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Overtrading durch Tagesziele ?

In der letzen Woche habe ich bei mir beobachtet, dass es vielleicht gar nicht so sinnvoll ist ein Tagesziel zu haben.

Warum ?

Nun ja, meine These ist folgende:

Durch das Tagesziel ist man verpflichtet, dieses auch zu erreichen. Erreicht man dieses nicht, z.B. durch Minus-Trades bleibt logischerweise zum Wochenziel nur noch entsprechend weniger Tage.

Also klebt man vor dem Rechner von 8-22 Uhr. Es sei denn, dass Tagesziel ist bereits um 9:13h (wie bereits mehrfach geschehen) schon erreicht. Dann wird der Rechner abgeschaltet.

Aber in der Praxis ist es doch so, das man, nur um das Tagesziel zu erreichen, auch qualitativ geringwertigere Setups nimmt. Eben genau die, die dann so “lala” sind. Frei nach dem Motto: “Ach, nur schnell noch ein paar Punkte aus dem Markt holen, dann habe ich mein Tagesziel erreicht und Freizeit.”

Und wenn ich es recht bedenke, ist das von qualitativen Trading weit entfernt. Nicht das ich hier falsch verstanden werde: Ziele sind sehrwohl vorhanden, ohne Ziele –  kein Weg der dorthin führt. Es geht es darum, ob der “Weg” der Richtige ist?

Also Qualität vor Overtrading. Mehr Freiheit des Tradingalltags geniessen und nur die sauberen 5 Sterne Setups handeln ?

ABER: Setzt man sich nicht gerade dadurch unter mehr Druck als eigentlich sein muss? Ist es nicht gerade die Unbedeutssamkeit des einzelnen Trades der den Gesamterfolg sichert ?

Andererseits hingegen, wenn ich mein Setup auf 60min suche, bekomme ich solche 5 Sterne Setups natürlich nicht jeden Tag. Ich kann also, um mein Tagesziel zu erreichen, nur solche Zeitrahmen wählen, die mir ein solches 5 Sterne Setup gewährleisten. ( z.B. 10min oder Tick Basis )

Oder ich suche solche 5 Sterne Setups auf EOD Basis aus.

Ein weiterer Lösungsansatz ist halbautomatisches Handeln.

Also wenn das Setup passt, aber noch lange Zeit braucht um sich zu entwickeln. Dann einfach Order ins System, entsprechenden Stopp der Handelslogik hinzugefügt und laufen lassen – Wandern gehen ;-) Eingeweihte wissen was ich meine ;-)

Aber irgendwie bin ich mit diesem Gedankenspiel noch nicht ganz zu Ende.

Eigentlich kann nur durch die Kunst des Weglassens, der qualitativ minderwertigen Trades, das Ergebniss verbessert werden. Vermieden werden soll das bloße Rumgeklicke: Buy-Sell- Eingezahlt. Schon wieder ein Minus-Trade.

Ich möchte hiermit eine Diskussion anstossen, in der es um die Qualität im Trading und deren Handhabung im Trading geht.

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Carsten Psychologie, Wissen

  1. 14. Juni 2009, 19:42 | #1

    Grundsätzlich stimmt die Festellung “Qualität vor Overtrading” natürlich.

    Ich sehe das Problem aber im Zusammenspiel verschiedener Vorgaben:

    Als erstes sehe ich auch (wie von Dir schon genannt) in der Wahl des Timeframes Optimierungspotenzial. Mehrere Top-Signale an einem Tag in 5 bis 60-Minuten-Charts sind nicht selten, wenn man alle Märkte handelt, handelt man aber nur Fututres und Forex-Majors wird es schon enger. Da bleibt dann in der Regel nur der Wechsel des Zeitrahmens. In Tickcharts wird man auch bei wenig Instrumenten mehrfach am Tag sehr gute Signale erhalten.

