Was man bei Fremdwährungsanlagen beachten sollte

Was man bei Fremdwährungsanlagen beachten sollte

Was man bei Fremdwährungenanlagen beachten sollte

Ich möchte in diesem Artikel einmal auf das Währungsrisiko bei Fremdwährungsanlagen eingehen. Neben dem eigentlichen Kursrisiko besteht dort nämlich immer auch ein Wechselkursrisko, solange es keine Fix-Preisungen gibt. Ein Beispiel wäre, wenn man z.B. mit einem Handelskonto in Euro US-Werte (z.B. Aktien-CFDs) Trades eingeht. Solange man nicht sein Konto in der Fremdwährung selbst führt (also z.B. in US Dollar) und den Umtausch dann an einem einzigen Zeitpunkt x durchgeführt hat, sollte man in etwa wissen, was eine Anlage in einen Wert in einer fremden Währung für den Trade bedeutet. Ich werde unten je ein Beispiel für einen Trade in einer US-Aktie und ein Forex-Währungspaar aufführen.

Übrigens: KO-/Hebelscheine in Fremdwährungstitel sind z.B. nur dann von Währungsrisiken “unabhängig”, wenn diese den Zusatz “quanto” haben. Dann bezahlt man diese Währungsabsicherung aber mit, wenn man den KO-Schein in Euro kauft. Das sollte man sich klarmachen. Es ist nur ein bequemer Weg, sich selbst gegen einen möglichen Währungsverfall abzuhedgen. Auch dies ginge natürlich. Ansonsten hat man auch bei Scheinen, die z.B. in US-Werte anlegen, ein Währungsrisiko. Nur ist dieses nicht einfach aus dem Kurs des Scheins berechenbar wie z.B. bei einem CFD, da der Schein generell keinen transparenten Preis angibt (anders wie bei Futures und CFDs).

Betrachten wir einmal das Beispiel, wenn man in einen US-Wert (z.B. Caterpillar) long/short gehen will. Unabhängig von der eigentlichen Kursentwicklung (dies sehen wir nun einmal als konstant an, d.h. der Kurs selbst würde sich nicht ändern) ergibt sich dann:

  • Gehe ich in dem US-Wert Long, dann gilt:
    • Steigt das Währungsverhältnis EUR/USD (d.h. der Euro wertet gegenüber dem US Dollar auf, was gleichbedeutend damit ist, dass der US Dollar abwertet), erleide ich einen Währungsverlust.
    • Fällt das Währungsverhältnis EUR/USD, mache ich einen Währungsgewinn.
  • Das Umgekehrte gilt für das für Shorts in US-Werte:
    • Steigt das Währungsverhältnis EUR/USD, mache ich einen Währungsgewinn.
    • Fällt das Währungsverhältnis EUR/USD, erleide ich einen Währungsverlust.

Konkretes Beispiel dazu (mit “Phantasie”-Kursen):

Caterpillar (CAT) Long: Entry bei 35, Stopp bei 31,5, Kursziel 48 -> CRV 3,7, EUR/USD: 1,30; Einsatz: 200 € im Trade (Risiko), bei einem Hebel von 10 sind das 74 Stück (CFDs). Alle Berechnungen sind einfachhalber ohne Berücksichtigung der Transaktions-/Finanzierungskosten.

Dann würden sich z.B. folgende Szenarien denkbar:

  • Fall 1: CAT erreicht das Kursziel und EUR/USD bleibt unverändert: 740 € Kursgewinn +0 € Währungsgewinn = 740 € Gewinn
  • Fall 2: CAT erreicht das Kursziel und EUR/USD steigt auf 1,35: 740 € Kursgewinn – 101 € Währungsverlust = 639 € Gewinn (Gewinn wird durch Währungsverlust reduziert)
  • Fall 3: CAT erreicht das Kursziel und EUR/USD fällt auf 1,25: 740 € Kursgewinn + 109 € Währungsgewinn = 849 € Gewinn (Gewinn wird durch Währungsgewinn erhöht)
  • Fall 4: CAT wird gestoppt und EUR/USD bleibt unverändert: -200 € Kursverlust + 0 € Währungsgewinn = -200 € Verlust
  • Fall 5: CAT wird gestoppt und EUR/USD steigt auf 1,35: -200 € Kursverlust -66 € Währungsverlust = -266 € Verlust (also mehr als das geplante Gesamtrisiko für den Trade)
  • Fall 6: CAT wird gestoppt und EUR/USD fällt auf 1,25: -200 € Kursverlust +72 € Währungsgewinn = -128 € Verlust (Währungsgewinn federt teilweise den Kursverlust ab)

Shorts würden dann analog umgekehrt funktionieren.

