Tugenden des Traders
Wie angekündigt, möchte ich nach Fehlern und Fallen nun darauf eingehen, welche persönlichen Eigenschaften bei diesem Handelsstil vorteilhaft sein können.
Viele meinen der Grund, dass manche in kurze Timeframes wechseln sei mangelnde Geduld – oder noch besser: manche wechseln sogar ganz bewusst in diese Zeitebenen, weil sie von sich selbst behaupten, sie seien nicht geduldig genug für andere Zeiträume. Meine ganz persönliche Meinung dazu ist, dass Geduld grundsätzlich einer der wichtigsten Faktoren des Tradings darstellt – wer nicht geduldig ist, wird wohl kaum erfolgreich sein (wie gesagt: IMHO).
Geduld ist, wie viele andere Eigenschaften, relativ zu betrachten. Jeder, der sich schon mal mit seinen eigenen Stärken und Schwächen intensiv auseinander setzen musste, wird vermutlich feststellen, dass man nie pauschal seine Eigenschaften klassifizieren und ergründen kann; so kann ich z.B. geduldig sein bei Dingen, die mich nicht sonderlich beschäftigen oder bei Vorgängen, die ich nicht beeinflussen kann – nicht geduldig bin ich aber bei Vorgängen, die ausschließlich in menschlicher Hand liegen bzw. die ich persönlich oder andere beeinflussen können (um sie z.B. zu beschleunigen).
Auf das Trading übertragen ist somit klar, dass ich hier geduldig sein muss, da ich keinen Einfluss auf die Kurse habe und das eingesetzte Kapital von mir als Risikokapital betrachtet wird – sollte ich das Geld auf dem Brokerkonto nicht entbehren können würde das garantiert meine Handeln wesentlich stärker beeinflussen und dies würde sich sicherlich auch in einer gewissen Ungeduld äußern.
Ich will damit also nicht nur darauf hinweisen, welche Vorrausetzungen ich grundsätzlich für das Handeln benötige, sondern will damit unterstreichen, dass man im Minutenchart-Trading genauso geduldig sein muss wie in jedem anderen Zeitfenster. Wenn ich also Swing-Trader bin, muss ich bis zu Tagen oder Wochen „geduldig“ warten, handle ich im Tickchart muss ich Sekunden bis Minuten „geduldig“ warten – länger geduldig zu warten macht hier schlichtweg keinen Sinn, da die Analysen in Minutencharts den größeren Timeframes nicht gerecht werden. Geduld (im Sinne von: „auf Tradegebnisse zu warten“) ist also relativ.
Geduld muss sich hier nicht nur auf den einzelnen Trade beziehen, manchmal muss man auch geduldig sein, wenn eine Serie von Verlusten auftritt. Bevor man sein eigenes System als falsch bezeichnet, muss man „geduldig“ traden – solange bis man eine signifikante Größe an Trades hat, die verhältnismäßig neutral Aufschluss gibt, ob das System profitabel ist oder nicht. … und an dieser Stelle ist dann auch klar wie wichtig MM und RM sind. Wenn ich mich nicht strikt an meine Stops halte, werde ich wohl rein vom Depotwert nie in den Genuss kommen zu wissen, ob ein System langfristig profitabel ist oder nicht; denn Verlustserien gibt es bei jedem System – … und um mich an meine Stops zu halten benötige ich natürlich viel Disziplin.
Geduld, Disziplin, MM, RM, braucht jeder Trader – warum sollte dies beim Handel im Minutenchart noch mal betont werden und für wen eignet sich der Stil nicht?
Da ich beim Traden im Minutenchart geringere Stoplevel und geringere Profit-Ziele bzgl. der Punktezahl wähle, Systeme bevorzuge, die schnell (wenn auch minimal) Gewinnzonen erreichen und selten mit mehr als zwei Positionen gleichzeitig (meistens vermutlich nur eine) im Markt bin, wähle ich die Positionsgröße unter Umständen erheblich höher und darf daher nie von einem einmal gesetzten (berechneten) Stop zurücktreten. Ich darf natürlich auch nur an den Stellen einsteigen, die für mich höchste Wahrscheinlichkeiten darstellen, dass ich dort schnell den Stop auf Break-Even nachziehen kann – ich muss also geduldig auf die jeweiligen Einstiege warten. Undiszipliniertheit beim Stop, Ungeduld beim Einstieg haben hier also wesentlich fatalere Folgen als bei kleinen Positionen. Wer also ab und zu mal seinen Stop in die „falsche Richtung“ großzügig korrigiert und dies aus tiefster Überzeugung macht, weil er meint der Kurs wird schon drehen, bringt also nicht unbedingt die besten Vorraussetzungen mit. Gleiches gilt natürlich für alle anderen oben genannten Punkte: wer unbedingt ständig „was handeln muss“ (Overtrading) oder kein MM/ RM berücksichtigt wird vom Markt schnell in die Schranken gewiesen.