    Ein zweiter Aspekt ist der Tickwert und/ oder die eingesetzte Positionsgröße im Verhältnis zum gesetzten Tagesziel. So kann ich mit großen Positionen mein Tagesziel schon mit einem Trade erreichen und bin habe bei einigen Verlusten nicht immer auf 20 oder mehr weitere gute Chancen (Trades) angewiesen. Bei kleinen Positionen brauche ich natürlich mehr Gewinner und somit bei Verlust auch mehr gute Trades.

    Der dritte und für mich wichtigste Punkt ist aber die eigentliche Definition “Tagesziel” und das persönliche Umgehen mit potentiellen Nichterreichen.
    Das Tagesziel an sich ist IMHO kein guter Ansatz, da es nicht die realistische Grundlage des Geld-Verdienens widerspiegelt; hört sich vielleicht ein wenig seltsam an, daher versuche ich es zu erklären:
    Ein normaler Arbeitnehmer arbeitet auf Basis von Steuergesetzen und Sozialabgaben ca. ein Drittel des Monats für den Staat, ein besser verdienender sogar die Häfte des Monats. Tagesziele kann er sich schwer setzen.
    Bei einem Selbständigen ist sogar noch prägnanter, da neben den oben genannten Lasten zusätzlich das Phänomen hinzukommt, dass die Einnahmen nicht zwangsläufig tagesregelmäßig sein müssen. Wirklich Sinn macht ein Tagesziel hier auch nicht.

    Tagesziele sind transparent und für das tägliche Leben praktisch und wünschenswert, stehen aber ein wenig im Widersrpuch zu Realität. In der Haushaltsplanung im Einzelhandel z.B. verwendet man zur Liquididätskontrolle gerne diese Tagesziele und setzt diese daher häufig bewußt niedrig an, um zu einer langfristigen Kostendeckung und damit guten Planzahlen zu kommen – mir sind aber wenig Einzelhändler bekannt, die während ihrer Arbeit Ihr Hauptaugenmerk auf das Tagesziel konzentrieren.

    Für mich, der ich als relativ konservativer Trader auch gerne regelmäßige Einnahmen erziele, hat sich dieses Problem in der Vergangenheit schon oft ergeben und ich habe das für mich folgendermaßen gelöst:

    Ich habe die Ziele geschachtelt und verwende kleine Teilziele, die ich versuche zu erreichen, die mich aber nicht psychisch belasten, wenn es mir nicht gelingen sollte. Ohne Frage ist auch dieser Ansatz nicht jedermanns Optimum. Tagesziel entspricht im Folgenden Wunschgewinn, da ich den Begriff bzgl. meines Einflusses auf den Markt vorziehe. Das Wort “Ziel” an sich benutze ich eigntlich lieber, wenn ich mehr als nur das Ausnutzen der Wahrscheinlicheit Einfluß auf die Ereichung habe. Diese geschachtelten “Ziele” sind u.a.:

    Für die Tage (Neben-Ziel):
    - Möglichst kein Verlusttag
    - Wunschgewinn > 200-400 Euro
    - Maximale Trades 1 X Wunschgewinn aber 1 X Wunschgewinn

    Für den Monat (großes Ziel):
    - Kein Verlustmonat
    - 2% Rendite

    Für das Jahr (Hauptziel):
    - Kein Verlustjahr
    - 10-14% Rendite

    Gundsätzlich sind das alles keine hohen Ziele und ich definiere mir diese Ziele auch nicht als “MUSS”, sondern sie dienen vielmehr als Richtlinie. So kommt es für mich vor allen Dingen darauf an, dass Hauptziel zu erreichen und für das habe ich einen ganzes Jahr Zeit; dazu kommt noch, dass ich dabei innerhalb der Verschachtelungen “ausgleichen” kann und überproportionale Gewinne in den Folge-Monat/ -Woche/ -Tag ziehe oder für einen Bonustrade nuze.

