Status – März 2009

Status – März 2009

Nun, da ein wenig Ruhe eingekehrt ist und ein Teil des ersten bekannten Trading-Teams abwesend ist (daher die Pause in der Wochenchartaktualisierung), möchte ich die Gelegenheit nutzen, einen kurzen Statusbericht abzugeben.

Zum Blog:
Der Blog stellt die Basis der Dokumentation der zukünftigen Trades dar, von daher ist es besonders wichtig, dass der Blog nicht den zentralen Mittelpunkt des Aufwandes darstellt, sondern vielmehr das Medium zur Kommunikation ist. Dazu war es nötig, dass der Blog durch Mechanismen läuft, die nicht permanenter Kontrolle unterliegen müssen und die keine Ressourcenanfälligkeit bezüglich der Pflege bedürfen. Um dies sicherzustellen, haben wir hier nicht einen Blogbetreiber, sondern einen Blogteam – dieses Team besteht derzeit aus zwei Administratoren, vier Redakteuren, und vier Autoren, wobei Redakteuren und Autoren grundsätzlich einen ähnlichen Status haben bezüglich der Rechte Artikel zu veröffentlichen oder zu bearbeiten.

Das “Drumherum”:
Die geplante Durchführung des Projektes, gemeinsam ein Konto zu handeln, bedingt jedoch noch mehr organisatorisch aufwändigere Maßnahmen, so wie zum Beispiel die Gründung einer Rechtsform, die als gesetzlich anerkannte Institutionen oder Personen betrachtet werden kann und auch selbst ein Konto innehalten darf. Zu diesem Zwecke haben wir uns entschlossen einen Verein zu gründen – wir sind derzeit sechs Mitglieder, ein siebtes prüft gerade für sich die Beitrittsoption. Wenn wir mindestens sieben Personen sind, werden wir den Verein ins Vereinsregister eintragen lassen und sind dann ein so genannter eingetragener Verein (e.V.); dieser bietet rechtlich und finanztechnisch diverse Vorteile.
An dieser Stelle möchte ich nochmal ausdrücklich betonen, dass jeder, der mitarbeiten möchte, egal ob als Blogautor/ -redakteur, Administrator oder als Trader herzlich eingeladen ist, bei uns mitzumachen. Sollte jemand bereits selbst einen Blog betreiben, steht das natürlich nicht im Widerspruch und es ist ihm auch jederzeit gestattet auf diesen zu verweisen, solange er aus unserer Sicht nicht irgendwelche dubiosen Angebote enthält.

Zu den Handelsteams:
Obwohl wir uns gerade mit dem Handeln natürlich Zeit lassen wollen, haben wir gleich von Anfang an, kurz nach Beginn des Blogs, ein Team aufgebaut, was mit dem Trading im Wochenchart beziehungsweise Tageschart angefangen hat. Aufgrund der ausreichend großen Zeitebene, die gewählt wurde hatten wir hier die Möglichkeit, ein wenig die Struktur zu proben und sind zu ersten Ergebnissen gekommen, die ich im Folgenden darstellen werde:

Zuerst sollten wir mal beschreiben wo die eigentlichen Probleme beim Teamtrading liegen:
1. Welche Märkte/ Instrumente sollen betrachtet werden?
2. Welche Haltedauer wird bevorzugt?
3. Welches sind die Auswahlkriterien?
4. Wie stimmt man sich ab?
5. Wann wird gehandelt?

Zu 1. Märkte/ Instrumente:
Bei der Wahl der Märkte haben wir uns beim zusammengestellten Team daran orientiert, wer die meisten Instrumente handelt. Der mit den meisten Werten sollte als erster seine Vorauswahl treffen, die er dann in einer Watchlist zusammenfasst und den anderen Mitgliedern zur Verfügung stellt. Die anderen Teammitglieder durchsuchen zeitgleich die Märkte und ergänzen diese Liste – sofern die von ihnen gefundenen Werte nicht schon enthalten sind; dabei muss vor allem darauf geachtet werden, dass man einen Wert auch dann evtl. doppelt hinzufügen muss, wenn dieser in der Vorauswahl als Kandidat in anderer Richtung gelistet wurde (Long bzw. Short).

