Trading in Minutencharts – Teil 1

Trading in Minutencharts – Teil 1

Der Aufbau dieses Artikels mag durch das Vorziehen der Fehler und Fallen verwirren, insbesondere ist die Darstellung der Strategien unterschiedlicher Autoren des Blogs noch nicht kongruent.
Im Laufe der Zeit wird sich dies sicherlich ändern, aber derzeit müssen wir die Inhalte und den Umfang noch abstimmen bis wir einen “kleinsten gemeinsamen Nenner” gefunden haben.

Einleitung

Bevor ich zu Setup und Strategie komme, möchte ich kurz meine Philosophie zum Trading in kleinen Zeitfenstern und die Risiken, Fallen und Fehler darlegen. Ich halte das deshalb für besonderes wichtig, weil über den Handel im Minuntenchart sehr kontroverse Meinungen existieren, die stark polarisieren und die vermutlich unter gewissen Vorraussetzungen auch ihre Berechtigung besitzen. Der Satz „Hin und  her macht Taschen leer“ spielt dabei allerdings absolut keine Rolle und ich halte ihn persönlich auch schlicht für falsch  – insbesondere wenn man Trading und die damit verbundenen Kosten genauso betrachtet wie jeden anderen vergleichbaren wirtschaftlichen  Prozess, der als prägnante Eigenschaft geringe Gewinnmargen bei hoher Handelsfrequenz beinhaltet.

Ich bin absolut fest der Überzeugung, dass Anfänger in diesen Timeframes nicht oder nur äußerst schwer erfolgreich handeln können, was allerdings nicht bedeutet, dass es nicht trotzdem lehrreich sein kann – eine weitreichende Handelserfahrung von einigen Jahren und das Durchführen von etlichen hundert Trades auf diesen Zeitebenen ist genauso eine essentielle Vorraussetzung wie  die das Verinnerlichen hunderter von Charts im Laufe der Jahre.

Im Folgenden werde ich zuerst die Fallen und Fehler nennen, dann definieren für wen aus meiner Sicht dieser Handelsansatz günstig ist und für wen er schwierig umzusetzen sein wird. Im Anschluss werden Kapitaleinsatz und Positionsgröße erläutert und die Vorgehensweise zur Stop- und Profitsetzungen  dargestellt. Am Ende werde ich dann einige Beispiel-Trades vorstellen, die anfangs sicherlich noch ausführlicher beschrieben werden, später allerdings durch einen einzigen Screenshot selbsterklärend sein sollten.

Fallen und Fehler

Im Gegensatz zum schulpädagogischen Ansatz, bei welchem man das Negativbeispiel nicht der Lehre voranstellen sollte, möchte ich im ersten Teil dennoch auf die Fallen und Fehler eingehen, da diese zu kennen aus meiner Sicht einen erheblichen Erfolgsfaktor darstellen. Viele Dinge die ich jetzt aufzähle, gelten sicherlich zum Teil grundsätzlich beim Trading und lassen sich auf andere Zeitebenen übertragen, der Unterschied liegt hier nur in der Geschwindigkeit des Wahrnehmens und der während eines Trades zur Verfügung stehenden kurzen Reaktionszeiten. Als Fehler bezeichne ich die Vorgänge, auf die der Trader aktiv Einfluß nimmt bzw. sie selbst verschuldet, als Falle diejenigen Vorgänge die unabhängig vom Traderverhalten existieren – natürlich lassen sich nicht alle Fehler und Fallen immer eindeutig voneinander abgrenzen, genauso wenig wie hier alle nur denkbaren genannte werden sollen. Fundamentale Trading- /Marktkenntnisse setze ich natürlich voraus.

Ich wiederhole an dieser Stelle bewusst noch mal, dass es wichtig ist die folgenden Fallen und Fehler unter besonderen Umständen (Mini-Timeframs) zu betrachten. Es ist nur eine sehr kurze Zeitspanne vorhanden, in der es mir ermöglicht wird, diese zeitgleich zu erkennen – mangelnde Konzentration oder allgemeine Unaufmerksamkeit können fatale Folgen haben. Die Berücksichtung und das Erkennen der folgenden Punkte ist die Basis und Grundvoraussetzung der in den nachfolgenden Teilen vorgestellten Strategie.

