Nachfolgend wird geschildert, wie man ein Handelssystem entwickeln und traden kann (!).
Diese Vorgaben sind natürlich nicht nur für mechanische Handelssysteme zu verwenden, sondern sie können auch gleichwohl für einen diskretionären Handelsstil eine Hilfestellung bieten.
Ausgangspunkt ist jedoch, dass ein Trader (egal welcher Kategorie er auch angehört) einen fixierten Plan hat, nachdem er kontinuierlich und beständig tradet.
“Plane den Trade! Trade den Plan!”
Anm.:
Die u. g. Aufzählung hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit!
Sie ist nur sehr hilfreich aus meiner Sicht.
Verbesserungsvorschläge/Erfahrungsberichte finden in den anschließenden Postings ihren Platz.
HS-Entwicklung
A) Trading-Idee
B) Handelsregeln
C) HS schreiben
D) HS backtesten und optimieren
E) HS starten/handeln
F) HS (Ausführungen) überwachen
G) HS warten (verbessern, anpassen, aussetzen, beenden)
H) Mehrere HS miteinander abstimmen und handeln (Equity-Trading)
A) Trading-Idee
1.) Am Anfang steht eine Idee, die viele und hohe Gewinne verspricht.
2.) Diese sollte einen positiven Erwartungswert haben.
3.) Hier wird auch festgelegt welcher Art das HS ist: Trendfolger, Countertrend, BreakOut, Mustererkennung.
4.) Des weiteren entscheidet man sich hier auch für den zu handelnden Time-Frame: Scalping, Intraday-Trading, Swing-Trading, Position-Trading mit den dazugehörigen Time-Sets (Charteinstellungen): Tick-, Minuten-, 15’er-, Hourly-, Daily-, Weekly-Charts.
5.) Hier wird der Grundstein für das zukünftige Trading gelegt, somit sollte auch die gewählte Strategie und ihre Art zur Persönlichkeit des Traders passen.
B) Handelsregeln
1.) Es werden Handelsregeln erstellt, die so präzise wie möglich formuliert werden.
2.) Sie sollten so genau aufgeführt sein, dass ein außenstehender Dritter ohne Einführung und weiteren Erklärungen umgehend und fehlerfrei das System umsetzen kann.
3.) Hierzu zählen die Komponenten: Entry (Trenderkennung, SetUp, Trigger), Exit (Risk-Management) und Position-Sizing (Money-Management).
C) HS schreiben
1.) Entry-Bedingungen
a) Immer wiederkehrende (gleiche) Entry-Bedingungen sorgen für eine nachhaltige Überprüfbarkeit (Traden nicht „nur aus dem Bauch heraus“).
b) Es sollten nicht zu viele variable Parameter verwendet werden, da das System ansonsten zu instabil wird und Überoptimierung/Curve-Fitting (das Anpassen an die Verhältnisse eines bestimmten historischen Datensatzes/Tesreihe) droht.
2.) Exit-Bedingungen
a) Das sog. Risk-Management (RM).
b) Sie geben an, wann der Trade im Verlust- sowie im Gewinnfall beendet wird.
c) Hierüber wird das Risiko des Trades (Trade-Risiko) definiert.
d) Es können folgende Stops verwendet werden: InitialStop (gibt das Max.-Risiko zu Beginn das Trades an), TrailingStop (=GewinnsicherungsStop, ein nachlaufender Stop, der das Risiko eines im Gewinn befindlichen Trades gleichhält oder sogar verringert), ProfitTarget (bei Erreichen eines vorher definierten Gewinnzieles wird der Trade glattgestellt), TimeStop (nach Erreichen einer vorher definierten Zeitspanne wird der Trade glattgestellt). Diese Stops sollten so eng wie möglich gewählt werden, um das Risiko im Markt und der Volatilität zu minimieren. Jedoch weit genug, um dem Trade Platz zur Entfaltung zu geben und das Markthintergrundrauschen sowie StopFishing (von offensichtlichen, zu engen Stops) zu unterdrücken.
e) Da man durch die Verwendung eines Stops i. d. R. früher ausgestoppt wird als bei einem SAR-System, kann es sein, dass der Kurs nach dem Exit wieder in die ursprünglich gehandelte Richtung weiterläuft, ohne jedoch ein erneutes Signal gegeben zu haben. (Es hätte ja auch vorher erst einmal eines Gegensignals bedurft.) Somit sollte man sich auch mit der Thematik ReEntry befassen.