    OK, warum das Ganze? Das Ganze Modell dient lediglich der Maßnahme Druck aus dem Trading zu nehmen und mir die Möglichkeit zu geben, ohne schlechtes Gewissen eine Pause einzulegen – ganz nach dem Motto: der nächste Tag/ Monat wird’s schon richten. Zugleich ist das natürlich auch ein Maßstab meiner Disziplin; denn sollte ich das Problem immer nur weiterverlagern, liegt der Grund der Zielverfehlung sicher nicht nur an der Qualität meines Tradings.

    Was ich allerdings nicht vergessen möchte zu erwähnen, ist das man das Traden ohne Top-Signale unbedingt vermeiden sollte – IMHO der Tod jedes Kontos. Es gibt natürlich immer die Möglichkeit, dass Risiko entsprechend anzupassen, aber die Wahrscheinlichkeit spielt immer gegen den Deal – dann lieber raus und PC aus.

    LG Aurelius

    P.S.: Das halbautomatische Handeln halte ich auch für einen ganz guten Ansatz und werde in Kürze dazu etwas im Zusammenhang mit meinem Future-Trading schreiben.

  2. Marvin
    14. Juni 2009, 23:12 | #2

    @Aurelius
    Guter Artikel und auch guter Kommentar… ;-)

    Ich sehe sowas wie ein “Tagesziel” (also verdiene eine bestimmte Menge x bzw. einen Prozentsatz y aufs Kapital bezogen pro Tag) kontraproduktiv, jedenfalls wenn man es einfach pauschal definiert. Ich kann doch nicht jeden Tag gleich gut traden oder es fehlen (auf etwas höheren Zeitebenen) auch die hier angsprochenen “Top”-Signale. Dann habe ich ggf. an einem Tag gar keine Zeit, etc.

    Wenn man sich ein quantitaives Ziel setzt (was grundsätzlich sinnvoll ist), dann sollte man den Zeitraum “passend” wählen zur eigenen Trading-Frequenz: Als Daytrader mit z.B. 0-5 Trades pro Tag wäre da eine Woche, die man mit der Mindest-Summe x abschließen will, ggf. sinnvoll. Wenn jemand mehrere Hundert (!) Trades pro Tag macht (z.B. im Tickchart), dann kann man ggf. auch ein Tagesziel wählen. Es muss halt immer zur eigenen Handelsfrequenz passen (und damit meine ich jetzt nicht krampfhaftes Traden, um bis dahin angefallene Verluste auszugleichen). Man muss mE auch eine realistische Chance haben, dass man negative Trades, die im Rahmen von statistischen Erwartungen mit Sicherheit vorkommen werden, auch unter “normalen” Bedingungen (und damit nicht unter Zeitzwang oder Stress) ausgleichen kann. Wenn man z.B. nur 0-5 Trades pro Tag macht, kann es ja duarchaus vorkommen, dass am Ende des Tages ein Minus steht. Aber daher muss man ja nicht gleich den Fehler machen und seine übliche Tradeanzahl deutlich erhöhen, nur um den Tagesverlust auszugleichen. I.d.R. dürfte das nur weitere Verluste bringen. Dem Markt ist doch völlig egal, ob ich als Trader gerade im Plus oder Minus bin. Wenn man aber geduldig und diszipliniert seine (bewährten) Signale abwartet (und damit automatisch Overtrading vermeidet), dann ist das eine ganz andere Art des Tradings, die viel eher zum Erfolg führt und zudem noch wesnrlich entspannter ist.

    Die o.g. Bemerkung
    “Dann einfach Order ins System, entsprechenden Stopp der Handelslogik hinzugefügt und laufen lassen – Wandern gehen ;-) Eingeweihte wissen was ich meine ”
    ist aus meiner Sicht nicht verkehrt. Es macht schlicht nur dann Sinn zu handeln, wenn es auch was zu handeln gibt. Und wenn nichts oder nur mittelmäßige Setups auftauchen, dann gibts mE auch nichts zu tun.

