassen und das ganze stärker abzugrenzen: Gewinner bleiben Gewinner, Verlierer bleiben Verlierer; denn wer niemals darüber nachgedacht hat zu den Besten zu gehören, sich abzuheben und grundsätzlich mehr zu Leisten als andere – oder schlussendlich zur Erreichung eines höheren Ziels niemals Opfer gebracht hat – wieso sollte dieser Mensch auf einmal an der Börse eine Ausnahmeerscheinung sein? Wie kann so ein Mensch an der Börse überhaupt zu den langfristigen Gewinnern gehören? Wenn man nicht an verkanntes Talent und Märchen glaubt, muss man kein Psychologe sein, um sich diese Frage selbst zu beantworten – denn einig sind sich die meisten: ohne harte Arbeit und Opfer gibt es keine Trader-Karriere.

Fazit: Ohne eine gesunde Psyche und bestimmte, damit eng verbundene, mentale Fähigkeiten ist keine Trader-Karriere möglich. Man muss in der Lage sein harte und kontinuierliche Arbeit zu leisten, ohne eine absehbares Ende vor Augen zu haben. Egal wie viel Rückschläge es gibt, ich muss die Fähigkeit haben immer wieder aufzustehen und den eisernen Willen haben, zu den Besten zu gehören.

Übung macht den Meister

Die Märkte sind wie ein stockfinstere Höhle ohne Ausgang und keiner kann nur die eigene Hand vor Augen sehen.

  • Die, die lange in diese Höhle sind, kennen sie besser als diejenigen, die sie neu beitreten … ein kleiner Vorteil.
  • Für das Umschiffen von tödlichen Fallen bei Bewegung in dieser Höhle kann dieser Vorteil plötzlich eine wesentlich größere Bedeutung haben und
  • lerne ich jeden Zentimeter diese Höhle auswendig und achte ich auf die Schreie der Sterbenden, fange ich an zu den wenigen in dieser Höhle zu gehören, die langfristig überleben.

Lesen, Lernen, Üben, Traden, Traden, Traden, … und wieder von vorne … etliche Male -  dies ist die Grundausbildung. Wissen aufsaugen, eigene Ideen und Meinungen bilden ist der erste Transfer des Erworbenen, gefolgt vom ersten Praktikum: Ein Demokonto nach oben zu traden (z.B. 1000 Trades als Kurzfristtrader bzw. 100 als langfristig orientierter Trader) unter Anwendung von MM und RM ist der krönenden Abschluss dieses „Praktikums“. Alles das sind unumgängliche Lernschritte: Aber wer am Demokonto scheitert oder das nicht mehrmals schafft, hat meiner Meinung nach keine Chance langfristig erfolgreich an der Börse handeln. Das sehen viele anders, aber da ich überwiegend nur nach Indikatoren, Chart und Volumen handle, baue ich auf eine gewisse Reproduzierbarkeit und glaube daran, dass man dies in Ansätzen gut im Demokonto simulieren und sich selbst beweisen kann. Nach erfolgreichem „Praktikum“  kann ich meinen Job beginnen und versuchen ihn bestmöglich im Realhandel auszuführen.

Der folgende Teil ist nicht wenig polarisierend und ich werde deshalb häufig angefeindet: Man liest häufiger von Tradern, die ihr Konto vernichtet haben – dies ist zwar keine schöne aber sehr wichtige Erfahrung; nur jetzt kann man lernen aufzustehen und nur hier fängt man an, den persönlichen Bezug zum Geld zu verstehen – wenn mein Konto ruiniert ist und ich darunter leide, habe ich das „falsche Kapital“ verwendet. Ich habe Geld verwendet, das ich nicht zu verlieren bereit war und das führt unweigerlich dazu, dass ich mein Arbeitsmaterial nicht optimal einsetzen konnte.

Mein Arbeitsmittel (das Geld) ist wie der Samen eines Bauers;

  • … er weint niemals, wenn er ihn unter die Erde bringt,
  • … wenn er tausende davon verliert, kann er das ertragen.
  • Selbst der Totalverlust hindert ihn nicht daran, im nächsten Jahr neu auszusähen.

