Wie lange könnte es dauern?

Wie lange könnte es dauern?

Im ersten Artikel gingen wir auf die Frage ein, ob das Traden erlernbar wäre. – Ja, es kommt aber auf die Erwartungen an. Zu den Besten zu gehören wird sich nicht von Anfang an ergeben. Es heißt nicht umsonst: “Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen”.

Vor einiger Zeit bin ich auf diesen Blog-Eintrag gestoßen. Es handelte sich um nichts Geringeres als die Überlegung wie lange es dauern könnte bis eine Person ein Experte auf einem Gebiet wird.

Dabei kommen diese Überlegungen aus dem Buch “Outliers” von Malcolm Gladwell. Dort hat er untersucht wie viele Übungsstunden ein professioneller Eishockeyspieler, ein Pianist und ein Komponist jeweils gebraucht haben um wirklich gut auf ihrem Gebiet zu werden.

Zu meiner Überraschung waren es lediglich 10.000 Stunden. Klingt nicht viel und möglicherweise sind wir schon Milliarden gewöhnt und alles andere erscheint uns wenig.

Wir haben somit ein Arbeitspensum von 10.000 Stunden. Würden wir jeden Tag diszipliniert eine Stunde mit dem Trading verbringen, dann wären das 27 Jahre. Bei drei Stunden am Tag, wären es noch etwas mehr als 9 Jahre. Dies bedeutet aber, dass sowohl am Wochenende jeweils drei Stunden am Tag in das Traden zu investieren ist – als auch während des Urlaubs.

Für mich ist das erschreckend und enttäuschend zugleich. Gehen wir von einem Angestellten aus, der acht Stunden am Tag arbeiten muss. Meistens ist die Pause nicht bezahlt, also 8,5 Stunden. Kommt noch die Anfahrt hinzu, sagen wir idealerweise 30 Minuten inkl. der Rückfahrt. Sind wir bei neun Stunden.

Leider gehöre ich zu den Menschen die etwas mehr schlaf brauchen. Manchmal sind es neun Stunden manchmal acht. 9 + 8,5 = 17,5. Bleiben in diesem Fall 6,5 Stunden übrig, wovon Körperpflege, Essenszeiten und Haushaltsarbeit noch abzuziehen ist.

Mir fällt es leider oft schwer mit meiner Zeit klar zu kommen. Deshalb möchte ich hier auch die Dringlichkeit formulieren sich mit seiner Zeit auseinander zu setzen. Was möchte ich erreichen? Wo möchte ich in fünf oder zehn Jahren stehen?

Verfalle nicht dem angenehmen Glauben schnell erfolgreich an der Börse zu sein. Mir ist es so ergangen und mein dritter Neustart lässt noch immer auf sich warten.

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Über den Autor

Ich bin im Dezember 1984 geboren und zum jetzigen Zeitpunkt 24 Jahre alt. Manche Dinge kann ich gut, aber ich bin momentan kein guter Trader und auch kein erfolgreicher. Ich habe ein Verlust von ca. 3.000 € erwirtschaftet und ich bin ein Freund von Transparenz. Versagen ist für mich keine Schwäche, sondern die Einsicht dessen und das Nicht-Daraus-Lernen. Ein Tradingblog oder besser gesagt ein Tagebuch über meine Erfahrungen an der Börse gibt es auch: http://board.trendinvest.net/showthread.php?s=32557928559229ad41fafc38f7dd6e7d&t=1670 (Man muss aber leider angemeldet sein um es zu lesen.) Ich möchte darüber berichten, über meine Erfahrungen, die wirklich bei Null angefangen haben, ich möchte anderen helfen, die vielleicht noch nicht so weit sind wie ich und ich möchte vor allem eines, erfolgreich traden. Deshalb bin ich hier und schreibe, um zu lernen und anderen zu helfen.

Kommentare (10):

  1. Ja, das ist es – sehr passend! Ich glaube, dass das vielen gar nicht klar ist und ich bin deshalb auch immer skeptisch wenn ich von Methoden des Tradings höre, die Berufstätige nebenbei erlernen können. Das mag für einen erfahrenen Trader funktionieren, aber der Einsteiger, der nur am Abend mal ein paar Charts anaylsiert und seine Trades nach irgendeinem kopierten System eingibt, weiss letzen Endes gar nicht wirklich worauf er sich einläßt.