    “ABER: Setzt man sich nicht gerade dadurch unter mehr Druck als eigentlich sein muss? Ist es nicht gerade die Unbedeutssamkeit des einzelnen Trades der den Gesamterfolg sichert ?”

    Ja, und daher sollte man mE auch danach agieren. Jeder einzelne Trade ist nur ein kleiner Puzzlestein, der etwas Negatives oder Positives zum Gesamterfolg beitragen kann (manchmal bei “Top”-Trades etwas mehr, bei negativen Trades max. das vorher (!) festgelegte Risiko pro Trade). Das heisst aber noch lange nicht, dass ich deswegen minderwertige Setups handeln muss, nur weil mir gerade nichts anderes vom Markt “angeboten” wird (“Traden aus Langweile”). Ich denke, dass es für den langfristigen Gesamterfolg beim Trading mindestens genauso wichtig ist zu wissen, wenn man die Füsse stillhalten muss wie das Wissen um das Eingehen von Trades bei aussichtsreichen Setups. Und da wir es hier immer mit Wahrscheinlichkeiten zu tun haben: Lieber einen Trade ziehen lassen als einen schlechten Trade eingehen. Es gibt jeden Tag 1000 (und mehr) neue Möglichkeiten. Bei einem “schlechten” Trade verliere ich sehr wahrscheinlich Geld, bei einem “entgangenen” psotiven Trade gewinne ich zwar nichts, verliere aber auch nichts und kann mich dem nächsten Setup widmen.

    “Das Ganze Modell dient lediglich der Maßnahme Druck aus dem Trading zu nehmen und mir die Möglichkeit zu geben, ohne schlechtes Gewissen eine Pause einzulegen”

    Trading unter Druck macht sowieso keinen Sinn, weil man dann nicht rational, analytisch und diszipliniert mehr entscheidet. Solche Eigenschaften sind beim diskretionären Trading aber definitiv wichtig. Also ist jedes Modell/Verfahren, was den (psychischen) Druck rausnimmt, sinnvoll. Wer entspannt traden kann, hat IMHO sehr vielen anderen Tradern einiges vorraus. Ein gesundes Selbstbewusstsein ist bei so einem sehr mentalen Job wie Trading recht wichtig.

    Ziele wie die von Aurelius wie “Kein Verlustmonat” oder eine Rendite x pro Zeitraum sind aus meiner Sicht sinnvoll, aber sie müssen zur eigenen Tradingfrequenz passen (s.o.): Wenn jemand z.B. Intradaytrading mit 0-5 Trades pro Tag macht, dann würde ich ein Wochenziel als sinnvoll ansehen. Bei Tradern, die auf End-Of-Day-Basis traden (also mind. auf dem Tageschart), ist ggf. ein Monatsziel sinnvoll. Dies sind aber nur Beispiele.

    Und noch was zu Zielen: Diese müssen u.a. quantifizierbar (die o.g. Beispiele sind das) und v.a. realistisch erreichbar sein: Sie sollten weder zu hoch noch zu niedrig sein, sondern angemessen (was gar nicht so einfach ist, wie man schnell feststellen wird). Dann sind sie auch echter Ansporn. Sie müssen auch überprüfbar sein, was hier auch anhand von Trade-/Performance-Auswertungen möglich ist.