Falle 1: Der Chart als Hypnotiseur
Die größte Gefahr sehe ich darin, dass es beim Verfolgen oder intensiven Beobachten von Tick- oder Sekundencharts der Kursverlauf die Kontrolle über meine Handlungsweise übernimmt. Das intensive Verfolgen der Bewegungen kann dazu führen, dass ich sukzessive anfange das „große Chartbild“ (aus den übergeordneten Zeiteinheiten) zu ignorieren und mich regelrecht  vom Verlauf fesseln lasse. Die Gefahr ist besonders groß, wenn längere Mini-Trends entstehen und diese zum Erliegen kommen; dann sollte  man nicht mit höchsten Wahrscheinlichkeiten mit der Wiederaufnahme rechen, sondern es empfiehlt sich vielmehr eine Weile zu warten, evtl. auch länger pausieren, die Chartebenen zu wechseln und neue von diesem Trend unabhängige Einstiege zu suchen.

Falle 2: Ausserordentliche Kursbewegungen
Neben den „normalen“ zu erwartenden Kursprüngen bei News  können in Sekundecharts absolut überraschende Spikes entstehen, die scheinbar keinerlei objektiver Begründung genügen – in der Regel erfährt man auch nie, was an dieser Stelle im Detail passiert ist (hat auch für diesen Trading-Stil keinerlei Belang). In sehr schlimmen Fällen trifft es hierbei den Emergency-Stop, im schlimmsten Fall wird dieser auch noch mit erheblicher Slippage ausgeführt. Wird man tatsächlich derart ausgestoppt ist das eine ganz bittere Erfahrung, da unter Umständen der letzten Tage Arbeit  innerhalb von Sekunden für sinnfrei erklärt wurden – sollte der Stop allerdings nicht fallen ist es besonders wichtig Objektivität zu wahren und die weiteren Handlungen nicht durch Angst oder Panik kontrollieren zu lassen. Nur wenige Spikes in diesem Zeitfenster, die völlig ohne Begründung kommen, ändern den Kursverlauf im „große Chartbild“ nachhaltig; man sollte sie dennoch nie unterschätzen und insofern angemessen reagieren, dass man pausiert oder bei den nächsten Trades noch schneller den Stop nachzieht.

Falle 3: Uneingeschränktes Vertrauen in die Technik
Es st nie falsch in diesem Zeitfenster mehrer Kurse eines Instrumentes parallel laufen zu lassen. Nicht selten weichen die Kurse unterschiedlicher Broker voneinander ab. Technisch fehlerhafte Charts sind beim Handeln auf Minutenebene mit großen Positionen untragbar. Tritt so ein Fehler auf, sollte man grundsätzlich immer den Broker kontaktieren (manchmal sehr ernüchternd) und für den Rest des Tages oder bis zu Klärung durch den Broker den Handel einstellen.

Falle 4: Alles ein Frage der Wahrscheinlichkeit

Ich möchte an dieser Stelle gar nicht weiter auf die mathematische Betrachtungsweise eingehen, auch maße ich mir nicht  an zu wissen, welchen Regeln der Markt wirklich unterliegt (die Diskussion gehört hier auch nicht hin und soll an anderer Stelle geführt werden). Ich bezeichne aber gerne mal den einen oder anderen Trade als Glückstrade. Glückstrades sind diejenigen bei denen man am im Sekunden- oder Minutenchart zufällig am gleichzeitigen Top oder Bottom der höheren Zeitebenen einsteigt und dann noch das „Glück hat “ das die erste Bewegung so groß ist, dass man selbst nach großzügiger Gewinnsicherung nicht mehr ausgestoppt wird. Man hat also mit seiner verhältnismäßig großen Position ohne Absicht das Zeitfenster verlassen und kann den Trade in einer übergeordneten Zeitebene weiter betreuen. Diese Trades, die wirklich selten sind katapultieren das Konto unter Umständen exorbitant nach oben.

Fehler 1: Kein Stop, kein Nachziehen des Stops – (Stop ist Pflicht!!!)
Für viele gilt das sicherlich grundsätzlich! In Abhängigkeit von Handelsfrequenz und Positionsgröße können fehlende Stops das Konto innerhalb weniger Trades auslöschen. Wer ohne Stop handelt, darf nur sehr kleine Positionsgrößen handeln und die führen bei Kurzzeitstrategien selten zu großen Gewinnen. Wer mit sehr engem Stop handelt, kann zwar größere Mengen handeln, wird aber oft ausgestoppt, was  nicht nur die Verluste vergrößert sondern auch die Trefferquote erheblich mindert. Ein guter Mix ist die Orderstellung mit Emergency Stop und nach Orderfüllung das sofortige manuelle Nachziehen. Wieviel Prozent vom Kapital der Emergency-Stop ausmacht ist abhängig von Instrument, Volatilität und Trefferquote der Strategie. Der Emergency-Stop wird immer sofort nachgezogen und angepasst und dient in erster Linie zum Schutz vor technsichen Ausfällen, Katastrophenmeldungen etc. Beispiel: Emergency-Stop auf 5% des Kapitals, bei Eintritt in den Markt sofortiges nachziehen auf 3-1%. Ich werde im Laufe der nächsten Trades dazu auch konkrete Beispiele geben.