Der Samen ist Mittel zum Zweck, so wie das Kapital des Traders – nicht mehr nicht weniger … und alles zu verlieren will gelernt sein.

Abschließend sei erwähnt, dass man wichtige Erlebnisse beim Trading mittels eines Tagebuchs dokumentieren muss – keine Geschichte ohne Geschichtsschreibung, keine Lehre ohne Lehrbuch: Anfangs sollte man viel schreiben, später nur notwendiges. Was in guten Firmen dem jährlichen Review entspricht ist beim Trading das regelmäßige Blättern in alten Aufzeichnungen des Tagebuchs.

Fazit: Übung macht den Meister! Routine festigt das Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten – und ich sollte meinem kleinen, begrenzten menschliches Gehirn helfen und es nicht überschätzen (Tagebuch). Wer kein Tagebuch führt und sich nichts notiert, ist schlicht zu faul oder überschätzt sich – beides übrigens typische Verlierereigneschaften.

Die Motivation und das dazugehörige Fachgebiet

Was möchte ich traden? Wie lange möchte ich investiert sein? Was bin ich für ein Typ?

Hier gibt es unzählige weitere Fragen, die schon tausendmal irgendwo aufgeführt und erklärt wurden. Eigentlich kann man dazu gar nicht genug schreiben, ich möchte mich aber nur auf einen wesentlichen Punkt beschränken, der mit den oben genannten Inhalten im Zusammenhang steht: Ich muss mich immer und jederzeot wohl fühlen! Es ist mir egal, ob ich 10 Minuten oder 20 Stunden am Rechner sitze – natürlich ist es anstrengend, aber ich möchte nichts anderes machen, auch wenn das Gehalt mal nicht so rosig ist. Ich trade was ich sehe und wenn ich es sehe und wenn ich sogar beginne nur aus Spaß am Spiel zu traden wechsle ich auf ein eigens dafür eingerichtetes Übungs- oder Zocker-Konto. Trading ist mein Leben.

An dieser Stelle sind viele Trader anderer Meinung und ich betone deshalb, dass das meine ganz persönliche Ansicht ist – wer nebenbei tradet muss dies nicht beachten, aber wer davon Leben will, sollte sich entscheiden: Ente oder Trente.

Fazit: Teste alle Märkte und Zeitebene, berücksichtige dabei die persönlichen Vorlieben und guten (z.B. Geduld) sowie schlechten Eigenschaften (z.B. Ungeduld) – fühl’  dich wohl mit dem was Du wählst.

Der Traum vom Trading zu Leben

Wir kennen alle die Schwätzer der Szene; gerade in Foren und Blogs gibt es mehr, die angeblich davon Leben können als es statistisch prozentuale Gewinner an der Börse gibt. Unter den offiziell geführten Listen von aufgeführten Top-Verdienern oder Millionären ist mir noch kein Trader in Deutschland aufgefallen – ist auch nicht so einfach, wie man gleich sieht.

Im Folgenden sind alle Kosten in Euro pro Monat zu verstehen, unter Gesunderhaltung verstehen wir Essen-, Hygiene- und Reinigungsartikel. Sonstige Einnahmen und somit evtl. anfallende Einkommenssteuer und Gewerbesteuer werden nicht berücksichtigt – wir wählen einen Idealfall von nur 25% Abgeltungssteuer. Diese 25% müssen also gedanklich immer auf die folgenden Grobschätzungen aufgeschlagen werden (man muss also immer mehr Gewinn erzielen als Kosten angegen sind). Hier also mal die Kosten die verschiedene Personengruppen haben – Trading- bzw. Opportunitätskosten, Erstanschaffungen von Autos, Fernsehern oder jeglichen Luxusartikel werden nicht im Detail berücksichtigt. Die roten Summen entsprechen dann Variariationen von Ein- bis Mehrfamilienhaushalten unter verschienden persönlichen Anspruchs-Gesichtspunkten.