Für wen könnte der Stil interessant sein?
Wer es liebt, die Kurse permanent zu verfolgen ist hier schon mal richtig! Wenn man diszipliniert ist und sich an vielen, wenn auch nur kleinen Gewinnen erfreuen kann, nicht dem gerade verpassten großen Wurf nachweint und damit leben kann, dass man auch mal in kürzester Zeit viele Trades nacheinander verliert, der wird diesen Stil zufrieden traden können.
Für mich persönlich ist und war immer wichtig, dass ich mich am Tage zwei bis drei Stunden intensiv mit den Märkten beschäftigen kann, ohne im Anschluss darüber nachdenken zu müssen wie sich die Kurse nachhaltig entwickeln. Ich muss beim Handeln nicht primär die Wirtschaftslage und die langfristigen Entwicklungen berücksichtigen – ich kann jeden Tag relativ unvoreingenommen beginnen und habe jeden Tag ein paar Einstiegsmöglichkeiten.
Auch wenn das ganze leicht klingt, ist die tägliche Zeit der Aktivität in diesen zwei Stunden am Tag über viele Jahre äußerst anstrengend – und je mehr man sich an Gewinne gewöhnt und unterbewusst mit ihnen rechnet, desto anstrengender wird es – es fordert einem mit jedem Tag mehr Durchhaltewillen und Konzentration ab – und man benötigt definitiv regelmäßig Pausen!
In Teil 3 beginne ich mit der Strategievorstellung; damit aber mal ein Eindruck davon gewonnen werden kann wie das so ein bis zwei Stunden täglich aussieht habe ich heute ca. 12 min. (die Länge wurde von der Musik bestimmt
nonstop mein Handeln im Minuten und 5-Sekunden-Chart aufgenommen (EUR/USD, GBP/USD). So gut wie diese Videosequenz am Nachmittag erscheint, so schlecht war der Vormittag, welchen ich glücklicherweise nicht gefilmt habe. Letzen Endes war ich heute leider gerade mal Break-Even.
ShortTimeTrading1 from Aurelius on Vimeo.
(todlangweiliges Video)
Dazu habe ich noch mal von meinem (vielleicht) neuen Broker die erste Statistik des Demo Accounts über 528 Trades angehängt (Dax-, EURUSD-, S&P, DOW-Future). Die Trades sind allerdings mit diversen Strategien gehandelt worden, allerdings allesamt Kurzeitstrategien in Minutencharts. Man sieht hier deutlich, wie fatal sich technische Fehler oder Konzentrationsverlust (hier Unkenntnis meinerserseits über die Software in der Anfangsphase) auf die Trades auswirken (largest losing trade = -4,55%). Nur durch langfristige hohe Trefferquoten lässt sich dies ausgleichen. Ich bin mit den Ergebnissen natürlich zufrieden, wenngleich ich ein wenig vermute, dass die Trades von der Software schlicht simuliert wurden und Orderausführungszeiten und Slippage bewusst unterdrückt wurden. Ich habe drei Trader unabhängig voneinander gefragt, ob die Real-Accounts des Brokers (Mirus Futures) gleichwertig sind, was mir diese bestätigten – ob das so ist, werde ich dann wohl demnächst berichten.
Meine Realdepot-Trefferquote ist zumindest sonst nicht so gut
!
… to be continued!
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3. Februar 2009 um 12:47
Noch etwas zu dem genannten Mirus-Futuresbroker: Die verwenden lt. Website u.a. GFT als Forex-Broker, da bin ich ja jetzt über FXFlat schon. Also wegen Forex und Commodities müsste ich schon mal nicht den (CFD-)Broker wechseln.
Grüsse
Marvin
3. Februar 2009 um 13:36
@Marvin
“TQ ist natürlich nicht alles”
… wohl war! Die Trefferquote kann vor allen Dingen immer nur mit Bezug auf die Größe der Gewinner und Verlierer betrachtet werden.
