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NinjaTrader und seine Tücken

Vorne weg möchte ich bemerken, dass ich nach wie vor der Meinung bin, dass es sich bei NinjaTrader um eine der besten Plattformen auf dem Markt für private Trader handelt.

Die Möglichkeiten von Unterstützungen für diskretionären Methoden bis zu vollautomatischen Handelssystemen sind nahezu unerschöpflich und wenn man programmiertechnischen Hintergrund hat gibt es derzeit kaum bessere Alternativen.

An dieser Stelle will ich allerdings noch mal eine Diskussion au dem Blog aufgreifen, die die Stabilität, Performance und Zuverlässigkeit der Software betreffen. Um dies zu verstehen muss ich eingangs etwas über meinen Trading Desktop und die Einstellungen erzählen:

Primär trade ich mit NinjaTrader Futures, Forex und Aktien bei IB und Futures bei Mirus. Ich habe zudem noch sechs Metatrader-Accounts bei verschiedenen Brokern, wobei die Accounts auf zwei Rechner verteilt werden und auf meinem Hauptrechner nur zwei Metatrader-Applikationen laufen. Auf meinem Trading PC mit zwei Monitoren läuft also gleichzeitig immer:

  • Skype
  • Firefox
  • Metatrader – FXOpen
  • Metatrader – FXPro
  • NinjaTrader
  • IB-Trader Workstation

Ich nutze dafür einen Quad-Core PC mit 3 GHZ und 16 GB RAM und zwei 1 TB Festplatten (Raid) mit zwei 24 Zoll-Monitoren. Diese Konfiguration ist übrigens wesentlich perfomanter als die Nutzung des Mac-Pro mit ähnlicher Konfiguration (von Virtualisierung spreche ich hier gar nicht erst – ich erwähne das, weil ich ein Unix- und Apple-Kind bin und das Unternehemen aus Redmond nur die Qual der Wahl ist). Die Prozessor-Auslastung liegt pro Prozessor zu „normalen“ Tagesmarktphasen bei 10%-20% abends und nachts bei ca. 1%-2%. Ich denke an dieser Stelle wird jedem klar sein, dass die Hardwareausstattung mehr als ausreichend ist und diesbezüglich kein Engpass zu erwarten sein sollte.

Auf meinem Desktop nutze ich zwei Workspaces jeweils auf zwei Bildschirmen. NinjaTrader bietet die Möglichkeit immer jeweils einen Desktop in den Hintergrund zu stellen (nicht sichtbar) und zwischen diesen zügig (relativ gesehen) zu wechseln – ein Workspace dient den Futures, der andere den Aktien. In der Regel habe ich auf dem primären Monitor zwei und auf dem anderen sechs-neun Charts (je nach Marktphase) gleichzeitig offen. Die Charts enthalten in der Regel immer mindesten drei, höchstens 8 Indikatoren – allerdings sind einige Charts mit komplexen (seitens der Berechnung) und kommerziellen Indikatoren ausgestattet. An dieser Stelle möchte ich nicht darüber sprechen, ob es für den einen oder anderen sinnvoll ist mit mehreren Indikatoren zu arbeiten – sondern einfach nur festhalten, dass ich von einer professionellen Software, die mich immerhin ca. 1000 Euro kostet, eine stabile Funktionalität erwarte – daher nun die Nachteile, wobei ich mich auf die wesentlichen konzentriere, insbesondere die, die mich schon einige Euros gekostet haben :) :

Grundsätzliches I:

Es gibt ein massives Problem mit dem Speichermanagement. Da ich mich recht gut mit der Softwareproduktion und -Entwicklung auskenne, kann ich dieses Problem relativ leicht lokalisieren. NinjaTrader kann zum Teil nicht mit der Menge an Informationen durch Chart-Input, Berechnung von Indikatoren und temporärer Speicherung dieser Daten umgehen. Die Software muss in regelmäßigen Abständen neu gestartet werden, weil sie vermutlich über zu wenige Mechanismen zum Schutz vor Speicherüberläufen verfügt. Besonders dramatisch gestaltet es sich, wenn man kleinere Tickcharts in Märkten mit hohem Volumen über eine größere Periode (z.B. 20 Tage) öffenen will – hier kommt NinjaTrader und seine Datenbank z.B. im ES-Future  schnell an seine Grenzen und wirft eine Fehlermeldung aus. In einigen Foren habe ich gelesen, dass sogar ein regelmäßiger kompletter Neustart des Betriebssystems empfohlen wird.