Beispiel 1 – Geringer Anspruch:

  • Wohnung inkl. Nebenkosten: WG oder Studentwohnheim: 50,00 – 150,00
  • Gesunderhaltung: Billgste Dicounter-Ware: 100,00 – 200,00
  • Versicherungen und Altersvorsorge: 0,00
  • Mobilität: Öffentliche Verkehrmittel: 0,00 – 30,00
  • Freizeit/ Hobbies: Nur kostenlose Aktivitäten: 0,00
  • Luxus: Keiner: 0,00
  • Ausgabenspanne: 150,00 – 380,00

Dieser bettelarme, auf niedrigstem Niveau lebende Mensch, sollte sich an Hartz IV orientieren, Trading ist schlicht nicht nötig. Mit diesem Beispiel will ich andeuten, dass man sich nicht mit Trading beschäftigen sollte und schon gar nicht davon träumen sollte davon leben zu wollen, wenn man sich mit  niedrigsten Ansprüchen zufrieden gibt. Es gibt in diesem Rahmen wesentlich einfache Möglichkeiten zu überleben.

Beispiel 2 – Durchschnittsanspruch:

  • Wohnung inkl. Nebenkosten: 400,00 – 800,00
  • Gesunderhaltung: 150,00 – 300,00
  • Versicherungen und Altersvorsorge: 50,00 – 200,00
  • Mobilität: Öffentliche Verkehrmittel/ Auto: 50,00 – 200,00
  • Freizeit/ Hobbies: Kino, Museum, etc.: 60,00 – 100,00
  • Luxus: Alkohol/ Zigaretten/ Süssigkeiten: 40,00
  • Ausgabenspanne: 750,00 – 1640,00

In dieser Gruppe dürften sich die meisten Durchschnittverdiener wiederfinden. Der monatliche Trading-Gewinn sollte also im Durschnitt klar über 1000,00 Euro liegen – Verlustphasen eingerechnet.

Beispiel 3 – Gehobener Anspruch:

  • Wohnung/ Haus inkl. Nebenkosten: 800,00 – 1500,00
  • Gesunderhaltung: 250,00 – 650,00
  • Versicherungen und Altersvorsorge: 200,00 – 600,00
  • Mobilität: Auto: 200,00 – 500,00
  • Freizeit/ Hobbies: Kino, Museum, etc.: 100,00 – 200,00
  • Luxus: Alkohol/ Zigaretten/ Süssigkeiten/ Elektro-Artikel: 50,00 – 100,00
  • Ausgabenspanne: 1600,00 – 3550,00

An dieser Stelle kann jetzt jeder für sich selbst überlegen, wie schwer es ist vom Trading zu leben. Manche sind sich über ihre Kosten gar nicht im Klaren oder nehmen an, das die derzeitige Kosten eine Leben lang konstant bleiben: ein Puffer wird gar nicht erst eingeplant.  Ich habe bewusst auf die Schickeria-Anspruchsklasse verzichtet; denn um dieses Niveau zu leben sind sehr hohe monatliche Gewinne notwendig – mir ist derzeit kein öffentlich handelnder Trader namentlich bekannt, den man zu dieser Klasse zählen könnte.

Fazit: Bescheidenheit, Planungssicherheit und realistische Herangehensweisen sind notwendige Tugenden. Ein Nebenjob mit festen Einnahmen kann nicht schaden, um eine Gesamtstabilität des eigenen Wirtschaftskreislaufes zu sichern. Kann man seinen Lebensunterhalt langfristig nicht durch Trading sichern ist Trading “just for fun” oder “langfristiges Investieren” die bessere Alternative.