3.) Kontraktgrößen-Bestimmung
a) Das sog. Money-Management (MM).
b) Hier wird die Frage nach dem „wie viel“ geklärt.
c) Hierbei muss das Trade-Risiko berücksichtigt werden (wie viel Punkte werden im Chart bei Erreichen des IS verloren = Entry – IS).
d) Des weiteren muss ebenfalls das Depot-Risiko berücksichtigt werden (wie viele Euros kann ich mir, bezogen auf das gesamte Trading-Kapital, erlauben zu verlieren). Hierbei sollte bei jedem Trade jeweils max. zwischen 1% – 3% des Trading-Kapitals riskiert werden.
e) Dies kann neben der Kontrakt-Zahl auch über einen evtl. Hebel reguliert werden.
f) Als Ergebnis erhält man die max. zu handelnden Kontrakte und den passenden Hebel, sodass man nicht zu riskant am Markt agiert und dem Leitsatz folgt: „Stay in Business!“
4.) Umschreiben sämtlicher Handelsregeln in eine dem PC/Handelsprogramm verständliche Sprache (z. B. Equilla, EasyLanguage).
D) HS backtesten und optimieren
1.) Durch das Testen des Systems erlangt man keine 100%ige Sicherheit, jedoch gewinnt man dadurch Vertrauen in das HS (man lernt das Chance-Risiko-Profil dieser Art des Handels kennen und lernt, mit den ja schon prognostizierten Verlusten/Verlustserien zu leben) und erhält so die notwendige psychologische Unterstützung.
2.) Es werden die HS-Bestandteile einzeln getestet: Zu erst werden die Entry-Bedingungen optimiert, danach wird das RM-Modul (Stops) aktiviert, zum Schluss wird eine passende MM-Logik hinzugefügt.
3.) Testverfahren
a) Komplette Datenreihe
b) Out-of-Sample/Walk-Forward: Aufteilen der Datenreihe in mehrere Datensegmente; das erste Segment dient als Entwicklungszeitreihe, die weiteren werden in, dem System bisher ja noch unbekannte, Testzeitreihen unterteilt. Somit soll das CurveFitting ausgeschlossen werden und die Chance-Risiko-Profile für möglichst viele verschiedene Marktsituationen abgebildet werden.
c) Monte-Carlo-Simulation
d) Stress-Test
4.) Ausgabe der Ergebnisse jedes HS-Bestandteiles (Entry, RM, MM) für jede einzelne Parameter-Einstellung (z. B. bei einem MA-Double-Crossover-System alle möglichen Kombinationen der beiden unterschiedlichen MA-Perioden-Längen, also 3/15, 4/15, … 10/50) in drei EXCEL-Tabellen. Hierbei wird jede Tabelle einzeln abgearbeitet, so dass man zuerst eine profitable Entry-Einstellung erhält, man danach die Ergebnisse mit Hilfe des RM-Moduls verbessert und schließlich noch das MM-Modul hinzuschaltet.
5.) Filtern der Tabelle nach den wichtigsten statistischen Performance-Kennzahlen. Hierbei ist darauf zu achten, dass man nicht nur nach der reinen Performance (Ertrag) geht, sondern auch die Risiko-Kennziffern beachtet und ebenfalls den „Ertrags-Prozess“ (unter welchen Bedingungen ist es zu diesem Endergebnis gekommen) untersuchen.
a) TotalNetProfit: Gibt das Gesamt-Ergebnis an (TNP = GrossProfit – GrossLoss); das Ergebnis sollte zwingend positiv sein, da das HS ansonsten Geld verliert, jedoch ist die Höhe nicht der ausschlaggebende Punkt.
b) MaxDrawdown: Gibt den größten Equity-Rückgang nach einem Equity-High bis zu dessen Wiedererreichen an. Eine der wichtigsten Kennzahlen, da sie die Höhe der psychischen Belastung des Traders widerspiegelt. (Ebenso die MaxConsecutiveLosers, die die max. Anzahl von Verlusttrades in Folge angeben.)