Zu 2. Haltedauer:
Bei der Haltedauer muss berücksichtigt werden, dass es bei der Wahl eines größeren Zeitfensters vorkommen kann, dass die Meinungen zu einer einzelnen Position bezüglich des Haltens ein wenig auseinandergehen. So ist der eine der Überzeugung, dass ein Wert nicht vorher geschlossen wird, bevor er ein bestimmtes Ziel oder Stop erreicht hat, ein anderer dagegen ist der Meinung, dass eine Position grundsätzlich nach einer gewissen Bewegungslosigkeit geschlossen werden muss und manchmal gibt es auch einfach nur persönliche Unterschiede in der grundsätzlichen Ansicht zur Haltedauer im Swing/ Position-Trading (in Abhängigkeit vom betrachteten Analysezeitraum). So halten wir es an dieser Stelle recht flexibel und stimmen auch die Schließung der Positionen gemeinsam regelmäßig ausserhalb der Analyse-Tage ab. Damit reduziert sich das Problem der Haltedauer auf die gemeinsame spontane Abstimmung zu Einstieg und Ausstieg in und aus der Position. Grundsätzlich können wir aber für uns gewisse Ober- und Untergrenzen definieren.

Zu 3. Auswahlkriterien:
In dem ersten Test-Team haben wir uns bezüglich der Auswahlkriterien auf die technische Analyse beschränkt. Jeder Trader betrachtet die Charts aus charttechnischer Sicht und berücksichtigt diese auch bei der Betrachtung der Auswahl der anderen Mitglieder. Das ganze wird für alle natürlich transparenter wenn man die wichtigen Kandidaten als Screenshot mit eingezeichneten Trennlinien etc. zur Verfügung gestellt, ist aber mitunter natürlich sehr aufwendig, insbesondere wenn man besonders viele Kandidaten hat. Wir versuchen an dieser Stelle ein praktikables, auf den Blog zugeschnittenes Verfahren zu implementieren.

Zu 4. Abstimmung:
Der interessanteste Teil ist sicherlich die Abstimmung. Die Abstimmung wird je schwieriger, desto kleiner der Zeitrahmen in dem gehandelt wird; da wir im ersten Test Team langfristig agieren, haben wir dieses Problem zur Zeit erst mal sehr einfach auf Basis von E-Mails und dem Google-Tabellen-Addon gelöst. Bisher wird folgendermaßen vorgegangen: der Trader, der als erstes fertig ist (wir nennen diesen zukünftig den Master-Trader der Gruppe) schickt eine E-Mail an die anderen, dass die Weiterbearbeitung seiner eingestellten Tabellen erfolgen kann. Daraufhin können die anderen Traderer diese Listen ergänzen und/ oder ihre Kommentare an den jeweiligen Stellen hinzufügen und ebenfalls nach Abschluss ihrer Arbeit eine Mail zur Information versenden. Alle E-Mails, die diese Prozesse begleiten, werden über einen Verteiler organisiert – das heißt: es gibt eine zentrale E-Mail-Adresse, durch die alle Teammitglieder gleichzeitig angeschrieben werden. Zusätzlich wird zu jeder Wochenanalyse eine Art Archiv-Thread angelegt, der es ermöglicht, dass die gesamte Kommunikation im Nachgang eingesehen werden kann – dies kann im Nachhinein eventuell nützlich sein, um das Vorgehen nachzuvollziehen, zu validieren und zu veröffentlichen.
Der letzte Schritt ist dann die erneute Bearbeitung der Liste, die dann jeder nochmal für sich durchgeht und auswählt, welches nun für ihn der aussichtsreichste Kandidat ist; dabei sollte sich jeder Trader darauf beschränken, maximal zwei Short und zwei long Kandidaten anzugeben. Der Wert (die Werte), der (die) dann in der Gruppe den größten Zuspruch erhalten hat, sollte(n) im Anschluss gehandelt werden.

Zu 5. Positionseröffnung:
Der vorher definierte Master Trader ist der einzige im Team, der Zugriff auf das Konto hat; er wird die ausgewählten Kandidaten handeln (in der Regel einen Short einen Long). An dieser Stelle sollte man vielleicht erwähnen, dass der Master Trader nicht auf alle Zeiten festgelegt wird, sondern dass diese Rolle vielmehr eine Rotationsposition ist, die jedes Teammitglied annehmen kann.