Abschliessend eine häufig unterschätzte Komponente – für mich der beste Freund oder der größte Feind:

Glück oder „kein Pech“ haben

Auch wenn ich ein gutes reproduzierbares System gefunden habe, sollte mir immer klar sein, dass auch Glück (und/ oder Pech) eine vorhandene Komponente ist. Es ist immer möglich, dass sich etwas nicht wie geplant entwickelt und das auch noch absolut ohne ersichtlichen Grund. Ebenso kann ich nur planen, was ich verliere möchte – wie viel ich Gewinne wird stark vom Glück beeinflusst. Man kann das ein wenig mit einer Vollbremsung bei Höchstgeschwindigkeit vergleichen, dort zählen auch Größen wie Übung, Erfahrung, Reaktion, Straßenverhältnisse etc. – aber ein wenig Glück ist außerhalb der Tests in Idealumgebungen ist dann doch notwendig; denn nur eine kleine Pfütze oder ein ungünstiger Windstoß kann bei einer Vollbremsung aus z.B. 300 km/h heraus fatale Folgen haben.

LG Aurelius

… to be continued

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Über den Autor

Kommentare (29):

  1. @GeDi

    Das ist eine interessante Einstellung. Könntest Du sie evtl. begründen?

    Die Teilnehmer, die Methoden, die gesammten Umgebung bedingt sich gegenseitung und ändert sich permanent. Die Halbwertzeit der meisten funktionierenden Systeme ist nicht wissenschaftlich zu berechnen und das vermutlich aus gutem Grund :) .

    In jedem Geschäft ist man solange erfolgreich, bis die Konkurrenz in den Markt tritt.

    Das kann man so nicht uneingeschränkt stehen lassen – viele haben versucht tolle Betriebssysteme oder Anwendungen zu bauen – der Code von Microsoft war nie geheim – aber niemals ist die Konkurrenz nur annähernd bedrohlich für Gates geworden. Gerade in der IT gibt es etliche dieser Beispiele (z.B. SAP, Oracle, etc.). Film und Buchautoren sind ein weiteres Beispiel – kaum Ideen- und Schaffungs-Geheimsnisse in ihren Werken; dennoch erreichen andere nie nur annähernden Erfolg (Star Wars, Harry-Potter, Tolkien, etc.).

    Das große Erfolgsgeheimnis ist die Individiualität. Es ist wie mit der Liebe – einen Menschen liebt man auch vor allen Dingen wegen seiner Individualität – man kann etlichen anderen Menschen mit ähnlichen innerlichen und äusserlichen Charakter-Eigenschaften begegnen; man wird sie nie so gut finden wie die/den Liebste(n).

    Vielleicht für ein besseres Verständnis: Ich meine rausgelesen zu haben, das Du eine Softwarefirma hast. Das ist eine zukunftsträchtige Branche. Erzähl doch mal genau, was Du für Software anbietest. Was hast Du denn für Kunden (Anschrift..)? Welchen Quellcode nimmst Du? Könntest Du mal Deine Programmierung hier posten, so wie Du vor hast, Deine Tradingstrategie hier zu posten?

    Klar :) Wir stellen Dokumentationssysteme für das Gesundheitswesen und die Bauindustrie her. Viele der Top-Ten Firmen bzw. Institutionen dieser Branchen zählen auch zu unseren Kunden. Wir gehören seit Jahren in einem Segment bestimmter Dokumentations-Netzwerklösungen zu den Marktführern. Unsere Systeme (in Java, PHP, C++) kann sich jeder ansehen, sie sind so simpel, dass sie jeder Informatiokstudent mit ein bißchen Fachwissen nachprogrammieren kann. Genau dies ist auch schon oft geschehen: Ideen kopiert, Eigenschaften verbessert, etc. – technisch bessere Lösungen gab es in den letzten Jahren viele – aber es hat uns nie geschadet, eher das Gegenteil war der Fall.

    Zum großen Erfolgsgeheimnis:
    Wir machen nicht besonderes, sind nicht besonders teuer, nicht besonders preiswert. Wir sind einfach nur sehr verbindlich, zuverlässig und konstant in unserern Leistungen – keine Verspätungen, keine Engpässe, keine Unregelmäßigkeiten. Der Kunde bemerkt uns quasi kaum – weder finanziell noch durch negative Leistung.