Man sollte also immer das Währungsverhältnis im Hinterkopf haben bzw. sich Gedanken darüber machen, wo dieses sich hinentwickeln wird, was natürlich nicht trivial ist und eine weitere Unbekannte im Trading ist (wenn man dies vermeiden will, kann man ein Konto in der Fremdwährung führen oder generell Werte in Fremdwährungen nicht traden). Wenn man “doppelt” gewinnen will (also durch die Kursentwicklung und die Entwicklung des Währungsverhältnisses), sollte man nur dann in US-Werten long gehen, wenn EUR/USD fallen wird, der Euro also gegenüber dem USD abwertet. Analog sollte man nur dann in US-Werte short gehen, wenn EUR/USD steigt, der Euro also gegenüber dem USD aufwertet. Sonst kann es vorkommen, dass man die möglichen Kursgewinne durch den negativ verlaufenden Wechselkurs wieder abgibt. Dies kann sogar soweit gehen, dass man den Trade im Minus abschließt, obwohl der eigentliche Kurs sich positiv entwickelt hat, das Währungsverhältnis sich aber negativer entwickelt hat. Das genau ist mir nämlich passiert, bei einer Teilgewinnsicherung in einem Trade mit eher schlechtem CRV, weil der Stopp zu weit weg lag. ;-) Salopp gesagt, kämpft sozusagen die negative Entwicklung des Währungsverhältnisses gegen den positiven Kursverlauf an.

Obige Überlegungen sind im kurzfristigen Zeitfenster wohl nicht so gravierend, aber je höher die Zeitebene, desto eher wird es sich auswirken. In meinem Fall hat eine Tradedauer von nur 9 Tagen gereicht, dass der Trade ingesamt im Minus endete, obwohl der Kurs geeignet verlaufen war. Nur war der Währungsverlauf eben war negativer… ;-) Und wer sich einmal die Währungsverläufe der letzten Wochen/Monate ansieht, wird erkennen, dass es dort massive Bewegungen gegeben hat und noch gibt. Auch diese Kurse bewegen sich aktuell wesentlich schneller als zu anderen Zeiten.

Im Trading-Journal (demnächst auch hier downloadbar) wird die Unterscheidung Kurs-/Währungsgewinn/-verlust bei der Registrierung der Trades klar erkennbar: Da wird zwischen Kurs- und Währungsgewinn/-verlust unterschieden, so dass man sehr genau sehen kann, wo der Gewinn abgeblieben ist… natürlich gibt es auch die “günstigen” Situationen, in denen zu dem Kursgewinn noch der Währungsgewinn hinzukommt. Wenn man sich die o.g. Überlegungen vor dem Trade klarmacht und man neben dem Kursverlauf des Wertes noch den Verlauf der Währung richtig einschätzen konnte, gewinnt man “dopppelt”. Es ist auch das Szenario möglich, dass man beim Ausstoppen eines Trades dennoch wenig Verlust bis hin zu Gewinn gemacht hat, weil die Währung es dann “rausgerissen” hat. Auch das kam bei mir schon vor…

Betrachten wir nun das allgemeine Beispiel mit einem Crossrate-Forexpaar. Das ist sieht erstmal kompliziert aus, ist aber genauso wie oben zu behandeln. Es ist eigentlich der Normalfall, obiges Beispiel war demnach nur ein Spezialfall davon. Beispiel: Man will in USD/CHF (US Dollar gegen Schweizer Franken) Long gehen. Da das Konto in EUR geführt wird, muss man folgendes beachten:

  • Geht man in USD/CHF Long, dann gilt folgendes unabhängig von der eigentlichen Kursentwicklung (hier also USD/CHF):
    • Wenn EUR/CHF steigt (d.h. der Euro wertet gegenüber dem Schweizer Franken auf, was gleichbedeutend damit ist, dass der Schweizer Franken abwertet), erleide ich einen Währungsverlust.
    • Wenn EUR/CHF fällt, mache ich einen Währungsgewinn.
  • Das Umgekehrt gilt für das Shorten in USD/CHF:
    • Wenn EUR/CHF steigt, mache ich einen Währungsgewinn.
    • Wenn EUR/CHF fällt, erleide ich einen Währungsverlust.