    Ein anderes Beispiel: Es gibt Situationen, da steigen erfahrenere Trader ohne langes Zögern aus Trades vorzeitig aus, weil sich Muster, Formationen, Konstellation zu Indikatoren oder einfach nur Preisveränderungen oder sonstige Unstimmigkeiten bei diversen Marktindikatoren ergeben, die unweigerlich Alarmsignale generieren. Es sind meistens die jahrelangen Beobachtungen, die eineb an dieser Stelle einen minimalen Vorsprung sichern – und da man da keine Formeln oder ein allgemeingültiges Regelwerk dafür erstellen kann, nenne ich es auch gerne mal ‘Bauchgefühl’ (was oft missverstanden wird – dieses Gefühl ist natürlich keine grundsätzliche Handlungsgrundlage).

    Übung macht den Meister!

    LG Aurelius

  2. Zum Thema Bauchgefühl habe ich gerade letztens das neueste Werk von Jochen Steffens gelesen, wo er sich damit auch auseinandersetzt. Er nennt das Intuition und gemeint ist das gleiche (als Beispiel werden z.B. das Erlernen asiatischer Kampfsporttechniken genannt). Als (diskretionärer) Trader gewinnt man mit der Zeit Erfahrung dazu und hat ein gewisses “Gespür” (Bauchgefühl, Intuition, etc.), wie sich Kurse in der betrachteten Zeitebene verhalten bzw. was Alarmsignale sind. Sowas lernt man meines Erachtens nur durch Übung und jahrelange Praxiserfahrung. Von daher:

    “Verfalle nicht dem angenehmen Glauben schnell erfolgreich an der Börse zu sein.”

    funktioniert das meiner Erfahrung nach sowieso nie…

    BTW: 10000 Stunden halte ich für zu viel, aber das ist auch nur eine (meine) Meinung. V.a. kann man dies nicht so pauschal sagen, da manche schneller (effektiver), manche langamer lernen. Zudem hängt das “Meistern” einer Profession auch sehr vom individuellen Charakter und seinen Stärken/Schwächen ab. Aber was mir sofort einleuchtet, ist, dass man sehr viel Zeit, Aufwand (und beim Trading auch Geld) investieren muss, um eine gewisse “Reife” in dieser Profession zu erlangen. Insofern macht es durchaus Sinn, die teilweise extrem hochgesteckten Erwartungen, die Anfänger immer wieder ans Trading haben, zu relativieren und zu dämpfen (übrigens: meiner Meinung nach trägt die Finanzindustrie einen nicht unerheblichen Teil zu diesen extrem übertriebenen Erwartungen bei.).

    Grüsse
    Marvin

  3. Ich würde den Tradinglernprozess nicht in Stunden beschreiben, sondern in Phasen. So ist die erste Phase die Euphorie, die gefährlichste Phase. Danach kommt die Resignationsphase. Hier drehen die meisten der Börse den Rücken zu und verurteilen jeden Marktteilnehmer. Die wenigsten kommen in die Lernphase. Hier wird zum ersten Mal genau das Trading unter die Lupe genommen. Man stellt fest, dass das ja auch richtig in Arbeit ausartet ;-) . Sollte man diese Phase überstehen, so kommt die Erfolgsphase. Mit Erfolg es nicht gemeint, ein anerkannter Multimillionär zu werden, sondern auch nur mit leichtem Gewinn die Märkte zu meistern.

    Dabei spielt auch, wie Marvin schon schrieb, die Charakterstärke eines Einzelnen und dessen Motivation eine Rolle. Auch das soziale Umfeld prägt stark die Erfolgsaussichten eines Traders.