    Genau so halte ich es mit den Märkten: nichts geheimnisvolles nur konsequentes umsetzen unterschiedlicher Methodiken … und besonders gut finde ich es, wenn der Markt mich nicht bemerkt.

    LG Aurelius

  2. “Das kann man so nicht uneingeschränkt stehen lassen – viele haben versucht tolle Betriebssysteme oder Anwendungen zu bauen – der Code von Microsoft war nie geheim – aber niemals ist die Konkurrenz nur annähernd bedrohlich für Gates geworden….”

    Weil die Konkurrenz lange geschlafen hat und Bill Gates ein exzellenter Geschäftsmann ist, der es verstanden hat, seine Partner lange an sich zu binden. Seit nun OpenOffice, Linux etc auf die Märkte kommen, sind die Preise von Microsoft rapide gefallen. Bill Gates ist vom Reichtum aus dem Spiel, die Google Jungs ebenfalls, aber die Firmen werden es Jahr für Jahr schwerer haben, ihre Gewinnmargen zu halten, was man ja auch schon an den Bilanzen ersehen kann. Die Dauer der Zeit ist das entscheidende: Reicht es, um Reichtum anzuhäufen oder dringen die Konkurrenten sofort auf den Markt!

    !! Das große Erfolgsgeheimnis ist die Individualität. !!

    Das meinte ich doch…das ist es…nicht das abgucken Eure Aktientipps oder Eure Systeme…sondern das Aufbauen einer eigenes, individualistisches Geschäftes…auch im Trading!

    „Klar Wir stellen Dokumentationssysteme für das Gesundheitswesen und die Bauindustrie her. Viele der Top-Ten Firmen …“

    Na komm, Aurelius, das geht noch genauer ;-) . Vielleicht höre ich dann mit dem Trading auf! Wer sind denn die Kunden genau…, stell doch mal die Programmierung hier rein. Ich hatte vor kurzem eine insolvente Softwarefirma und die Programmierer würden sich freuen, wenn ich sie damit mal anrufen würde. Wie genau sind denn Eure Preise? Wie….STOP

    Ich bin mir 100% sicher, dass Du mir nicht alles mitteilen wirst, wie Dein Geschäftsmodell aussieht, sondern nur die Oberfläche („Viele der Top-Ten Firmen bzw. Institutionen…“ [so wie Fondsprospekte…ui, sorry ;-) ]). Das wollte ich hier verdeutlichen und den Newbies, die hier den Traderecord oder die aktuellen Wochentipps sehen wollen, sich lieber hier die Artikel anschauen sollten, wie das Tradingjournal von Marvin etc.. Das macht diesen Blog im Vergleich zu anderen aus. Nicht „Wir machen zig Millionen“, „Wir sind Experten, für xx€ zu kaufen“, sondern das „trockene, reale“ Trading.

    Bitte weiter so und Gruss
    GeDi

  3. Weil die Konkurrenz lange geschlafen hat und Bill Gates ein exzellenter Geschäftsmann ist …

    Genau :)

    !! Das große Erfolgsgeheimnis ist die Individualität. !!
    Das meinte ich doch…das ist es…nicht das abgucken Eure Aktientipps oder Eure Systeme…sondern das Aufbauen einer eigenes, individualistisches Geschäftes…auch im Trading!

    OK, hatte ich mißverstanden.

    Ich bin mir 100% sicher, dass Du mir nicht alles mitteilen wirst, wie Dein Geschäftsmodell aussieht, sondern nur die Oberfläche („Viele der Top-Ten Firmen bzw. Institutionen…“ [so wie Fondsprospekte…ui, sorry ;-) ]).