Zukünftiges Vorgehen und nächste Schritte:
Da wir nun zeitgleich schon zwei weitere Teams im Hintergrund gestartet haben, empfiehlt es sich jetzt schon mal ein kleines Regelwerk festzulegen. Hierbei muss beachtet werden dass die Teams grundsätzlich klein starten müssen, also erstmal mit zwei Personen und dann sukzessive noch eine dritte und vierte hinzunehmen. Dieses Team ist das Basisteam, dass die Ideen sammelt und zusammenführt und letztendlich auch entscheidet – die finale Teamgröße hängt natürlich von den Instrumenten und dem Zeitfenster ab – Ziel sollte es aber sein, langfristig Teams mit unbegrenzter Größe aufzustellen, so dass ein möglichst breites Meinungsbild entsteht.
Zurzeit bin ich noch mit mehreren Brokern in Verhandlungen ein unbefristetes Demo Konto und besondere Konditionen für das Realkonto festzuziehen, dies ist natürlich besonders schwer, weil wir frei von Werbung bleiben wollen. Grundsätzlich stehen uns aber bereits drei unbefristete Demokonten zur Verfügung, so dass ich davon ausgehe, dass wir in der nächsten Zeit beginnen werden auf dem Demo-Konto die ersten Trades öffentlich durchzuführen und zu dokumentieren.

Fazit:
Aus meiner Sicht wächst das ganze Projekt sehr solide – insbesondere wegen der ebenso soliden Mitwirkenden. Dadurch, dass wir uns nicht unter Druck setzen liessen, entwickelte sich das ganze bisher ziemlich strukturiert, was ich anfangs nicht erwartet habe. Natürlich gab es auch einige wenige Mails von “wartenden” Lesern, die aber allesamt nicht unhöflich waren, sondern halt einfach ein wenig ungeduldig. Ich danke also hiermit auch noch mal allen Lesern für Ihre geduldiges Zurückhaltung (und passive Mitarbeit durch Hilfestellungen), die auch ein Beleg dafür ist, dass es sich um eine sehr kultivierte Leserschaft handelt.

LG Aurelius

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Über den Autor

Kommentare (5):

  1. Hey Aurelius / DaytradingTeam,

    zu dem Projekt eine Kritik: Man darf “Teamarbeit” nicht mit “Entscheidungen im Team” verwechseln. Das ging bei einem Unternehmen immer schief. Auch wenn Ihr ein Verein gründet (wobei ich eine rechtliche Gesellschaftsform vorziehen würde, z.B. oHG), ist es ein Geschäft. Die letzte Entscheidung sollte da immer ein einzelner haben. Die groben Richtlinien werden im Team besprochen oder diskutiert. Aber ein Team kann selten eine einzelne Entscheidung fällen. Okay, jetzt besteht das Team nur aus zwei Personen. Aber es ist nachher schwerer, die Struktur wieder aufzubrechen.

    Man könnte z.B. ein DAX-Team einrichten. Man bespricht das Risiko, die Zeiteinheiten etc. . Dann teilt man die Aufgaben denn einzelnen Personen zu. Einer für Wochentrades, einer für Tagestrades usw. Das wiederrum kann man aufteilen in die Haltedauer. Also Aufgaben gäbe es genug.
    Aber ein zweier bis vierer Team für nur eine Aufgabe geht nach meiner Erfahrung schief.

    “Aus meiner Sicht wächst das ganze Projekt sehr solide”
    Aus meiner Sicht läuft es sogar großartig. Hier gab es schon eine Fülle von konzentrierter Informationen, die ich in so kurzer nicht allein erfasst hätte.

    Gruss
    GeDi

  2. Hi Gedi,

    Du hast natürlich recht, die Gesellschaftsform kann ja später noch mal geändert werden; in diesem ersten Schritt ging es uns einfach erst mal um eine möglichst offene Gesellschaftsform, die einen simplen Finanz- und Rechtscharakter hat und auch weiteren Interessierten offen steht – ich gehe Deiner Anregung jetzt aber mal nach und lasse mal die anderen Formen sogleich auf Eignung prüfen.

    Auch Deine Team-Hinweise sind natürlich gut und richtig (wir sind übrigens mittlerweile nicht zwei, sondern drei aktive, ein vierter ist in der Warteschlange). Die letzte Entscheidung soll natürlich auch immer ein einzelner inne haben – daher der “Master-Trader”. Deine Idee mit der “Aufgabenverteilung”, insbesondere die Berücksichtigung der einzelnen Haltezeiten ist interessant, dass sprechen wir mal intern durch.