c) ProfitFaktor: Gibt das Verhältnis von GrossProfit und GrossLoss an (PF = GrossProfit / GrossLoss), pro verlorenem EUR erhält man EUR X Gewinn; ein PF >3 wäre anzustreben.
d) PercentageProfitable/HitRate ist eher zweitrangig (erfolgreiche Trendfolger können sogar im Bereich von 35% noch sehr profitabel sein); entscheidender wäre ein Verhältnis von durchschnittlichem Gewinn zu durchsch. Verlust von >3.
e) Sharpe Ratio: Gibt das Verhältnis der gemittelten Überschuss-Rendite (Rendite abzüglich eines risikolosen Zinses) zur Volatilität der Renditen an.
f) NetProfit/MaxDD: Dieses Verhältnis gehört auch zu den Chance-Risiko-Kennzahlen.
g) Trade-Häufigkeit/PercentageInMarket: Diese Kennzahlen können als sog. „weiche Kriterien“ zu Rate gezogen werden. Bei ansonsten identischen Performance-/Risiko-Kennzahlen sollten die Parameter gewählt werden, mit denen man weniger handelt bzw. im Markt ist. Denn mehr Trades bedeuten höhere, zusätzliche Kosten (Provisionen, Slippage) und durch einen höheren Anteil im Markt ist man auch einem höheren Risiko ausgesetzt.
6.) Man sollte nicht zu viele Kennzahlen auswählen, um nicht den Überblick zu verlieren.
7.) Alle Kennzahlen mit einander verknüpft, also nicht isoliert betrachten.
8.) Anfertigen einer Pivot-Tabelle mit Oberflächendiagramm in EXCEL.
a) Auf der X- und der Y-Achse werden die Einstellung der beiden (hier im Beispiel) MAs abgetragen; im Inneren, dem sog. Daten-Bereich werden die Ergebnisse dargestellt.
b) Die Ergebniswerte für jede einzelne Parameter-Kombination werden dabei im Datenbereich nicht als absolute Zahlen geschrieben, sondern es erfolgt eine farbliche Darstellung.
c) Hierbei entsteht ein den Isobaren auf Wetterkarten ähnliches Bild. Die Ergebniswerte werden in bis zu zehn gleichgroße Bereiche aufgeteilt. (Bsp.: Die Werte schwanken zwischen dem Minimum 0 bis zum Maximum 10; alle Werte, die zwischen 0 und 1 liegen erhalten einen roten Punkt, Werte zwischen 1 und 2 einen orangefarbenen usw.) Somit erhält man eine Oberfläche mit verschiedenbunten Bereichen/Flächen.
d) Nun sucht man sich die Flächen mit den besten Werten (z. B. dunkelblaue Fläche für Werte zwischen 9 und 10) und den zweitbesten Werten (z. B. lilafarbene für Werte zwischen 8 und 9).
e) Hier kommt nun nicht darauf an, DIE (eine!) Parameter-Kombination zu erkennen und zu übernehmen, sondern viel mehr um einen größeren Bereich, sozusagen eine Handvoll von Parameter-Kombinationen, der durch die Reihe weg überdurchschnittlich gute Ergebniswerte liefert. Man sollte also nicht unbedingt auf eine kleine dunkelblaue Ecke schauen, sondern eher den großflächigeren lilafarbenen Bereich mit etwas dunkelblau durchsetzt bevorzugen. Denn bei Extremwerten oder sehr kleinflächig dargestellten Werten kann es sich um Zufallstreffer oder aber um Überoptimierung handeln.
f) Dieser ausgemachte Bereich beinhaltet nun eine Reihe von profitablen Parametern. Entscheidet man sich für eine Parameter-Kombination hieraus, so hat man zwar nicht den absoluten Spitzenwert, ist jedoch mit einem STABILEN Wert, auf der sichereren Seite. D. h. geringfügige Parameter-Veränderungen sollen nicht gleich zu größeren und somit risikobehafteten Ertragsvarianzen führen. (Bei geringfügigen Verschiebungen im Marktgefüge, die eine Anpassung der Parameter verlangen würden, wird man nicht gleich aus dem Markt gespült, ohne dass die gewählte Einstellung komplett versagt.)