    Also ich weiss wass Du meinst, aber in der Tat hätte ich vermulich weniger ein Problem damit. Ich gebe Dir insofern Recht, dass – würde ich vermuten, dass eine andere Firma oder Person in der Lage wäre meine Individualität zu Nichte zu machen und könnten diejenigen mit diesen Infos mein Konzept 1:1 kopieren, dann wäre ich in der Tat vorsichtiger mit den Informationen. Insbesodere stimmt es natürlich, dass ich nicht aller Welt alles mitteilen würde sondern für die vollständige Informationsfreigabe sondieren würde.
    Ich wollte im letzten Kommentar auch weniger widersprechen sondern vor allen Dingen verdeutlichen, dass gerade die Eigenschaften wie Verbindlichkeit, Zuverlässigkeite und konsequentes Handeln (die nicht unmittelar zur Geschäftsidee gehören) viel schwieriger zu kopieren sind, als irgendwelche vollständigen Informationen, Konzepte und Ideen.

    Und im Trading ist es halt genauso: die meisten scheitern sicherlich and den Basisvoraussetzungen, die eigentlich nicht unmittelbar mit dem Trading im Zusammenhang stehen :)

    Viele Grüße und Danke Aurelius

  4. Hallo Aurelius und hallo an die anderen “Komentierer”,
    Ich habe wie viele Teil 1 und 2 sehr aufmerksam verfolgt und finde die Diskussion sehr interessant. Daher möchte ich auch kurz etwas dazu schreiben.
    Ich glaube das man Trading mit keiner anderen Tätigkeit die mir bekannt ist vergleichen kann! Mein Lebenslauf war immer von Fleiß und machen gekennzeichnet. (Ich bin unabh. Versicherungs- & Finanzmakler) Auch war ich immer der festen Meinung das Wissen und Bildung zu Erfolg führt.
    Beim Trading ist es aber anders! Hier sind Eigenschaften gefragt, die dem widersprechen. Wir werden mit erfolgreichen Trades belohnt, wenn wir zuvor nichts getan haben und auf den richtigen Moment gewartet haben.
    Wir werden mit höheren Gewinnen belohnt, wenn wir einen Teil der Gewinne dem Markt zurückgeben.
    Handelsmethode
    Ich habe für mich herausgefunden, dass egal wie ich handele, meinen Stil handeln muss denn sonst ist die erste DrawDown Phase das Ende. Daher kann ich auch nicht die Signale anderer handeln. Es fehlt mir einfach das Vertrauen.
    Handelsstil
    Auch hier habe ich eine Erfahrung gemacht die ich teilen möchte. Die “Industrie” versorgt uns immer wieder aufs neue mit Tools und Indikatoren. Diese können aber nur in die Vergangenheit blicken und basieren auf meist auf der T&S Liste sowie Zeit. Mich verwirrte das unglaublich. Nachdem ich all das von meinem Chart verbannt habe und nur noch an der Meinung der anderen Händler am Markt interessiert bin, hat sich meine Welt total verändert. Die Markttechnik ist das eine und die Grundlage. Neu leider fehlt z.B. bei Voigt der Level darunter, nämlich die Kerzenanalyse. Jede einzelne Kerze hat eine Aussage über das Denken der Maktteilnehmer und über die Wahrscheinlichkeit der Kurse in der Zukunft. Einfach und genial zugleich!
    Kann ich davon leben?
    Noch nicht aber ich werde, und das ist ein Versprechen an mich selber! :-)

  5. @Fossil

    Also Bildung und Wissen gehört für mich unverzichtbar dazu. Ohne das Wissen über die Märkte und die notwendige (Aus-)Bildung geht gar nichts – und besonders wichtig ist dabei der Fleiß – für mich ist dies kein Unterschied zu vielen anderen Tätigkeiten im Leben. Das was den Unterschied ausmachen kann ist aber natürlich die Tatsache, dass aus A nur selten B folgt. Also besonders viele Fleiß und Bildung führen nicht unbedingt zum Erfolg (leider auch nur selten) … aber ist das nicht im Leben auch so?

    Die Sache mit Methode und Stil sehe ich auch so; wenn man etwas macht, dass nicht zur Persönlichkeit passt, funktioniert es nicht. Ich finde allerdings, dass es beruflich im Alltag ähnlich läuft. Welche Mittel jemand benutzt spielt dabei für mich keine Rolle. Ich z.B. handle fast ausschliesslich nach Indikatoren, ziehe aber gerne auch mal fundamentale Methoden dazu und schau mit auch das eine oder andere Mal Kerzen an.