Fehler 2: Trades nachtrauern
Wenn man gerade, vielleicht sogar mehrfach hintereinander, knapp ausgestoppt wurde bevor es dann in die gewünschte Richtung ging  ist das immer hart. Die Gefahr einer spontanen Fehlreaktion im Sekundenchart ist besonders groß, weil man sich zeitlich sehr nahe am Ausbruchszeitpunkt befindet (quasi live) und man dazu verleitet werden könnte, schnell noch einzusteigen.  Insbesondere besteht die Gefahr unterbewusst die Ausbruchsbewegung von der Stärke her mit einem Ausbruch im Stundenchart  oder sonstigen größeren Zeiteinheiten zu assoziieren und man dadurch anfängt die einsetzende Bewegung zu überschätzen. Da es nicht selten zu ebenso starken Gegenbewegungen kommen kann, kann der spontane Einstieg mit entsprechender,  unangepasster Positionsgröße schnell zum Fiasko werden – unter Umständen ist man nicht mal mehr in der Lage aus der Position vor Erreichen des Emergency-Stops herauszukommen.

Fehler 3: Traden bis der Notarzt kommt
Traden im Sekunden oder Minutenchart 8-10 Stunden am Tag? Das ist natürlich machbar aber unverhältnismäßig anstrengend, da man auf die permanente Sichtkontrolle angewiesen ist. Einen Tag lang die Tickcharts oder Minutenchart verfolgen ist mitunter an manchen Tagen sinnvoll aber auf Dauer kein wünschenswerter Zustand. Man sollte sich ein oder zwei Zeitfenster heraussuchen, in denen man konzentriert handelt und sollte dieses Zeitfenster strategieabhängig erweitern oder verkürzen (dazu später in der Strategie). Ich möchte damit betonen, dass z.B. während eines Trades im Sekundenchart nicht mal Zeit für Essen, Trinken oder Ähnliches zur Verfügung steht.

Fehler 4: Nachkaufen/ Verbilligen
Nachkaufen  im Sekunden oder Minutenchart ist in der Regel nur dann sinnvoll, wenn der Broker die Möglichkeit bereitstellt die Stops bzw. den Close der Positionen schnell und komfortabel gleichzeitig zu handeln – zwei oder mehr Positionen ordentlich in kleinen Chartfenstern zu handeln ist ein erheblicher Aufwand und steht nicht immer im Verhältnis zum Ergebnis. Ausnahmen bilden Pyramiden, bei denen ich die vorhergehenden Positionen nicht mehr aktiv managen muss (wie z.B. die oben genannten „Glücksfälle“).

… to be continued

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Über den Autor

Kommentare (6):

  1. Netter Artikel mit guten Tipps. Aber warum zum Geier sollte man keine Stops nachziehen? Okay, beim Scalpen macht das ganze keinen großen Sinn – da gebe ich dir Recht – aber wenn man einen länger anhaltenden Trend im kleinen Timeframe erwischt hat macht das meiner Meinung nach durchaus Sinn.

  2. @Scalping Man
    … da habe ich mich vielleicht ein wenig unklar in der Überschrift ausgedrückt! Dies nicht zu tun ist ein Fehler – das ist gemeint, dass geht dann auch aus dem Text hervor. Ich schaue mal, dass ich die Überschrift umformuliere.
    IMMER MIT STOP – deswegen auch meine Avatar :)

    Danke, ich formuliere das besser :)

    LG Aurelius

  3. Wirklich interessant, dass du mit den Fallen und Fehlern anfängst.
    Aber ich glaube, wer so noch nicht gehandelt hat, kann damit nicht all zu viel anfangen. Ich sehe mich da schon an der ein oder anderen Stelle. Es ist wirklich eine Frage der Konzentration und der Reaktion. Wer es geschafft hat in diesen Zeitrahmen erfolgreich zu sein, der ist dem ‘heiligen Gral’ sehr nahe. Denn durch die hohe Frequenz mit der die Trades ausgeführt werden, hat man statistisch sehr gute Karten, dass längere Drawdowns nicht auftreten. Ich bin wirklich auf to be continued gespannt.
    Klasse Beitrag
    P.S. Deine Aussage unter Fehler 1 ist eindeutig.