9.) Dieses Verfahren (eine Parameter-Kombination zu wählen, die ein wenig „Fleisch“ um sich herum hat) wird für die beiden nächsten Module (RM) und (MM) erneut durchgeführt.
a) Neben den o. g. Verfahren eignet sich bei dem RM-Modul auch das MAE-Verfahren (Maximum Adverse Excursion von John Sweeney)
10.) Visualisierte Erfassung der Verteilungsstruktur der Monatsrenditen (relative Häufigkeitsverteilung der Trades sortiert nach %-ualer Rendite/Rendite-Klassen). Hierbei werden Ausreißer („Outlier“) in beiden Extremen erkannt, die die Statistik unbemerkt verfälschen. Bei einem Vergleich mit der Normalverteilungskurve ist z. B. bei Trendfolge-HS eine Rechtsschiefe (Schiefe/Skewness) erkennbar, d. h. der Scheitelpunkt der Renditekurve liegt links neben dem idealisierten Normalverteilungsscheitelpunkt, somit ist die rechte Seite der Kurve stärker ausgeprägt („Fat Tails“). Sprich: Viele kleine Verluste, dafür wenige, aber um so größere Gewinne (positive Skewness).
11.) Visuell kann man des weiteren ebenfalls die Equity-Kurve erfassen. Eine glatte, steigende Linie verspricht eine stetige, positive Renditeentwicklung ohne größere, nervenzehrende Drawdowns.
12.) Nach allen Testdurchläufen werden die stabilsten und Profit versprechenden Parameter im HS hinterlegt.
E) HS starten/handeln
1.) Start des Tradings in Realtime.
2.) Anbindung/automatisches Order-Routing an den Broker.
3.) Festlegen auf ein oder mehrere Underlyings (Portfolio) und das zu handelnde Instrument (Aktien, Optionsscheine, Zertifikate, CFDs, Optionen, Futures).
F) HS (Ausführungen) überwachen
1.) Werden die Trades tatsächlich gemäß den erdachten Handelsregeln ausgeführt?
2.) Werden die Orders ohne größeres Timelag ausgeführt?
G) HS warten (verbessern, anpassen, aussetzen, beenden)
1.) Kein HS wird mit einer gleich bleibenden Parametereinstellung ewig profitabel handelbar sein. (Rudolf Wittmer äußerte in einem Interview diesbezüglich mal eine Haltbarkeitsspanne von max. 3 Jahren.)
2.) Läuft das HS noch innerhalb der getesteten und als profitabel verifizierten Parameter?
3.) Haben sich die Marktbedingungen sehr verändert?
4.) Testverfahren
a) Vergleich der aktuellen mit den ursprünglichen HS-Performance-Kennzahlen aus D).
b) Chi-Square-Test (x²-Test): Sind die aktuellen Werte noch mit den historischen kompatibel?
c) Worst-Case-Szenarien: VaR (Value-at-Risk, Monte-Carlo-Simulation, Stress-Test).
H) Mehrere HS miteinander abstimmen und handeln (Equity-Trading)
1.) Durch Untersuchung der EquityCurve sollen Zeiträume identifiziert und im Ansatz erkannt werden, in denen das HS versagt, bzw. Verluste produziert. (Z. B. die Phasen von Seitwärtsmärkten, in denen Trendfolgeansätze prinzipiell zu Verlusten neigen, wird das HS ausgesetzt und nur per Paper-Trading weitergeführt.)
2.) Somit soll die EquityCurve linearer und nicht so erratisch verlaufen. (DrawDowns und somit auch die Volatilität werden reduziert. Dadurch ergibt sich ein günstigeres CRV, bzw. NetProfit/DD-Verhältnis.)
3.) Zur Analyse der EquityCurve können sämtliche Methoden der technischen Analyse angewandt werden. Zu nennen wären hier als Hauptarten: MovingAverage (Simple oder DoubleMACrossover-Systeme), Breakout (Tiefs und Hochs der Equity innerhalb eines zu definierenden Zeitraumes geben die Aussetzungs-/Fortsetzungs-Signale des Handels an), Performance (ähnlich der Breakout-Methode, nur dass hier prozentuale Auf-/Abschläge gewertet werden wie bei einem %-ualen TrailingStop) und Underwater Equity Shutdown (Kombination aus Breakout und Performance).