    Jede einzelne Kerze hat eine Aussage über das Denken der Maktteilnehmer und über die Wahrscheinlichkeit der Kurse in der Zukunft.

    Das geht mit Indikatoren genauso; hier liegt der größte Fehler im Denken einiger, dass sie mit der Abbildung der Vergangenheit argumentieren. Ob ich die Information aus den Indikatoren ziehe oder aus einer Kerze, aus Preisen und Marktiefe (DOM) oder dem Chart an sich ist vom Prinzip her völlig gleichwertig! Die Bildung der Meinung zur Wahrscheinlichkeit der zukünftigen Kursentwicklung geschieht immer auf Basis vergangener Daten – ein Indikator kann genauso wenig über die Zukunft verraten wie eine Kerze oder irgendetwas anderes.

    Wichtig ist eine Methode oder einen Stil für sich zu finden, den man dann auch passend zur Persönlichkeit lebt.

    LG Aurelius

  6. Ich denke auch das Bildung und Wissen dazu gehört. Und das erlangt man durch Fleiß.
    Ich lerne jetzt seit 3 Jahren ununterbrochen. Trade jeden Tag, lese die meisten Tradingbücher und bin jetzt seit neustem bei “Team Trading”. Ich versuche alles um zulernen und mich weiter zu entwicklen, in der Hoffnung das ich demnächst ausschließlich mein Lebensunterhalt mit Traden bestreiten kann. Ich bin nicht allzu weit mehr davon entfernt. Aber selbst wenn ich noch 10Jahre lerne heißt es nicht das ich ein Top-Trader werde,da gehört dann ein gewisses Talent dazu, aber ich denke es ist möglich zulernen wie man vom Traden leben kann.
    Du kannst jedem Deine Strategie zeigen und doch wird sie jeder anders handeln. Der eine steigt früher aus, der andere später und der nächste ist erst gar nicht eingestiegen. Aber trotzdem denke ich das man lernen kann die wichtigsten Fehler zu eliminieren und profitabel zuwerden, wenn man die Zeit und die Asudauer und das Geld mitbringt. Man muß es aber auch wirklich wollen.
    Gruß
    Manuel

  7. Zum Thema “Bildung und Wissen”:
    Also ich finde es ist schon so, dass beides unbedingt zum Trading gehört.
    Ohne geht es natürlich nicht.
    Aber: Man muss hier zwischen horizontalem Wissen (breit angelegt wie es in der Schule notwendig war … und für einige noch ist) und vertikalem Wissen unterscheiden.
    Vertikales Wissen geht viel mehr in die Tiefe, man beschäftigt sich mehr mit der Materie und mit sich selbst.

    Zum Thema “einzelne Candles”:
    Voigt geht im Rahmen der Markttechnik eigentlich nur auf eine (wichtige) Kerzenformation ein: Den Umkehrstab!
    Und das genügt.
    Mehr braucht man zum Markttechnischen Trading nicht.
    Im Grunde genommen interessiert er sich nicht so sehr für Candles, eine tiefergehende Analyse etwaiger Formationen bringt keinen Mehrwert.
    Hier geht es vielmehr um die dahintersteckende Kursbewegung.
    Soll heißen:
    Was steckt hinter einem Umkehrstab (oder auch Hammer/Shooting Star/Dark Cloud Cover …)?
    Eine Zeiteinheit tiefer stellt sich das als ein 1-2-3 dar und darauf kommt es an.
    Alles baut darauf auf, im Endeffekt auf der T&S-Liste (Tickchart).

    Viele Grüße,
    Clint.

  8. Du sprichts mir aus der Seele!

  9. Hi Aurelius,

    auch ein Kommentar von mir. ;)

    Sehr interessanter 2. Teil, der Lust auf de 3. Teil macht.
    Ich bin total begeistert von deinem einstellung zu Trading..
    lg

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