    Viele Grüsse
    Marvin

  3. thomas
    15. Juni 2009, 09:43 | #3

    Habe mir den Atikel am We durchgelesen und mir gedacht da hat der ??? aber recht. ( habe keinen NAmen gefunden) Es ist doch verdammt schwer nichts zu tun, das haben wir denke ich alle schon erlebt und wer es noch nicht gemerkt hat. Der macht es immer noch. Ich muß leider gestehen habe es erst 2008 zu meiner freude mitbekommen das nichts tun super ist. Beispiel Dax knallt 6 % am Tag runter und Du bist nicht dabei, ein geiles gefühl. Schade für die, die im Markt waren, habe ich auch dran gedacht………..
    Dann das CFD handeln mit dem DAX bei kleinen Konto sagen wir 1000 € ….10 mal 100 Daxpunkte minus und das Konto ist platt uff so schnell geht das damit……
    Es ist sehr schwer zu merken wenn man CFD zum erstem mal handelt, sind meine erfahrung und fehler mach ich immer noch aber sie werden weniger. Deswegen habe ich meine einstiege auf std oder Tag umgestellt und so kann ich nun auch Aktien mit CFD traden sehe den stopp besser mit dem Zielen hab ich noch schwierigkeiten, aber mit stopnachziehen nicht.

    Aber wie bekommt man die guten Trades nun ein gewisse selbstsicherheit fehlt noch. Ja ich gebe es zu an der Handgenommen zu werden ist angenehm und nehme es auch an. Liegt es an der schweren trading zeit das die selbstsicherheit fehlt???? Ich glaube ja

    Grüße Thomas

  4. juliettpapa
    15. Juni 2009, 11:55 | #4

    Ich sehe das Thema ähnlich wie Aurelius und Marvin.
    Ziele sind nur bei “hochfrequenten” Daytradern wirklich sinnvoll um das Overtrading zu bekämpfen.
    Wobei ich hier anmerken möchte, dass Ziele nicht nur im Erreichen eines positiven Tagesziels zu sehen sind, sondern – noch wichtiger! – im Erreichen eines negativen Ziels….. aber beides kenne ich nur theoretisch.

    Ich handele momentan Aktien auf Tagesbasis nach 2 Setups. Da kann ich mir keine Ziele setzen. Ich lasse nach 17:30 bzw. nach 22:00 (morgens um 08:00) Uhr meine Scanner nach den beiden Setups suchen und dann schaue ich, ob man da was draus machen kann…. ist also nicht automatisiert, möchte ich auch nicht. Das Setup suchen liefert mir zu viel Spaß….

    Wenn die Scanner nichts ausspucken, habe ich für diesen Tag keinen Trade…. also sind Ziele kaum umsetzbar. Höchstens in der Beggrenzung des DD mit anschließender Tradingpause.

    Oder sehe andere Positionstrader das anders?

    LG an alle
    juliettpapa

  5. 15. Juni 2009, 16:26 | #5

    Man sollte vielleicht noch erwähnen, dass es sinnvoll sein kann Tagesziele in umgekehrter Form zu definieren. Als Anfänger sollte man unbedingt lernen seine Verluste zu begrenzen und aufzuhören, wenn es mal nicht so gut läuft – von daher ist es absolut sinnvoll sich zusätzlich zum Beispiel folgende Ziele zu setzen:
    - kein Stunden- /Tages- /Wochen- /Monatsverlust > x Euro
    - kein Trading zwischen x1 Uhr und x2 Uhr, oder vor bzw. nach z Uhr
    - niemals mehrt Trades als x pro Tag /Woche /Monat
    etc.

    Natürlich sind das keine Ziele im Sinne des Erwirtschaftens, sondern mehr Ziele zum Erreichen einer gewissen Disziplin; IMHO steht allerdings fest, wenn man diese Ziele schon mal ereicht, hat man schon eine Menge verstanden und darf lange mitspielen – und Overtrading wird damit zeitgleich so gut wie aussgeschlossen.

    @thomas
    Ich glaube, dass man vor Fehlern nie gefeit ist. Selbst “alte Hasen” machen immer wieder Fehler und das ist in diesem Umfeld auch normal, da der Markt und das Agieren darin nicht perfektioniert werden kann. Ich persönlich finde es daher auch überhaupt nicht dramatisch, lange Zeit zu verlieren – solange es nicht die Psyche und den Lebensstandard berührt ist das in Ordnung.