Man muss also immer die Entwicklung des 2. Forex-Wertes (hier also: CHF in USD/CHF) gegen die Heimtwährung (hier: EUR) berücksichtigen.

Auch diese Berechnungen werden übrigens im Trading-Journal korrekt ermittelt. Wie man sowas im TJ korrekt eingibt, kann ich dann einmal unter der TJ Seite erklären, bei Interesse.

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Über den Autor

Kommentare (3):

  1. - Hedging -

    Hallo Marvin,

    sehr guter Artikel, vor allem sehr praxisnah gehalten.

    Hast Du die Idee mit dem CAT-Trade dann auch mal “weitergesponnen”?
    Wie könnte man sich des Wechselkursrisikos entledigen bzw. es minimieren?
    (Stichwort: Hedging.)

    Hierzu von mir mal folgende Überlegungen:
    Wenn ich (wie in Deinem CAT-Trade) in einen US-Wert LONG-gehe und mich gegen einen Währungsverlust (sprich steigenden EUR/USD) absichern will, so käme die Möglichkeit in Betracht, in diesem Währungspaar EUR/USD LONG aktiv zu werden.
    Es müsste also versucht werden, die Währungsverluste aus dem Haupttrade (LONG CAT) mit den Kursgewinnen aus dem Hedgetrade (LONG EUR/USD) auszugleichen.
    Das klingt auf den ersten Blick recht einfach, lässt sich jedoch nicht perfect hedgen (sprich das Risiko lässt sich nicht 1:1 ausschalten), außerdem fallen für diesen Hedgetrade natürlich wieder Kosten und Marginhinterlegung an.

    Aber probieren wir es doch einfach mal:
    Welche Währungsverluste müssten abgedeckt werden?
    In Deinem Beispiel sieht man schön, dass der Währungsverlust sehr unterschiedlich ausfällt, obwohl der EUR/USD jeweils den gleichen Kurs aufweist.
    Siehe: Fall 2 (=EUR 101,00) + Fall 5 (=EUR 66,00).
    Woran liegt das?
    Klar, an dem jeweiligen Exit-Kurs der CAT.
    Je höher der Kurs (Fall 2 = USD 48,00 / Fall 5 = USD 31,50), desto höher der Währungsverlust, da ja der EUR/USD vom Entry in Relation zum EUR/USD vom Exit gesetzt wird.
    Sprich: Für meinen “Verlustfall” (CAT wird ausgestoppt) müsste ich EUR 66,00 absichern; für den “Gewinnfall” (CAT wird beim ProfitTarget geschlossen) hingegen EUR 101,00!
    (Anm.: Würde sich CAT nicht bewegen, so wäre ein Währungsverlust von EUR 74,00 zu verbuchen.)

    Nehmen wir nun die Mitte (also den Entry als Exit, CAT hat sich nicht bewegt) als Ausgangsbasis und versuchen also EUR 74,00 Währungsverlust zu neutralisieren.
    Der Entry erfolgte bei einem EUR/USD von 1,3000 und der Exit bei einem EUR/USD 1,3500, die Anzahl der CAT-CFDs beträgt 74 Stück.
    Diese Zahlen zu Grunde gelegt müsste ich einem Hedgetrade folgende Position eingehen:
    EUR/USD LONG, Stückzahl: 1.993 CFDs, @ 1,3000.
    Wird dieser Hedgetrade @ 1,3500 geschlossen so fließen mir EUR 74,00 Gewinn zu.
    -> (1,3500 – 1,3000) * 1993 / 1,3500 = 74,00

    Diese Rechenschritte für die beiden anderen Fälle gemacht:
    - Für das Ausstoppen bei USD 31,50 benötigen wir nur 1.793 CFDs.
    - Für den Exit am PT bei USD 48,00 benötigen wir hingegen 2.733 CFDs.

    Welche CFD-Anzahl soll man nun für seinen Hedgetrade verwenden?
    Die CFD-Anzahl, die mir über mein PT des Haupttrades vorgegeben wird?
    Klingt plausibel.
    Was ist jedoch, wenn man bei seinen Trades keine PTs verwendet (Gewinne laufen, extreme Trendfolger)?

    Und: Sollte der EUR/USD fallen (!), so würde mein Haupttrade einen Währungsgewinn (!) abwerfen, der dann wiederum von einem Verlust meines Hedgetrades atomisiert würde.
    Die Zahlen hierzu:
    Exit beim Stop: Währungsgewinn: EUR 71,72.
    Exit beim Entry: Währungsgewinn: EUR 79,69.
    Exit beim PT: Währungsgewinn: EUR 109,29.