a) In die EquityCurve werden Trendlinien (AUTL/ABTL) eingezeichnet. Bei Break der AUFTL wird das Trading des Systems eingestellt und per Paper-Trading fortgeführt. Bei Break des sich anschließenden ABT wird das System wieder angeschaltet.
b) Equity MA: Über die EquityCurve werden MA’s gelegt (z. B. ein MA-200). Signale des Systems werden ausgeführt, sofern die EquityCurve oberhalb des MA’s liegt.
c) Equity MAEin Double-MA-Crossover-System auf die Equity. Die MA’s sollten über 20, jedoch nicht allzu weit auseinander liegen, z. B. 25/30.
d) Equity Breakout: Wenn neue Equity-Tiefstände innerhalb einer vorher definierten Zeitspanne auftreten, wird das reale Trading ausgesetzt und auf Paper-Trading umgestellt, bei neuen Equity-Höchstständen innerhalb einer vorher definierten Zeitspanne wird es wieder fortgesetzt, z. B. eine Zeitspanne von jeweils 10 Tagen.
e) Equity Performance: Ähnlich dem Breakout-System wird der Equity ein gewisses Korekturpotenzial zugestanden, nur dass es sich hierbei um %-uale Grenzen handelt, analog einem %-TrailingStop. Z. B. wird das reale Trading abgebrochen, wenn 7 % vom letzten Equity-High wieder abgegeben wurden und erst wieder aufgenommen, wenn sich die Equity vom letzten Equity-Low wieder um 3 % erholt hat.
f) Underwater Equity Shutdown: Analog dem Performance-System wird das reale Trading eingestellt und es wird erst wieder bei neuen Equity-Highs aufgenommen (ähnlich dem Breakout-System). Tritt z. B. ein DD von 4 % auf, wird das reale Trading abgebrochen und erst wieder bei neuen Equity-Highs aufgenommen. Hierdurch kommst es zwar zu längeren tradelosen Phasen (aufgrund der langen Wartezeit bis neue Equity-Highs entstehen), jedoch werden Drawdown-Phasen gut herausgefiltert, so dass sich die Trefferquote erhöht und das Kapital während diesen Marktbedingungen für andere HS zur Verfügung steht.
4.) Es werden mehrere HS getradet, um einen Diversifikationseffekt zu erzielen.
5.) Es werden mehrere Zeiteinheiten (Timeframes) getradet, um einen Diversifikationseffekt zu erzielen.
6.) Es können verschiedene Arten von HS kombiniert werden, z. B. Trendfolger und Countertrend-Systeme, um so jeder Marktbedingung gerecht zu werden.
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11. Februar 2009 um 23:58
Ein Frage zum Vorgehen:
A) 2.) Diese sollte einen positiven Erwartungswert haben.
Ist das wirklich eine wichtig Bedingung? Wenn ich über längere Zeiträume (Tagesbasis) handel weiss ich ja nicht unbedingt, ob meine Strategie einen positiven Erwartungswert hat. Ich würde so den Punkt “D) HS backtesten” vielleicht schon im Teil A) brauchen, oder sehe ich das falsch.
Gruß Henny
12. Februar 2009 um 14:51
Schön beschrieben, wie man bei einer Erstellung eines HS vorgehen sollte. Aber auch hier habe ich die Befürchtung, das einige wieder sagen, das sie so was nicht brauchen und zu arbeitsintensiv ist. Entweder lehrt sie die Erfahrung, das es ohne HS nicht geht oder der Markt “fegt sie weg”.
Muss mal wieder den Vergleich zu einem Geschäftsplan vornehmen und hab da so paar Kritikpunkte
:
zu D) c) Eine Simulation aus der Wissenschaft, die in der Praxis keine Anwendung hat. Setzt ebenfalls vorraus, das der Markt zufällig verläuft (was ja die theoretisch Wirtschaftswissenschaftler beschwören (s. Portfoliotheorie)). Würde ich sich zum Backtesting nicht verwenden wollen.
zu G) 1.) Kommt evtl. auf die Handelstiefe an. Ich bin der Meinung (aber ich handel aber “erst” seit 8 Jahren), dass die Märkte immer den gleichen Ablauf haben, mal extremer, mal weniger. Die Handelstechnik ist besser geworden und somit ist man klug beraten, mit dem “tech. Trend” zu gehen. Aber wenn ich mir die historischen Charts von 1929 und die von 2008 anschaue, wäre meine Strategie genauso profitabel gewesen. Nur mit dem Unterschied, das es 1929 noch keine PC´s gab!!