    LG Aurelius

  6. Bijan
    15. Juni 2009, 17:33 | #6

    Interessante Gedanken.

    Ja das ist auch ein Punkt mit dem ich mich schon beschäftigt habe.
    Also ich habe mich gegen die Festlegung eines konkreten Tagesziels entschieden, genau aus den von Carsten angesprochenen Gründen.
    Ich finde, wenn man ein klares Setup beständig durchhandeln möchte, passt ein Tagesziel nicht dazu.

    Das System sollte dann eine „Rendite“ vorgeben.
    Das wird jedoch nur funktionieren, wenn man klar definierte Einstiege und Aussteige auf einer klar definierten Zeiteinheit hat.

    Gut angenommen man ist so weit, dass man beständiges Handeln eines Signals schafft. Dann müsste man trotzdem einen Weg finden, seine Handelszeiten festzulegen.
    Sonst sitzen wir ja wieder von 8-22 Uhr vor der Kiste. Vielleicht dann nach üblichen Bürozeiten 9-18 Uhr. Sinnvoller vielleicht zu den Tageszeiten, an denen statistisch gesehen
    viel Bewegung stattfindet. Wie auch immer, man muss nur lernen den verpassten Signalen nicht hinterher zu trauern.

    Natürlich ist Zielsetzung unerlässlich. Konkret könnte es vielleicht so aussehen, dass man sich anstatt Tageszielen, Monatsziele, Quartalsziele oder Jahresziele setzt.
    Denkt man den Gedanken des strickten Handels bestimmter Signale weiter, müsste man z.B. mal 3 Monate (je länger desto besser) das System handeln und schauen, welche Rendite erzielt wurde.
    Dann sollte man das mit seinen persönlichen Zielen abgleichen und schauen, ob das System so profitabel ist um die persönlichen Ziele zu erreichen.
    Das müsste man dann von Zeit zu Zeit abgleichen.

    Halbautomatischer Handel:
    Eine der größten Fehlerquellen, bedingt durch die menschliche Psyche, ist sicher der Positionsausstieg.
    Von daher bin ich da voll auf Deiner Seite, Carsten, dass man damit einen riesen Schritt weiter ist, wenn das Positionsmanagement und der Ausstieg automatisch erfolgen.
    Hier stellt sich dann nur die Frage nach sinnvollen Parametern.
    AutoBreakeven nach x Ticks, Autotrail nach y Ticks, Target 1, Target 2etc.
    Man könnte sich sicher mit den ATM Str. ein mehr oder weniger sinnvolle Logik einfallen lassen.
    Sinnvoller wäre jedoch meiner Meinung nach eine Programmierung die sich an markttechnisch relevanten Punkten orientiert.
    Je nach dem nach welcher Strategie man handelt.

    Wenn das gelingen würde, kann man seinen Fokus ganz auf die Auswahl von guten Signalen legen und kommt damit sicher zu mehr Qualität und Beständigkeit im Trading.
    Und die Hobbys müssten dann immer exzessiver werden. ;)

    Aktuell sehe ich leider auch keinen wirklichen Ausweg aus dem Dilemma:
    Große Zeiteinheit=signifikante Signale=geringe Handelsfrequenz=hohe Relevanz des einzelnen Trades

    Die Relevanz sollte wahrscheinlich dadurch gering gehalten werden, dass das Positionsrisiko klein gehalten wird und man so viel Märkte wie möglich scannt.
    Die Frage ist dann nur, ob das System die eigenen Zielvorstellungen in einem vorgegebenen Zeitraum erfüllen kann.