Bzgl. des Gewinns: Die meisten Trades waren Forex Trades, d.h. keine Commissions, mit Gebühren sieht das noch mal ganz anders aus. Ein aktualisierter Screenshot folgt.
“Off-Topic: Bist Du selbst einer oder Kenner dieser Musikrichtung?”
Nein, kein Kenner dieser Musikrichtung, aber ich spiele gerne Klavier und kenne mich dort allgemein recht gut aus.
“Abzocke”
Ich habe natürlich auch schon mal negative Erfahrungen gemacht, aber nie war ein Broker ausschliesslich allein schuld, dass mein Trading erfolglos war – und ich habe niemals einem schwarz auf weiss Betrug nachweisen können! Die üblichen Geschichten wie Orderaussetzung, Softwarefehler, Rückzahlungsverzögerung, etc. hatte ich natürlich auch schon, liessen sich aber immer irgendwie klären.
“Trades, die mich ruinieren könnten, gehe ich erst gar nicht ein”
Ich grundsätzlich auch nicht; die Software setzte damals kurz vor Stopeingabe aus, dann kamen wichtige Zahlen und der Kurs sprang um etliche Punkte. Ich hatte das zuvor schon ca. 30 mal so gemacht und es gab nie Probleme! handeln konnte ich erst zwei Tage später. Wie gesagt, ein Extremfall!
Zu Mirus und Ninja-Trader schreibe ich in Kürze etwas, ich habe als Demo-Kunde schon mal den deutschen Support kontaktiert und war ziemlich überrascht! Das sieht mir derzeit sehr solide aus. Wenn die Orderausführung real vergleichbar ist, ist diese ungeschlagen. Aber warten wir mal noch ein wenig
LG Aurelius
3. Februar 2009 um 14:00
@ Aurelius
Ich bin ja bekennender Kunde bei Mirus Futures und der Softwareplattform NinjaTrader. Glaub mir , das Ding ist schneller als der Schall. Nun cleart Mirus ja über Rosenthal Collins, also eine nicht ganz schlechte Adresse. Ich war ja letzte Woche in den Staaten und hatte auch dort Kontakt mit Banken, aber eher beruflich. Habe dann natürlich nach Rosenthal und Dorman gefragt: Alle einhellig : Super Referenz.
Wie gesagt als alternative Plattform kommt für mich nur noch APPL Trader in Frage.
Was mit an NinjaTrader besonders gut gefällt ist das Lizenzmodell (entweder leasen 60 Dollar im Monat oder Lifetime Lizenz 995 Dollar) und der Community Support, sowie die Erweiterungen von Programmierung eigener Strategien und Indikatoren. Ich habe mir z.B. einen Indikator programmieren lassen der die Signale frei nach Joe Ross ( RH Haken, TTE Einstieg, usw.) im Chart anzeigt. Nicht das man das auch mit blossem Auge sehen könnte, aber es gibt einem nochmal die Bestätigung. (Mein grösster Widersacher bin nämlich ich mir immer selber
3. Februar 2009 um 16:42
@ marvin
soweit ich weiss gibt es sicherlich schon Aktien-Futures, die auch an der Eurex angeboten werden. Nun ich persönlich denke, dass man Aktien ruhig mit einem CFD-Broker (noch besser einer mit dma) handeln kann.
Im Gegensatz dazu würde ich allen raten, die Indizes (Dax, S&P 500 etc.) handeln, auf Futures umzusteigen. CFDs sind meiner Meinung dafür überhaupt nicht geeignet. Es wird immer wieder einige Trader geben, die auch mit CFDs gute Ergebnisse erzielen. Aber alle professionellen Trader und Big Player handeln mit Futures, also warum sollte man dann mit CFDs handeln.
bzgl. Commodities wären CFDs auch ok. Wer den Forexmarkt tradet, sollte auch Futures benutzen. Natürlich gibt es auch gute Forex-Broker, dennoch sind alle nicht ganz sauber. Und auch wenn die Broker immer darauf verweisen, nehmen wir (also die kleinen Trader) nicht am Interbankenmarkt teil. Das ist eine Farce. Wo ich damals auch noch Devisen gehandelt habe, habe ich mich mit dieser Thematik intensiv befasst. Die Liquidität ist bei den Futures höher, da es ja keinen Zugang zum Interbankenmarkt gibt. Einige “Broker” bieten das an. Die Forex-Kurse sind nicht immer identisch, habe da sehr viele Broker verglichen. Da ich mich nur auf den Chart konzentriere, ist das für mich von hoher Relevanz. Deswegen suchte ich Märkte, die fair sind. Futures und der Handel mit Aktien sind faire Märkte…deswegen handele ich heute nur Futures.