Pkt H) 4) Mehrere HS?? Zur Diversifikation?? Setzt erstmal voraus, dass ich z.B. als Trendfolger die Nerven habe, Scalptrades zu machen (was ganz gegen meine Philosophie verstossen würde). Ein HS auf mehrere Märkte anwenden wäre da schon besser.
H) 5) Hier würde ich die Zeiteinheiten nicht als Diversifikation verwenden, sondern zum Risikomanagement hinzuzählen. So hat z.B. eine Umkehrkerze im Tageschart eine grössere Spanne als im Stundenchart.
H) 6) Auch hier wie unter Pkt. H)4). Wäre es nicht besser, zu warten, bis man “sein” Signal hat? Ich weiss aus eigener Erfahrung, wie nervenaufreibend es sein kann, auf dieses Signal zu warten (erst Recht, wenn dann auch noch der Markt in die richtige Richtung läuft). Aber wenn es erscheint, könnte der Erfolg die Wartezeit belohnen. Aber das sollte jeder mit seiner Handelsphilosophie in Einklang bringen.
Also ich kann nur jedem empfehlen, sich solch ein HS als Vorlage zu nehmen und evtl. ein paar kleine Änderungen vornehmen (was als Newbie natürlich schwer fällt). Aber am Markt ohne HS zu handeln wäre so, als wenn ein Ingenieur ohne Plan eine Brücke bauen würde. Als ich würde nicht rüberfahren wollen
.
Gruss GeDi
12. Februar 2009 um 16:37
@Henny
Hallo Henny,
im Punkt A) 2.) liegt eher die Betonung auf “Erwartung”, wenn man so möchte.
Hier kommt natürlich ein gewisser subjektiver Eindruck zum tragen.
Bsp.: Ein Blick auf den Chart eines sich im AUFT befindlichen Marktes sagt mir i. d. R. gleich, dass ich nicht massiv (und langfristig) mit der Short-Seite spekulieren sollte.
Ich hatte auch überlegt, ob ich das “so” schreiben soll, aber ich wollte schon mal einen “Link” zu einem hoffentlich noch folgenden Beitrag bzgl. des EDGE legen.
Das wurde anderswo schon angestoßen, vielleicht könnten wir es hier vertiefen.
@GeDi
Hallo Gedi,
meinst Du “D)3.)c)”?
Ja, die MCS ist in der Tat nicht unumstritten.
Aber sie kommt halt hier und da zum Einsatz und ich wollte sie nicht unter den Tisch fallen lassen.
Hat seine Vor- und Nachteile.
Zur Diversifikation generell:
Ich bin der Meinung, dass der einzelne im höchsten Maße unbedeutend ist und man sich am besten von ihm löst, wenn man sich nur noch auf die Ausführung des Systems konzentriert und die generierten Signale umsetzt.
Danach kommt die Diversifikation ins Spiel, mit der man Drawdown-Phasen ab zu mildern versucht.
Klar, es würde auch reichen, 1 System auf verschiedene Märkte anzuwenden.
(Wenn ein Markt momentan nicht sytemkonform läuft, tun es die anderen vielleicht schon eher. … Ja, da gibt se noch die Korrelation, aber das ist wieder ein anderes Thema!)
Wenn man es jedoch noch weiter treibt so vertieft man die Diversifikation auf 3 Level:
- Verschiedene Systeme.
- Verschiedene Märkte.
- Verschiedene Zeiteinheiten (Timeframes).
Das wird u. a. auch gerne E. Tomasini und U. Jaeckle (Autoren aus dem Traders’-Magazin) so “postuliert”.
Und (ein genügend großes Portfolio vorausgesetzt) für mich macht es auch Sinn.
Viele Grüße,
Clint.
12. Februar 2009 um 16:53
Schöner Artikel der mMn ganz gut den Aufwand für die Entwicklung eines HS beschreibt.
Welche Bücher und welche Software würdest du empfehlen, wenn jemand sich mit der Thematik detaillierter auseinandersetzen möchte?