    Viele Grüße
    Bijan

  7. Chris
    15. Juni 2009, 17:56 | #7

    Ich habe ein Tagesziel: Kein Minus zu machen. Die Möglichkeit dazu habe ich, da ich im Minutenbereich operiere. Das gelingt nicht immer, aber immer öfters. Marvin hat irgendwann mal den Breakeven Trader erwähnt. Genau das passt zu mir und ich glaube das hängt momentan noch an meiner fehlenden Erfahrung, obwohl ich mich jetzt schon über 3 Jahre intensiv mit der Börse beschäftige.
    Ich weiß nicht, ob das jemand nachvollziehen kann, aber außer dem ‘Kein-Verlust-mach-Ziel’ gebe ich mir keine Auflagen. Ziele, Pläne, mechanisch, etc, vieles habe ich hinter mir und bin jetzt zu der Überzeugung gekommen, dass ich ein sehr intuitiver Mensch bin und diskretionäres Trading aus dem Bauch heraus mir am besten liegt. Das kann sich wieder ändern, aber ich sehe es nun mal als eine Entwicklungsphase auf dem Weg zu einer erfolgreichen Traderkarriere an.
    Klar habe ich Setups, Muster, Unterstützungs- und Widerstandszonen als Hilfsmittel, aber der Einstieg und auch der Ausstieg erfolgen rein intuitiv. Gleiches gilt für das MM und RM. Sehe ich einen idealen Setup (mein Gefühl sagt mir, was als nächstes, höchstwahrscheinlich und nicht nur wahrscheinlich passieren wird) dann erhöhe ich die Stückzahl, ziehe u.U. den Stopp näher ran. Sagt mein Gefühl mir, dass die Wahrscheinlichkeit bei 60 oder 70% liegt, dann nehme ich auch mal eine halbe Portion und kaufe auch mal nach.
    Ich vermute mal, dass viele dies als Harakiri Traden bezeichnen. Bei mir funktionierts bis zum Breakeven (mittlerweile) und ich bin zuversichtlich, dass ich demnächst damit profitabel sein werde.
    Jetzt bin ich ein bisschen vom Thema weg, aber vielleicht interessierts ja den ein oder anderen.
    Gruß, Chris

  8. Noname Trader
    15. Juni 2009, 18:15 | #8

    Die Frage nach dem Tages-/Wochen-/Monatziel gilt ja eigentlich nur für die Kalkulation der Lebenshaltungskosten (für Vollzeittrader). Das ist, wie Aurelius schon erwänht hat, eher eine Richtlinie. Und dabei sollte man es auch belassen, sonst tappt man in die typischen Trading-Fallen.

    Ein kleines Beispiel zur Veranschaulichung: Mr.X handelt den Dax-Future. Sein Monatsziel beträgt 200 Dax-Pkt netto (5000€). Runter gerechnet bedeutet das bei 20 Handelstagen jeweils 10 Pkt. pro Tag. Nun gut, 10 Pkt. jeden Tag zu erwirtschaften ist nicht unbedingt leicht, also sagt sich Mr.X “dann handel ich 2 Dax-Kontrakte und brauche nur 5 Pkt. pro Tag”. Ganz schön clever unser Mr.X ;-)

    Und los gehts…Tag 1: Mr.X ist gleich zu Beginn 15 Pkt. vorn, hat zwar danach noch zwei Fehltrades aber schliesst den Tag mit +8 Pkt ab (da er 2-Dax-Kontrakte handelt, sind es dann 16 Pkt.)

    Tag 2: Mr. X hat richtig antizipiert und macht gleich bei Eröffnung 25 Pkt., danach stellt er das Trading ein. Abends schaut er sich nochmal seine Charts an und ärgert sich, weil er an diesem Tag mit seinen Set-ups noch mind. weitere 25 Pkt. hätte ertraden können.

    Tag 3: Scheisse…ruft Mr.X…heute läuft nichts…ist vormittags bereits 15 Pkt. hinten…damit wäre er 8+25-15= 18 Pkt. noch vorn…und er brauch ja pro Tag nur 5 Pkt…er ist also 3 Pkt über sein Ziel…”cool sagt sich Mr.X, dann höre ich heute auf”

    Tag 4: “das kann doch nicht wahr sein” lamentiert Mr.X…25 Trades hat er heute gemacht und einen Tagesverlust von -10Pkt.