  4. Fehler- und Fallenbeschreibungen sind immer schwer zu vermitteln. “Mir kann das doch nicht passieren” sind die ersten Reaktionen. Diese Fehler/Fallen selbst zu erleben, hat leider den besten Lerneffekt.

    Gerade bei CFD´s dürfte man eigentlich ohne SL gar nicht traden…also meine ehrliche Meinung…man dürfte ÜBERHAUPT NICHT ohne SL traden.
    Oft wird noch von Slippage geredet. Ich hab den Broker, der einen garantierten SL hat. Seit dem schlaf ich wie ein Murmeltier ;-) !

  5. @Aurelius:

    Gute Beschreibung, lese gleich noch den 2. Teil… 2 kleine Anmerkungen/Fragen:

    “In sehr schlimmen Fällen trifft es hierbei den Emergency-Stop, im schlimmsten Fall wird dieser auch noch mit erheblicher Slippage ausgeführt. Wird man tatsächlich derart ausgestoppt ist das eine ganz bittere Erfahrung, da unter Umständen der letzten Tage Arbeit innerhalb von Sekunden für sinnfrei erklärt wurden –”

    Wie oft kommt sowas vor? Wenn häufiger, würde mich das schon sehr nerven… wobei es schon genügend Umstände beim Trading gibt, die für mich “eine ganz bittere Erfahrung” darstellten. ;-)
    Ich habe mir übrigens abgewöhnt, zwischen einem Emergency Stopp und einem normalen Stopp zu unterscheiden. Es gibt keinen Emergency Stopp mehr, nur noch einen echten (charttechnischen) Stopp. Entweder der Trade läuft gleich richtig los oder er wird gestoppt.

    “Für viele gilt das sicherlich grundsätzlich! In Abhängigkeit von Handelsfrequenz und Positionsgröße können fehlende Stops das Konto innerhalb weniger Trades auslöschen.”

    Das geht sogar mit einem einzigen Trade, z.B. mit CFDs/Futures oder ähnlichen Hebelprodukten, wenn man sein Konto massiv überhebelt. Daran sieht man, wie verdammt gefährlich Hebeltrading ist und man genau wissen muss, was man tut. Ohne RM/MM inkl. Stopps geht mE gar nichts, in dem Kurzfristzeitrahmen wie beschrieben IMO schon 3x mal nichts.

    @GeDi:
    “Gerade bei CFD´s dürfte man eigentlich ohne SL gar nicht traden…also meine ehrliche Meinung…man dürfte ÜBERHAUPT NICHT ohne SL traden.”

    Das für CFDs würde ich sofort unterschreiben. Ich will nicht wissen, wie viele der CFD-Broker damit Geld verdienen, weil ihre Kunden dies nicht beachten… Wie viele CFD-Konten wurden denn gerade in 2008 vernichtet? Wäre bestimmt interessant.

    Garantierte SLs sind ebenfalls sinnvoll, allerdings muss auch der Preis stimmen. Wenn ein Broker ca. 3x soviel Kommissionskosten für einen garantierten Stopp verlangt (und zwar nur für die Setzung, nicht für die Auslösung), ist das mE definitiv zu viel. Zumindest für die Positionsgrößen, die ich so handle… ;-)

    Grüsse
    Marvin

  6. Wie oft kommt sowas vor? Wenn häufiger, würde mich das schon sehr nerven… wobei es schon genügend Umstände beim Trading gibt, die für mich “eine ganz bittere Erfahrung” darstellten.
    Ich habe mir übrigens abgewöhnt, zwischen einem Emergency Stopp und einem normalen Stopp zu unterscheiden. Es gibt keinen Emergency Stopp mehr, nur noch einen echten (charttechnischen) Stopp. Entweder der Trade läuft gleich richtig los oder er wird gestoppt.

    Es sollte in der Regel nicht so häufig vorkommen; eigentlich nur wenn man wirklich ein technisches nicht beeinflussbares Problem hat. Ich hatte das in den letzten 6 Jahren 4 mal (davon allein 2 mal bei dem amerikanischen Pendant von Marketindex). Einmal wie schon in einem anderen Kommentar von mir erwähnt besonders heftig. Ich will damit sagen, es ist kein aktiver teil der Strategie :) .
    Den Stop ziehe ich schnell charttechnisch nach, aber ich unterscheide definitiv diese beiden Stoparten, weil ich mit meinem virtuellen MM-Stop zu oft ausgestoppt werde. Auf dieses Risiko gehe ich später aber noch mal ein, weil dies genau der Punkt ist, der meine Äusserung mit dem “Glück” motiviert (ich habe bestimmt auch ‘nen schönen Screenshot dazu).

    LG Aurelius

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