12. Februar 2009 um 20:08
@Chris
Hallo Chris,
hmm, Buchempfehlungen?
Versuche es doch mal mit Folgenden:
- Holger Arndt “Erfolgreich mit eigenen Handelssystemen” (als abs. Einstieg)
- Thomas Stridsman “Handelssysteme die wirklich funktionieren”
- John Hill/George Pruitt “Der ultimative Trading-Guide”
- Perry Kaufman “Trading Systems and Methods” (engl.)
- Richard Weissman “Mechanical Trading Systems” (engl.)
Ich will ja nicht zu viel verraten, aber es wird auch bald hier im Blog eine “Bücherecke” geben.
Da bekommst Du dann noch mehr Empfehlungen.
Viele Grüße,
Clint.
12. Februar 2009 um 22:13
@Chris
Ich kann dir noch “Building winning Trade systems with Tradestation” empfehlen. Vom Niveau her ist es eher advanced und sehr komplex. Wenn man sich aber die Mühe macht es durchzuarbeiten, ist es Meiner Meinugn nach eines der Besten Bücher.
Kleiner Nachteil noch. Es ist auf die Tradstation bezogen, aber diese Code-Konvertierungsprobleme hat man fast immer, da jeder Autor ein anderes Programm bevorzugt.
Grüße
Axel
14. Februar 2009 um 23:09
Ein sehr spannendes Thema! Prinzipiell bin ich sehr interessiert, hab auch schon einige Bücher gelesen (auch ein Programmier-Hintergrund ist bei mir vorhanden), weiß aber nicht so recht wie ich anfangen soll.
Welche Software würdet ihr empfehlen und wo bekomme ich die Kursdaten her? Gibt es ein System, das sich bereits als Quasi-Standard etabliert hat (z.B. Tradestation)?
Viele Grüße,
Frank
15. Februar 2009 um 13:22
@cru
Das kommt auf Deine Bedürfnisse an, d.h. ob Du das System z.B. auch zum Realhandel benutzen willst, dann benötigst Du nämlich eine Brokeranbindung.
Kostenlose Produkte gibt es einige mit sehr unterschiedlichen Funktionalitäten. Die Software aus dem Beispiel gibt es z.B. kostenlos auf Tagesbasis (ProRealtime).
Es gibt zumindest weit verbreitete wie Tradestation, Metatrader NinjaTrader, TradeSignal, etc. Du solltest Dir einfach von allen Demo-Versionen besorgen und diese nach Deinen Bedürfnissen testen – ich denke dann kannst Du es selbst besser einschätzen.
LG Aurelius
15. Februar 2009 um 13:36
Ich finde die Frage “wozu positiven Erwartungswert” sehr gut.
Erwartungswert ist klar mathematisch definiert, also nix mit Subjektivität.
Finde es immer wieder interessant wie oft die Phrase “du brauchst eine Strategie mit positivem Erwartungswert” völlig unreflektiert nachgplappert wird.
Wenn man dann nachfrägt: Ja und wie überprüfe/berechne ich das, wie ist der Erwartungswert für Tradingsysteme definiert” ?
Funkstille…
Finde den Begriff im Kontext des Tradings komisch, aber alles der Reihe nach.
Also gemeint ist wohl die Gewinnerwartung.
Gut, positiver Erwartungswert heißt daß eine Strategie profitabel sein soll.
No nah.
Aber wie berechnet man das ?
Nun, jenseits von Trading kann man es oft exakt berechnen.
Weil man ein exaktes mathematische Modell kennt.
zB Roulette.
Das hat negative Gewinnerwartung, dh man kann es langfristig gesehen nicht gewinnen.
Für die Märkte gibt’s kein mathematisches Modell, dh
ein positiver Erwartungswert kann nichts über die Profitabilität in der Zukunft aussagen.