    „…meiner Meinung nach trägt die Finanzindustrie einen nicht unerheblichen Teil zu diesen extrem übertriebenen Erwartungen bei.“

    Also diesen Satz kann man gar nicht stark genug betonen. Die Finanzindustrie nutzt die Möglichkeiten, das Trading nicht durch Auflagen beschränkt ist und dadurch sozusagen „jeder“ an der Börse handeln kann. Geschäftssinn, Motivation, Eifer etc. … ach…doch nicht an der Börse ;-) . Eigentlich schade, dass das selbstständige Fliegen eines Flugzeuges mit Auflagen beschränkt ist. Würde gerne ein paar Tradinganfänger einladen, mit mir zu fliegen…Flugstunden…null…

    Grüsse
    GeDi

  4. Hallo,

    also 10.000 Stunden hören sich zwar recht viel an auf den ersten Blick, aber das Ziel war ja auch der Profi-Status (“die Meisterschaft”).
    Das wäre im Rahmen einer “normalen” Ausbildung ein Zeithorizont von 5 Jahren.
    Für Feierabendtrader eine ganze Menge an Zeit.
    Aus Berufssicht jedoch eigentlich ganz normal.
    (In etwa solange hat auch Philip bei Hofner und Sander für seine Ausbildung benötigt … für alle, die die Bücher von Michael Voigt schon gelesen haben.)

    Als ich die 10.000 Stunden gelesen habe musste ich gleich an die folgende Aufstellung denken.
    (Ist nicht von mir, hatte ich mal vor Jahren irgendwo im Internet entdeckt!)

    >>>38-Schritte auf dem Weg zum erfolgreichen Trader
    “von SAT (Successful Anonymous Trader)”

    1. wir sammeln Informationen, kaufen Bücher, gehen auf Seminare und studieren

    2. wir fangen an mit unseren ‘neuen’ Erkenntnissen zu traden

    3. wir ‘spenden’ ständig und werden uns klar, dass wir mehr Kenntnisse und Informationen brauchen

    4. wir sammeln mehr Informationen an

    5. wir wechseln auf andere Derivate um

    6. wir gehen wieder in den Markt und traden mit unserem ‘neuen’ Wissen

    7. wir bekommen ‘eins übergezogen’ und verlieren ein bisschen unser Selbstvertrauen. Angst macht sich bemerkbar

    8. wir hören jetzt auf ‘outside news’ und auf andere Trader

    9. wir gehen wieder in den Markt und ‘spenden’ weiterhin

    10. wir wechseln wieder auf andere Derivate

    11. wir suchen nach mehr Information

    12. wir gehen wieder in den Markt und sehen einen kleinen Fortschritt

    13. wir werden übermütig & der Markt demütigt uns

    14. uns dämmert es, dass erfolgreiches trading mehr Zeit und Erfahrung braucht, als
    wir ursprünglich dachten

    DIE MEISTEN LEUTE STECKEN ES HIER, WENN SIE MERKEN, DASS ECHT ARBEIT
    DAHINTERSTECKT

    15. jetzt wird’s uns aber ernst; wir richten unser Augenmerk darauf, ein ‘richtiges’
    Handelssystem zu erlernen

    16. wir traden unser HS mit einigem Erfolg aber stellen fest, dass noch was fehlt

    17. wir verstehen langsam, dass wir Regeln brauchen, um unser HS besser auszuführen

    18. wir nehmen Ferien vom traden um zu studieren und unsere HS-Regeln zu entwickeln

    19. wir fangen wieder an zu traden und haben etwas Erfolg, aber insgesamt zögern wir noch, wenn es darauf ankommt, abzudrücken

    20. um unsere Regeln besser auszuführen, werden sie einem gründlichen Finetuning unterzogen

    21. wir fühlen, dass wir nahe daran sind, die Schwelle zum erfolgreichen Trading zu überschreiten

    22. wir beginnen, die Verantwortung für unser Trading zu übernehmen, da wir verstehen, dass der Erfolg von uns, und nicht von dem HS abhängt

    23. wir machen weiter mit trading and werden besser beim Ausführen der Regeln unseres HS

    24. beim traden neigen wir noch dazu, die Regeln zu missachten und unser Ergebnis ist dementsprechend unzuverlässig

    25. wir wissen, dass wir nahe sind

    26. wir gehen zurück und verbessern unsere Regeln

    27. wir entwickeln unser Vertrauen in unsere Regeln und fangen wieder an zu traden

    28. unser trading Resultat wird besser, aber wir zögern immer noch unsere Regeln
    auszuführen