Grundsätzliches II:

Die Datenbank-Basis, die verwendet wird ist nicht annähernd als qualitativer und performanter Standard zu bezeichnen. Kaum eine moderne und professionelle Software würde diese Software noch benutzen – sie ist bekannt für ihre Grenzen und Anfälligkeit.

Chart- und Instrumentwechsel:

Beim Wechsel von Werten kann es unter höherer Last zu Fehlern im Chart kommen, der Chart kann dann trotz Reload-History-Funktionen nicht mehr aktualisiert werden und zeigt ein unverständliches Gap – ein Neustart der Software behebt das Problem. Besonders problematisch ist dies in folgenden Fällen:

  • bei kommerziellen Indikatoren mit Online-Lizensprüfung,
  • bei kleinen Tick-, Range- und Volumcharts in Märkten mit großem Volumen;

hier kann schon mal einige Zeit dauern bis der gewünschte Chart gezeichnet wird.

Newstime:

Heftige Kursbewegungen können die Software kurzzeitig „einfrieren“ – dies wird natürlich genau dann zum Problem wenn man eine Position zu dieser Zeit schließen muss. An dieser Stelle vermute ich wieder Probleme mit der Datenbank, hier scheint es einen Stau beim wegschreiben von Informationen zu geben – das Problem erinnert mich zumindest stark an die Ereignisse mit besagter Datenbank in den 90er Jahren. Letztendlich ist dies aber ein Problem von vielen Trading-Software-Produkten.

Auswertungen:

Die Auswertungen sind zum Teil sehr sonderbar, sie zeigen manchmal Trades an, die man nie gemacht hat und weichen nicht selten von den Kontoauszügen des Brokers ab. Trader mit ein bis fünf Trades am Tag werden das vermutlich nicht bemerken, jeder den ich kenne, der bis zu 40 Trades am Tag macht hat das gleiche Problem schon mindestens einmal gehabt. Meist kann man das Problem lösen, indem man die Datenbank repariert – das funktioniert allerdings nur dann, wenn die Software samt Datenbank nicht zwischendurch abgestürzt ist. Besonders ärgerlich ist bei der Auswertungsfunktionalität, dass Euro wie Dollar behandelt werden und keine Umrechnungsfunktion existiert – sinnvolle Auswertungen sind daher nur durch Trennung der Märkte möglich.

Anbindung an den Broker:

Zwar kann man mit der Multibroker-Lizens viele Broker anbinden, jedoch sind einige Funktionalitäten nicht standardmäßig integriert: So lässt sich der Account bei IB zwar mit allen Informationen  zum Buying-Power etc. abrufen, jedoch lässt sich die 24-stündige Zwangtrennung von IB nicht umgehen – dies ist für automatische Handelssysteme natürlich schlecht. Bei Mirus gibt es dieses Problem nicht, dafür hat man dort keinerlei Angaben zum Konto ausser dem aktuellen Kontostand  – wie sich dieser bei laufenden Positionen berechnet und vor allen Dingen in welchen Zeitfenstern und der reelle Abgleich mit dem Konotauszug bleibt ein Rätsel für den Anwender.

Gut das klingt zum Teil heftig … ist aber alles nicht so schlimm, wenn man sich Workarounds erarbeitet und ein wenig Verzicht auf Komfort übt. Mich persönlich stört es vor allen Dingen deshalb, weil ich von einer kommerziellen Bezahl-Variante ein wenig mehr erwarte und stecke daher große Hoffnung in die Version 7.0.

Trader, die nur einfache Orderarten nutzen und vor allen Dingen nur verhältnismäßig wenige Order in das System eingeben oder solche, die nur mit schlichten Charts und ein bis zwei Werten auskommen werden diese Tücken vermutlich nie kennenlernen. Es ist wie eine Diskussion über Autos oder Motorräder: Wer nie mehrfach oder regelmäßig 250-350 km/h fährt und dies für Irrsinn hält, wird niemals über die Qualität eines Fahrwerks oder einen PS-Hubraum-Verhältnises ernsthaft nachdenken und wird das Verhalten seines Fahrzeugs für korrekt halten und auch Fehlverhalten nicht unmittelbar erkennen – reizt man sein Fahrzeug allerdings tatsächlich regelmäßig aus – bemerkt man diese Mängel schnell. Aus diesem Grunde gibt es in der europäischen Industrie harte Tests zur Qualitätssicherung, die bei den Produkten an die Grenzen gehen, um diese zu bewerten – dies ist bei NinjaTrader definitiv nicht geschehen (würde auch mit dieser Datenbankwahl vermutlich zu einem Fiasko führen).