    LG Aurelius

  3. Hallo Aurelius,
    danke für den Statusbericht. Das liest sich gut und der Fortschritt ist unverkennbar. Die Strukturen wachsen, Stück für Stück wird sichtbarer wo es lang gehen soll. Genug Ansatzpunkte für konstruktive Kritik wird es genug geben. Das ist mir schon bei Gedis Kommentar aufgefallen.
    @Gedi
    Deine Aussage ‘zu dem Projekt eine Kritik: Man darf “Teamarbeit” nicht mit “Entscheidungen im Team” verwechseln. Das ging bei einem Unternehmen immer schief.’
    verstehe ich nicht. Ich komme aus einem Umfeld, in dem fast immer die Entscheidungen im Team getroffen wurden. War man sich trotz Austausch aller Argumente nicht einig, wurde abgestimmt. Und dann wurde die Mehrheitsentscheidung umgesetzt.
    Ich glaube, wenn es so läuft wie du es vorschlägst, dann ist sehr schnell ein Sündenbock ausgeguckt, nämlich der, der die Entscheidungen trifft. (Es sei denn, er landet jedesmal einen Treffer :-) ) Findest du nicht, dass diese Gefahr besteht? Ich kann mir sogar vorstellen, dass das Team so gar nicht existieren kann. Denn, sollten die Argumente eines oder mehrerer Teammitglieder ständig ungehört bleiben, dann werden die, die keine Entscheidungen treffen dürfen, früher oder später keine Lust mehr haben.
    Das interessante an diesem Experiment ist doch, dass niemand gezwungen werden kann, alles muss aus freien Stücken kommen. Da müssen Rechte und Pflichten sich in etwa die Waage halten, sonst wird es nicht funktionieren.

    Gruss
    Chris

  4. Ich denke man muss noch ein wenig differnzieren. Ich verstehe das schon so, dass derjenige, der gerade Kontozugriff hat die aktive finale Handelsentscheidung treffen sollte.
    Die gilt allerdings, wie beschrieben, nur für vorher im Team abgestimmte Kandidaten, in keinem Fall darf er sich gegen die Team-Meinung stellen und selbst nach eigener Meinung auswählen – er soll nur bei Gleichstand oder zögern und Unentschlossenheit des Teams diesen Umstand bewerten und dann entscheiden wie weiter verfahren wird – d.h. er ist schon der Entschdeider, aber nur da wo es nötig ist. Das ganze erfährt allerdings je nach Timeframe mehr oder weniger Beachtung :) (dazu später).

    LG Aurelius

  5. @chris
    Hach, so schriftlich kann man missverstanden werden, wenn man nicht genau alles aufschreibt… ;-)

    Nein, das Team entscheidet natürlich über die besondere Sachverhalte. Aber man muss jedem eine gewisse Aufgabe zuteilen, der er bearbeiten soll. Und klar, wenn er diese, für sich persönliche Aufgabe fehlerhaft erfüllt, dann ist er für diese Aufgabe nicht der Richtige und sollte eine andere Aufgabe erfüllen. Als Sündenbock würde ich ihn nicht bezeichnen. Evtl. war diese Aufgabe nicht das Richtige für ihn. In Unternehmen gibt es viele Mitarbeiter, die an ihrem Platz grottenschlecht sind. Entlassen wäre zu einfach. Ein Arbeitsplatzwechsel innerhalb der Firam wirkt da schon Wunder.

    “Denn, sollten die Argumente eines oder mehrerer Teammitglieder ständig ungehört bleiben, dann werden die, die keine Entscheidungen treffen dürfen, früher oder später keine Lust mehr haben.”

    Teilt man den einzelnen Mitglieder keine einzelne Aufgabe zu, kann es sein, das dieser schnell in den Hintergrund gedrängt werden. Ein “Alpha”Mitglied kristallisiert sich schnell heraus und “reisst” die Aufgaben an sich. Hat er Erfolg, ist er der Gewinner, bei Misserfolg ist es das Team. Das ist sehr demotivierend für den evtl. “Stillen”.

    “Das interessante an diesem Experiment ist doch, dass niemand gezwungen werden kann, alles muss aus freien Stücken kommen.”
    Klar, niemand ist hier gezwungen. Evtl. möchte sogar jemand mit einem eine Aufgabe zusammen bearbeiten. Hier soll ja auch gelernt werden. Vielleicht hab ich mich jetzt auch ein bisschen ins unternehmerische verrannt ;-) . Wenn ich mir mein Geschreibe so durchlese, ist es auch so. Ich lass es mal stehen und hoffe, dass Du/Ihr es versteht,was ich meine.

    Gruss
    GeDi

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