    29. wir sehen jetzt am Resultat unserer trades, wenn wir den Regeln nicht folgen, wie wichtig es ist, dieselben strikt zu folgen

    30. uns dämmert es, dass der fehlende Erfolg in uns begründet ist (fehlende Diszipline, die Regeln zu befolgen aus einer Art Angst heraus) und wir fangen an, daran zu arbeiten, uns selbst besser zu erkennen & zu verstehen

    31. wir machen weiter mit trading und der Markt lehrt uns immer mehr über uns selbst

    32. wir meistern unser HS und die trading Regeln

    33. wir fangen an, auf konstanter Basis Geld zu verdienen

    34. wir werden ein bisschen übermütig und der Markt ernüchtert uns

    35. wir machen weiter und lernen unsere Lektionen

    36. wir hören auf zu denken und lassen es zu, dass unsere Regeln für uns traden (traden wird langweilig, aber erfolgreich), während unser trading Konto ständig anwächst und wir die Anzahl der Verträge vergrössern

    37. wir verdienen mehr Geld, als wir es jemals in unseren wildesten Träumen für möglich hielten

    38. wir leben unser Leben und erreichen viele der Ziele, von denen wir immer schon geträumt haben. <<<

    Viele Grüße,
    Clint.

  5. @Clint

    Man, nicht schlecht! Sehr gute Beschreibung; bin bei 35. – allerdings schon seit Jahren :)

    LG Aurlius

  6. @fragmasta
    Interessante Zusammenstellung, wenn auch mit Wiederholungen… ;-) Aber man sieht auch schön, dass Trading lernen/meistern ein Iterationsprozess ist (v.a. Punkte 1 bis 13)…

    “13. wir werden übermütig & der Markt demütigt uns”

    Diese Erfahrung macht bestimmt jeder und immer wieder, solange bis er/sie die “nächste Stufe” erreicht hat.

    “22. wir beginnen, die Verantwortung für unser Trading zu übernehmen, da wir verstehen, dass der Erfolg von uns, und nicht von dem HS abhängt”

    ‘Verantwortung für unser Trading übernehmen’ ist wesentlich. Auch das werden nicht viele jemals erreichen…

    “33. wir fangen an, auf konstanter Basis Geld zu verdienen ”

    Das muss das Ziel sein, alles danach ist die Kür…

    Grüsse
    Marvin

  7. @Aurelius:
    Na das ist doch super.
    Damit hast Du sehr vielen (!) anderen Tradern bereits eine Menge voraus.

    Und wie Marvoin so schön und zutreffend schreibt:
    “Der Rest ist Kür.”

    @Marvin:
    “Wiederholungen”
    Ich weiß, aber Trading wird doch auch mit dem Untertitel geführt:
    “Wiederholungen … bis es langweilig wird” ;)

    Viele Grüße,
    Clint.

  8. @fragmasta

    Na das ist doch super.
    Damit hast Du sehr vielen (!) anderen Tradern bereits eine Menge voraus.

    Na, da bin ich mir nicht so sicher, der Schritt von 35. zu 36. erscheint mir sehr schwierig und zu den weiteren Schritten – fällt mir derzeit gar nichts mehr ein
    LG Aurelius

  9. @fragmasta
    Na das ist doch super.
    Damit hast Du sehr vielen (!) anderen Tradern bereits eine Menge voraus.

    Na, da bin ich mir nicht so sicher, der Schritt von 35. zu 36. erscheint mir sehr schwierig und zu den weiteren Schritten – fällt mir derzeit gar nichts mehr ein
    LG Aurelius

    Ha, ha, ja da kommen wohl nur die Coaches und und Seminarleiter hin!

    Gruss outsidebar

    P.S.: Warum fliegt mein Kommentar ständig raus?

  10. @outsidebar
    Sorry für die Kommentarprobleme; die Blog-Firewall lehnt derzeit irgendwie alles ab (PHPIDS). Ich bin noch nicht ganz durchgestiegen durch die Konfiguration. Ich musste eben die letzten 3 Kommentare mauell editieren und neu in den Blog über die Datenbank reinkopieren.
    Ich glaube es ist sinnvoll auf Anführungszeichen und Email-At-Zeichen zu verzichten – bin aber noch nicht sicher.

    LG Aurelius

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