Böse Zungen behaupten, dass vermutlich die meisten Anwender pleite sind, bevor sie in den Genuss der ganzen Probleme kommen :) .

Dennoch: NinjaTrader bleibt meine erste Wahl, insbesondere weil Support und Service erstklassig sind und die Community stetig wächst – und für kurzfristiges Trading ist es eine der besten Plattformen für private Trader überhaupt. Ich denke, dass es aber wichtig ist, immer offen, ehrlich und unabhängig Lob und Kritik gleichwertig an entsprechender Stelle anzubringen und sämtliche Dinge regelmäßig und mit ein wenig Abstand neutral zu bewerten.

In diesem Sinne kann ich die Software, trotz dieser Wermutstropfen, weiterhin empfehlen und stehe nach wie vor zu Fragen und Hilfestellungen zur Verfügung.

LG Aurelius

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Aurelius Futures, Software, Trader-Utilities , , , , , , , , , , , , , ,

  1. 23. Januar 2010, 15:53 | #1

    Hallo Aurelius,
    Du kennst mich ja, als Mac Anhänger kann ich das einfach nicht so stehen lassen, bezeihungsweise muss es einschränken. ich nutze die Rechnerkonfig nur mit einem MacPro ,also ebenfalls Raid, 16GB Ram etc. und das ganze mit VMware Fusion. Nun, ich handle natürlich nicht so oft wie Du, trotzdem muss ich sagen, dass Reibungsloses Arbeiten durchaus möglich ist mit einem Mac, allerdings muss ich ebenfalls die Plattform 1mal am Tag neustarten. Und ich nutze bis auf den Parabolic Stopp- auch Lasso-Stopp genannt keine Indikatoren- warum auch – steht doch alles im Chart ;-)

    Also keine Kritik, wollte nur die Mac User nicht entmutigen, trotzdem NinjaTrader zu nutzen.
    Andere Software von Brokern – ohne Namen zu nennen – ist weitaus schlimmer.

    simple and profitable trading

    Carsten

  2. 23. Januar 2010, 19:00 | #2

    @Carsten

    Keine Panik :) , ich glaube kaum, dass es einen Unterschied in unserer MAC-Anhängerschaft gibt – ich bin ja ein ehemaliger Softwareentwickler und nutze Apple- und Unix-Plattformen seit mehr als 20 Jahren. Es gibt also keinerlei Grund Apple zu verteidigen – MAC wird immer, schon aus absoluter Überzeugung, meine erste Wahl sein – ohne Frage.

    Und falls das falsch rübergekommen ist, entschuldige ich mich hiermit schon mal; denn natürlich kann man mit dem MAC und einer Virtualisierung im Allgemeinen absolut reibungslos und performant arbeiten.

    Dennoch ein grundsätzlicher Hinweis und ich möchte mich mit Dir auch gar nicht streiten, aber die Virtualisierungen von VMWare oder Parallels können schon rein technisch nicht die Leistung eines nativ installierten OS erreichen – das ist keine Annahmen von mir, sondern eine Tatsache. Diese Tatsache ist um so wichtiger zu beachten, wenn es um Grafik-Anwendungen geht. Die Grafikkarten-Virtualisierungen sind einfach noch nicht soweit – auch wenn sie sich in den letzten Jahren erheblich verbessert haben.

    Meine Kritik richtet sich mehr an die NinjaTrader-Software als an das Betriebssystem – das kann die Software in diesm Fall leider nicht retten. Alleine das mit dem täglichen Neustarten ist ein Skandal.

    Und ich nutze bis auf den Parabolic Stopp- auch Lasso-Stopp genannt keine Indikatoren- warum auch – steht doch alles im Chart ;-)

    Ansichtssache! Kann man nicht drüber streiten – ein anderer sagt vielleicht sogar: was willst Du mit dem Chart? Der Preis sagt doch schon alles :) .

    Andere Software von Brokern – ohne Namen zu nennen – ist weitaus schlimmer.

    Wohl wahr.