@ Carsten
Meines Erachtens cleart Mirus über Dorman und nicht über Rosenthal Collins Group.
3. Februar 2009 um 18:21
@Noname Trader:
Funding Instructions
- Dorman Trading Funding Instructions
- Rosenthal Collins Group Funding Instructions
Das RCG ist in US Dollar und Euro, ebenso Dorman.
Ich habe mein Konto bei RCG
3. Februar 2009 um 20:33
Hier geht es ja schon ganz schön zur Sache. Nun behaupte ich mal, das die meisten den Unterschied zwischen einen CFD-Indexkontrakt und Future gar nicht wissen. Und es könnten sich auch Fragen stellen wie “Muss ich auch im Sekundenbereich handeln?”, “Wie wichtig ist den ein CRV-Verhältnis?”, “Heisst das nicht Ninjaturtles anstatt NinjaTrader?” und was ich mich frage, “Was ist IMHO?”
. Vielleicht sollte man den Einstieg in diesem Blog ein bisschen niedriger vollziehen?!
Gruss GeDi
3. Februar 2009 um 20:50
@GeDi
:
OK zu IMHO googeln wird einem eigentlich gleich der Wiki-Link vorgeschlagen (ich denke, dass dürfen wir fordern
http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Abk%C3%BCrzungen_(Netzjargon) )
Zu Deinen restlichen Anmerkungen hast Du vermutlich teilweise Recht, wir sollten hier noch bestimmte Eigennamen erklären und in der Kategorie Wissen ein Glossar einfügen – und das mit dem Timeframe ist natürlich nur mein persönlicher Beitrag, viele andere werden in anderen Frames handeln und andere Strategien vorstellen.
Ich gehe aber trotzdem davon aus, das Anfänger einfach fragen, wenn Sie etwas nicht verstehen, dass ist ja keine Schande.
LG Aurelius
3. Februar 2009 um 20:52
OK, marvin … diesmal warst Du schneller
LG Aurelius
P.S.: ninjaturtles ist wirklich klasse
!
3. Februar 2009 um 20:47
@GeDi
Also IMHO ist ganz einfach: In my honest opinion, s. z.B. http://lexikon.martinvogel.de/imho.html
Vorschlag: Für die Trading-Begriffe sollten wir ein Glossar anlegen, wo man solche Sachen nachlesen kann.
Grüsse
Marvin
3. Februar 2009 um 20:49
@noname trader
weil nicht jeder so ein grosses kapital zur verfügung hat um den future zu handeln?
denke für anfänger, beginner, leute die das lernen wollen sind CFDs doch ein sehr bequemer und vor allem einfach zu verstehendes produkt.
@gedi
*ich schmeiss mich weg*
ninjaturtles
gruss
eachtradingday
3. Februar 2009 um 21:10
Ahh, und ich dachte schon “sch… da trade ich schon einige Jahre und weiss nicht was IMHO heisst”
Dank Dir Marvin
3. Februar 2009 um 22:55
“Ninjaturtles”
(Da fällt mir noch eine Abkürzung ein: ROFL!)
Na dann muss ja Aurelius unser Sensei (Master Splinter) sein.
Ich stelle mir das nur gerade bildlich vor, sorry!
… Bin schon gespannt wie “Ninjaturtles” im Glossar erklärt wird, ich halte mich da zurück.
Viele Grüße,
Clint.
„Cowabunga!“
4. Februar 2009 um 00:14
@fragmasta
Musste erst mal bei Wiki lesen wer wer ist – nein sorry, von Ninjitsu habe ich keinen Plan
Ich wäre da gerne einer der Künstler … denn Schildkröten finde ich netter als Ratten
LG Aurelius
3. Februar 2009 um 23:21
@ all
Ich finds gut und steh dazu.
Was habt ihr nur alle mit NinjaTurtles
4. Februar 2009 um 17:33
Hallo teste das Demo von Mirus jetzt auch schon eine ganze weile und bin zufrieden. Finde selbst das Demo sehr Real bei Orderausführungen.
Ich zeige meine Trades auch auf meiner Seite http://www.caesar-trading.de als Bild und Video.
Gruß Manuel