Der Erwartungswert sagt aus, wie viel Profit man bei einem System im Durchschnitt erzielen kann. Nehmen wir an, dass bei einem System die Gewinnwahrscheinlichkeit bei 60% liegt, ergo ist die Verlustwahrscheinlichkeit 40%. Die Gewinne sein im Durchschnitt 255 Euro, die Verluste im Durchschnitt 200. Der Erwartungswert errechnet sich als Differenz der durchschnittlichen Gewinnwahrscheinlichkeit multipliziert mit dem durchschnittlichen Gewinn und der durchschnittlichen Verlustwahrscheinlichkeit multipliziert mit dem durchschnittlichen Verlust, also Erwartungswert hier = 0.6*255 – 0.4*200 Euro = 73 Euro. Dies bedeutet, dass man bei gleichbleibenden Parametern (Gewinn/Verlust Wahrscheinlichkeiten) in 1000 Durchgängen einen Gewinn von 73000 Euro erwarten kann.
Ja, das kann man auch für HS tun.
Aber was sagt das aus ?
Das HS/System war in der Vergangenheit profitabel.
Nicht mehr und nicht weniger.
Natürlich wird man die verwerfen, die es nicht sind.
lg,upgap
15. Februar 2009 um 13:48
Meine Buchempfehlungen:
The Encyclopedia of Trading Systems
Beyond Technical Analysis (Chande)
Trading Strategien (nicht nur) für Extrem Situationen. (Philipp Kahler)
15. Februar 2009 um 18:05
Backtesting Software gibt es in verschiedensten Funktionsumfängen.
Das beginnt mit einfacheren Lösungen, wie sie beispielsweise in Analyseplatformen wie TradeSignal, NinjaTrader, TradeStation, etc. integriert sind. Diese Applikationen benutzen meist deren eigene Script Language. Der Vorteil ist, dass diese leicht erlenbar sind. Grösster Nachteil einer Script Sprache ist jedoch der limitierte Funktionsumfang und die geringe Komplexität in der man programmieren kann. Zum Teil sind auch die Backtesting und Optimierungs Funktionalitäten beschränkt, bzw. können nur einzelne Zeitreihen, anstatt komplexer Portfolios, berechnet werden.
Einige Softwarehäuser gehen einen Schritt weiter und bieten ein Environment, in dem man in einer .NET Sprache, vorzugsweise C# und/oder VB.Net, coden kann. Damit kann man objektorientiert programmieren. Die Applikationen liefern zusätzliche Librarys mit vordefinierten Klassen, und die Community, daher auch der Support, ist bei einer .NET Language natürlich um ein vielfaches grösser.
Einige davon bieten auch eine Art System Builder, mit dem man einfache Systeme per Drag&Drop bauen kann. Der Code wird dann automatisch generiert und man kann sich mal ein Bild von dem Aufbau so eines Codes machen.
Wenn man z.B. im MoneyManagement abseits von fixed fraction/lot size/amount arbeiten will oder Systems of Systems programmiert, kommt man an diesen Produkten ab einem bestimmten Punkt nicht mehr vorbei.
Empfehlen kann ich zunächst mal RightEdge:
http://www.rightedgesystems.com/ – Eben erwähnte Unterstützung der Programmierung in C#/VB.Net, SystemBuilder, Backtesting, Optimierung. Das Produkt ist noch relativ jung, aber wird konstant weiterentwickelt. Charting ist simpel, aber das ist auch kein ‘entscheidender’ Faktor für Backtesting Software. Für die in Kürze erscheinende Version 2 hat RE auch Tick Daten Verarbeitung versprochen.
WealthLab ist schon etwas länger am Markt, wurde vor einigen Jahren von Fidelity übernommen und bietet in Version 5 ebenfalls zum ersten mal .NET Unterstützung (bzw. deren Wealth ScriptLanguage) http://www.wealth-lab.com/ Weitere Features sind StrategyWizard, Portfolio Optimizer, MCS. Sehr umfangreich, einige Datenvendoren bieten Schnittstellen zu WL an.
Dann gibt es noch OpenQuant von http://www.smartquant.com/ – Ebenfalls C#/VB.Net Unterstützung, hier gibt’s ein paar Videos: http://www.smartquant.com/products.php
http://www.quanthouse.com/ bieten nebenbei Low Latency Daten an. Habe hier jedoch keine Erfahrung oder nähere Dateils.
Meist werden Datenvendoren in einem Paket angeboten, auch die Anzahl an Brokerschnittstellen nimmt zu.
Cru, bezgl. der Daten. Das hängt sehr davon ab, welche Märkte Du in welchen Zeitkompressionen benötigst.
Lg,
Kay