    Nehmen wir nun den Extremfall an, dass ich beim Stop rausgehe und die Hedge-CFD-Anzahl auf das PT abgestellt hatte, so habe ich zu dem Haupttradeverlust noch einen Saldo-Währungsverlust von EUR 37,57.
    Hier wäre es besser gewesen, die Hedge-CFD-Anzahl auf den SL (Stop) abzustellen.

    Bleibt festzuhalten:
    Steigt der EUR/USD so sollte die Hedge-CFD-Anzahl auf das PT abgestellt werden.
    Fällt der EUR/USD so sollte die Hedge-CFD-Anzahl auf den SL abgestellt werden.

    Da man dies natürlich vorher nicht weiß, könnte man hier den Mittelweg wählen und auf den Entry-Kurs abstellen oder aber man geht in eine Analyse des EUR/USD.

    Viele Grüße,
    Clint.

  2. @fragmasta

    Hi fragmasta!

    Toller Kommentar, komme jetzt leider erst dazu, ihn zu lesen…

    “Es müsste also versucht werden, die Währungsverluste aus dem Haupttrade (LONG CAT) mit den Kursgewinnen aus dem Hedgetrade (LONG EUR/USD) auszugleichen.”

    Ja, das Problem ist, dass man diesen EUR/USD ja “irgendwie” prognostizieren muss, sprich: auch hier müsste man ab-/einschätzen, wo EUR/USD hinäuft. Dazu kommt die Höhe der Veränderung, also die Bewegung von EUR/USD im Vgl. zur Bewegung des Haupttrades.
    Problem sind wie Du in Deinem sehr ausführlichen Beispiel genannt hast, diese 74 Euro irgendwie abzuschätzen, weil ich ja nicht weiß, wo sich EUR/USD innerhalb meines laufenden Trades hinbewegen wird. Man könnte in der Tat den “Mittelweg” wählen, um wenigstens einen Teil der möglichen Währungsverluste abzufangen. Muss mal überlegen, ob mir neben jedem US-Trade ein EUR/USD Trade nicht zu aufwendig wäre, aber generell kann man es schon so machen wie Du vorgeschlagen hast.

    Grüsse
    Marvin

  3. und die Moral der G’schicht:Es zahlt sich aus nach Brokern zu suchen, die euch beim Thema Wechselkursrisiko nicht (ganz) in Stich lassen ;)
    Damit fallen mal alle mir bekannten CFD Broker aus ;)
    Beispiel IB: Für Trades in Fremdwährung bekommt man einen Fremdwährungskredit. (in Höhe des Margins)
    Das entschärft das Wechselkursrisiko ziemlich.
    Natürlich kostet das Zinsen.
    Preisfrage: Ist das US-Zinsniveau im Augenblick eher hoch oder niedrig ?
    Die Zinsen sind fair, Interbankenzins+1.5, also derzeit ca 1.7% für US.
    Obendrein wird auch Habenzinsen für nicht verwendetet Kapital verrechnet
    (Interbankenzins-0.5).
    Für Millionenkonten gibts noch günstigere Konditionen.
    Abrechnung minutengenau.
    IMHO eine ziemlich günstige Versicherung.

    Nein, möchte keine Werbung für IB machen ;)

    PS: Perfekte Absicherung ist das natürlich auch nicht.
    Die Höhe des € Gewinn/Verlusts ist natürlich abhängig vom
    Wechselkurs zum Zeitpunkt der Konvertierung.
    Aber eben nicht von der Währungsschwankung zwischen Tradestart und Ende.
    Dh. äquivalente $Gewinne können nachwievor unterschiedliche €Gewinne bedeuten.
    Aber man kann ja zu beliebigen Zeitpunkten konvertieren, muß nicht mit jedem Trade sein. (Kostet dann allerdings mehr Zinsen)
    Ich handle auch das Währungspaar Eur/USD, hab da/dadurch recht “realistische” Einschätzungen wann eine Konvertierung günstig ist.
    Mache nur ein paar mal pro Jahr.
    Find diese abgeschwächte Form des Währungsrisikos weit tragbarer/angenehmer als das “Echte”/Volle.
    Das Kreditmodell ist bei IB übrigens optional – dh man kann aber muß nicht – ganz normal Wechseln vor jedem $ Trade.

    Wie auch immer, es ist imho enorm wichtig daß man es beachtet.

    mfg, upgap

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