    Zwischenbilanz: 8+25-15-10= 3 Pkt. -> aber nach 4 Tagen müsste er schon 20 Pkt. vorne sein

    Tag 5: Mr.X handelt heute aggressiv…und ist vormittags wieder -12 Pkt. hinten, obwohl er nur kleine Verluste von 2-3 Pkt. hat, liegen seine Gewinne bei durchschnittlich 1,5 Pkt. -> Mr.X will seine Gewinner schnell glattstellen um sein Ziel zu erreichen…aber diese verdammte Trefferquote (Overtrading)….nachmittags handelt er noch ein wenig aber schliesst den Tag mit -10 Pkt. ab.

    “Mist” denkt sich nun Mr.X, “ich mache für die nächsten 2 Wochen eine Tradingpause, analysiere meine Trades und werde meine Trades für die kommenden 1o Handelstage simulieren.”

    -> in dieser “Trainingsphase” hätte Mr.X ca.100 Dax-Punkte erzielen können

    Tag 16-20: In dieser Woche verliert Mr.X insgesamt -15 Dax-Pkt.

    Monatsbilanz: -22 Dax-Pkt.

    Fazit der kleinen/langen Mr.X Geschichte: Ziele sind gute Richtungsweiser, aber man sollte nur die Set-ups handeln, wo man auch einen Vorteil/Edge hat. Das können 20 Trades pro Tag sein, aber manchmal auch nur 3 pro Woche. Märkte haben kein Gedächtnis, jeder Trade steht für sich. Am Tag 2 hätte Mr.X noch 25 Pkt. ertraden können, aber er hat aufgehört. Wie gesagt Set-Up bleibt Set-Up…wenn man dann eine Verlustserie hat, dann wird es mental und emotional sehr schwierig diese zu überstehen, wenn man seine Gewinn-Set-Ups nicht ausreichend ausgeschöpft hat.

    Hätte Mr.X am 2.Tag gewönlich weiter gehandelt, dann wäre er nach 3 Tagen 58 Pkt. vorn. Anschliessend wäre er mental und emotional viel eher in der Lage gewesen, die 2 Verlusttage durchzustehen und bräuchte anschliessend keine zweiwöchige Tradingpause einzulegen.

    Ich bin deswegen hier so penibel, weil solche kleinen Details einen großen Einfluss auf das Endresultat haben können…so ist das auch in anderen Sportarten, wo ein Break beim Tennis oder eine Milisekunde bei der Formel 1 Meisterschaften entscheiden können.

  9. ChaCoa
    19. Juni 2009, 18:17 | #9

    Tagesziel halte ich aus folgenden Gründen nicht für sinnvoll.

    Da Märkte sich in Trends bewegen und auch oft in Seitwärtsbewegungen verharren (trifft auch auf Aktien etc. zu) sind die Bewegungen/Vola in Seitwärtsphasen nicht so stark wie in Trendphasen. Somit limitiert sich in Seitwärtsphasen ein Tagesziel von selbst.

    Oder anders gesagt, aus einer ausgequetschten Zitrone kommt weniger Saft als aus einer frischen ;o)

    Selbst, wenn man in Seitwärtsphasen Trendaktien findet, werden diese nicht so stark steigen oder fallen, wie in Phasen wo Märkte in Trends laufen.

    Allerdings denke ich, daß sich nach einer Zeit des regelmäßigen Tradens ein Durchschnittsprinzip der Gewinne/Verluste ergibt und sich letztlich ein gewisser Anhaltspunkt rausbildet.

    Diesen kann man dann dazu nehmen, daß man je nach gestiegenen/gefallenen Kontostand seine Positionsgröße erhöht oder verringert.

    Good Trades

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