    LG Aurelius

  3. marvin
    26. Januar 2010, 13:09 | #3

    @Carsten

    Hi Carsten!

    “…allerdings muss ich ebenfalls die Plattform 1mal am Tag neustarten”

    Meinst Du NinjaTrader oder den Mac? Letzteres würde mich doch wundern und wäre zudem inakzeptabel. Ich muss meinen Windows-PC nur neustarten, wenn Skype wieder mal den Kontakt zur Webcam verloren hat… ;-)

    “Andere Software von Brokern – ohne Namen zu nennen – ist weitaus schlimmer.”

    Nenn’ doch einfach mal andere Software, die man sich (ganz pauschal Deiner Meinung nach) guten Gewissens ansehen kann und welche, von denen man Deiner Meinung nach eher die Finger lässt, das Ganze in Bezug auf diskretionäres Trading in kurzen Zeitebenen (Stunden- bis Minutenchart).

    @Aurelius:
    “MAC wird immer, schon aus absoluter Überzeugung, meine erste Wahl sein”

    Ja, da haben wir sie wieder zusammen, unsere “Apple”-Lemminge… ;-) )

    “Böse Zungen behaupten, dass vermutlich die meisten Anwender pleite sind, bevor sie in den Genuss der ganzen Probleme kommen”

    Haha… vermutlich, weil viele das schnelle Geld (auch: schnelle sprich kurze Zeitebene) suchen und keine Geduld haben.

    Grüsse
    Marvin

  4. 7. Mai 2010, 21:16 | #4

    Ich nutze einen Mac Pro mit vier Monitoren, Mac OS und VMWare. Bei mir laufen Sino MXPro (Java/Mac) und Tradesignal (Win7/VMWare) neben Browser, Skype und Mail. Ich weiß gar nicht, wann ich den Rechner das letzte Mal neu gestartet habe. Habe noch nie Performance Engpässe erlebt. Nicht mal gestern Abend.

  5. 7. Mai 2010, 21:42 | #5

    Das ist natürlich sehr schön und beneidenswert. Bei mir ist es leider nicht so – wobei es mit NT7 schon ein wenig besser ist.

    Ich denke die Thematik ist nicht neu und wird in vielen Foren und Blogs diskutiert. NinjaTrader ist lausig programmiert – das ist ohne Zweifel. Allein die Nutzung einer Access-Datenbank distanziert NT von professionellen Plattformen wie CQG oder Bloomberg um Jahre – soviel zur Technik. Hier gibt es auch leider nicht mehr viel zu zu sagen :( .

    Ich nutze NT unter anderem auch zum Backtesten mit ES-Tick-Daten der letzten 10 Jahre. Ich habe in der Firma mittlerweile einen 2,9MHz 8-Core MAC Pro mit 32GB Ram und lasse dort NT6 laufen mit nur zwei Monitoren und und 4 virtuellen NT-Desktops, in Summe ca. 30 Charts mit Indikatoren. In der Regel ist der Betrieb stabil, aber wehe ich mache einen Backtest auf Tick-, Range- oder Volumecharts – dann stürzt NT in 8 von 10 Fällen ab. Allein die 4 T&S-Listen, die ein bisschen grafisch aufgepimpt sind bremsen bei Tagen wie gestern die Maschine absolut aus und bringen die Software an die Grenze. Ich bin ein echter Fan von NT, würde aber vorerst keinem eine Multibroker-Lizens zum Kauf empfehlen – letzten Endes bin ich an 4 Broker/ Datenfeeds angebunden von denen nur ein einziger wirklich mangelfrei und stabil läuft – bei Anfragen an NT wird man an die jeweiligen API-Herausgeber verwiesen – einen empfehlenswerten Support für die Multibroker Version gibt es nicht.

    Ich freue mich dennoch zu hören, dass bei anderen das ganze besser läuft.

    LG Aurelius

    P.S.: Ein guter Selbsttest, für alle die es wissen wollen, ist das gleichzeitige Öffnen von 8 Charts unterschiedlicher Instrumente mit jeweils eingefügtem VWAP und noch zwei anderen beliebigen Indikatoren. Anschliessend einen einfachen Backtest mit einer mitgelieferten Strategie auf den 100 Tick-Chart des ES der letzten zwei Jahre (Tickdaten, nicht Mnutendaten) … und voilà: Test bestanden oder nicht :)

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